US-Präsident : Präsident Donald, der Ewige

Wenn er aus dem Amt gejagt würde, bräche die Wirtschaft zusammen, warnte US-Präsident Trump. Das ist ein Ausdruck von Bescheidenheit. Ein Kommentar.

US-Präsident Donald Trump
US-Präsident Donald TrumpFoto: dpa/AP/Evan Vucci

Er hat sich ein „stabiles Genie“ genannt. Und im Interview mit seinem Lieblingssender „Fox News“ die Note Eins plus für seine bisherige Amtsausübung gegeben. Nun warnt der US-Präsident die Nation, falls es zu einem Amtsenthebungsverfahren gegen ihn käme, „würde der Markt zusammenbrechen“.

Man darf das geradezu als Ausdruck von Bescheidenheit verstehen; Trump-typischer und folgerichtiger wäre die Aussage: Falls ich überhaupt jemals das Weiße Haus verlassen sollte, würde die Weltwirtschaft einen Crash erleben. Er muss folglich ewig Präsident bleiben. „Donald forever!“ Und kurz vor der Unsterblichkeit.

Er spricht wie ein Mafia-Mann: "brechen" und "flippen"

Sarkasmus, Spott und schwarzer Humor sind eine Option, auf Trumps Großmannssucht zu reagieren. Eine andere ist, ihn für brandgefährlich zu halten. Eine dritte, seine Äußerungen nicht ganz so ernst zu nehmen.

Das fällt vielen schwer. Er benutzt Mafia-Jargon, als er die Strafverfahren gegen zwei hochrangige ehemalige Mitarbeiter einordnet. Sein zeitweiliger Wahlkampfmanager Paul Manafort habe sich nicht "brechen" lassen. Er blieb ein „Goodfella“ in der Welt der Mobster. Mit ihr ist Trump vertraut – aus legendären TV-Serien und weil er sich selbst als Baulöwe in dem Umfeld bewegte. Manafort ließ sich nicht zum Kronzeugen umdrehen; das imponiert Trump, und prompt spekuliert er über eine Begnadigung.

Sein persönlicher Anwalt Michael Cohen hingegen ist auf das Angebot Strafreduzierung gegen Aussagebereitschaft eingegangen. Der sei ein „Flipper“, habe also die Seite gewechselt, empört Trump sich. „Das sollte verboten sein.“

Es geht um Treue und Verrat, nicht Recht und Unrecht

Trump denkt nicht in den Kategorien von Recht und Unrecht, sondern in denen von Treue und Verrat. Ist das gefährlich für den Rechtsstaat? Untergräbt es die Glaubwürdigkeit, wenn der Präsident das Begnadigungsrecht missbraucht? Ja, diese Gefahr besteht.

Doch zunächst hat Amerikas Rechtsstaat nicht versagt, sondern seine Effektivität bewiesen. Das ist die erste Reaktion in den USA. Das Schweigekartell um das System Trump ist aufgebrochen. Manafort wurde verurteilt, weil ein ehemaliger Geschäftspartner, Rick Gates, sich als Kronzeuge hergab. Cohen packte aus und bringt damit auch Trump in Schwierigkeiten. Der habe ihn angewiesen, zwei Frauen Schweigegelder zu zahlen, damit sie nicht über ihre Affären mit Trump öffentlich reden. Cohen wird wohl auch mit Sonderermittler Robert Mueller sprechen.

Er fürchtet die Wahlniederlage, nicht eine Amtsenthebung

Trump ist sich des Risikos bewusst. Die beiden spektakulären Fälle können die öffentliche Stimmung beeinflussen. Deshalb verschickt er den Warn-Tweet. Ein Stimmungsumschwung wird zwar wahrscheinlich weder dazu führen, dass Trump angeklagt oder in einem Impeachment des Amts enthoben wird. Aber die Chancen der Demokraten bei der Kongresswahl im November verbessern sich.

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