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US-Präsident bricht mit Ex-Berater Bannon : "Er hat den Verstand verloren"

Trumps Ex-Berater Stephen Bannon erhebt in einem Buch Vorwürfe gegen die Familie des US-Präsidenten in der Russland-Affäre. Trump reagiert mit einer Unterlassungserklärung.

Präsident Donald Trump und sein Chefstratege Steve Bannon im Januar 2017 im Weißen Haus.
Präsident Donald Trump und sein Chefstratege Steve Bannon im Januar 2017 im Weißen Haus.Foto: Evan Vucci/AP/dpa

Der ehemalige Chefstratege von US-Präsident Donald Trump erwartet Ermittlungen gegen die Familie des Staatschefs wegen Geldwäsche. Das sei beim Vorgehen von Russland-Sonderermittler Robert Mueller klar erkennbar, sagte Ex-Berater Stephen Bannon in einem am Mittwoch bekannt gewordenen Interview. Insbesondere Präsidentensohn Donald Jr und Schwiegersohn Jared Kushner stehen laut Bannon in Muellers Visier. Damit werden erstmals Korruptionsvorwürfe gegen die Trumps aus der engsten Umgebung des Präsidenten laut. Trump reagierte umgehend. In einer zornigen Erklärung sagte er sich von seinem rechtspopulistischen Berater Bannon los und warf ihm vor, er habe „den Verstand verloren“.

Sonderermittler Mueller geht seit mehr als einem halben Jahr dem Verdacht nach, dass es eine Zusammenarbeit zwischen Trumps Wahlkampfteam und Russland bei Manipulationsversuchen während des Präsidentschaftswahlkampfes 2016 gegeben hat. Mehrere Ex-Mitarbeiter Trumps sind von Mueller bereits angeklagt worden; andere haben gestanden, die Bundespolizei FBI in Sachen Russland angelogen zu haben, und sind im Gegenzug für Strafnachlässe bereit, mit dem Ermittler zu kooperieren. Trump selbst weist alle Vorwürfe zurück, wird den Schatten der Russland-Affäre aber nicht los.

Mit Bannons Äußerungen erreichen die Vorwürfe nun eine ganz neue Dimension. Im Gespräch mit dem Autor Michael Wolff für ein Buch über Trumps Präsidentschaft, das kommende Woche erscheinen soll, machte der Ex-Berater der Familie des Staatschefs schwere Vorwürfe. Die britische Zeitung „Guardian“ berichtete am Mittwoch vorab über das Buch – und löste damit helle Aufregung in Washington aus.

Im Gespräch mit Wolff ging Bannon hart mit Trumps Sohn Donald Jr ins Gericht. Dessen Treffen mit einer russischen Anwältin, die belastendes Material über Trumps Rivalin Hillary Clinton versprochen hatte, sei Landesverrat und ein unpatriotischer Akt gewesen. Nun werde Donald Jr von Mueller ins Gebet genommen, sagte Bannon: „Sie werden Don Junior zerbrechen wie ein Ei im Fernsehen.“

Spezialist für Geldwäsche

Mueller habe bei der Zusammenstellung seines Ermittler-Teams zuallererst einen Spezialisten für Geldwäsche ins Boot geholt, betonte Bannon. „Hier geht es ausschließlich um Geldwäsche.“ Trumps Schwiegersohn Kushner sei bei diesem Thema belastet: „Die Kushner-Scheiße ist schmierig“, sagte Bannon. Der Weg der Ermittler zu Kushner und Trump Jr führe über die Deutsche Bank, unterstrich er; Mueller hat laut Medienberichten bei dem deutschen Institut, das Kushner mehrere hundert Millionen Dollar für dessen Immobilienunternehmen geliehen haben soll, Unterlagen angefordert.

Für Bannon steht fest, dass Mueller die Geldwäsche-Vorwürfe gegen Kushner und Trump Jr benutzen will, um an Informationen über die Rolle des Präsidenten in der Russland-Affäre zu kommen. Einige Oppositionspolitiker hatten bereits vor Monaten ein Amtsenthebungsverfahren gegen Trump gefordert; derzeit ist aber keine Mehrheit im Kongress für ein solches Verfahren in Sicht.

Bannons Äußerungen schlugen in Washington auch deshalb wie eine Bombe ein, weil der frühere Wahlkampfmanager von Trump trotz seiner Entlassung im vergangenen August nach wie vor enge Kontakte zum Präsidenten pflegte. Der 64-jährige Bannon ist der Architekt des rechtspopulistischen Programms, das Trump im November 2016 ins Weiße Haus brachte. Seit seinem Ausscheiden unterstützt Bannon als politischer Aktivist und Berater rechtspopulistische Parlamentskandidaten, um Trump zu helfen.

Trump-Anwälte schicken Bannon Unterlassungserklärung

Doch nun ist die Allianz zwischen dem Präsidenten und seinem Ex-Strategen zerbrochen. Nur wenige Stunden nach Bekanntwerden des „Guardian“-Berichts erklärte Trump, Bannon habe bei seiner Entlassung aus dem Präsidialamt „nicht nur seinen Job, sondern auch seinen Verstand verloren“. Gleichzeitig spielte er Bannons Bedeutung im Wahlkampf und in der Regierung herunter und warf ihm vor, Falschinformationen an die Presse weitergeleitet zu haben. „Steve Bannon hat nichts mit mir oder meiner Präsidentschaft zu tun.“

Trumps Anwälte haben Bannon in einer Unterlassungserklärung bereits mit rechtlichen Schritten gedroht. Bannons Kommunikation „mit dem Autor Michael Wolff über ein bevorstehendes Buch gibt Anlass zu zahlreichen Rechtsansprüchen, darunter auf Rufschädigung durch Verleumdung und Beleidigung“, zitierte der US-Nachrichtensender CNN am Donnerstag Trumps Anwalt Charles Harder. Bannon habe zudem eine schriftliche Vertraulichkeitsvereinbarung verletzt.

Doch aus Bannons Sicht ändert die Wut des Präsidenten nichts daran, dass die Trump-Regierung bei Muellers Ermittlungen vor schwierigen Zeiten steht: Die Mitglieder der Administration seien wie Strandbesucher, die einen nahenden Wirbelsturm aufhalten wollten, sagte er.

 

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