US-Strafzölle gegen Marmelade : Muss Bad Schwartau jetzt Angst haben?

Die Trump-Administration hat ein neues Opfer für ihre Strafzollpolitik: süßen Brotaufstrich. Dabei hat der schon genug Sorgen! Eine Kolumne.

Schmeckt und lädt zu Sanktionen ein: Marmelade aus Deutschland.
Schmeckt und lädt zu Sanktionen ein: Marmelade aus Deutschland.Foto: Andrea Warnecke/dpa

Man hatte wirklich für viel noch irgendwie Verständnis: Strafzölle auf deutsche Autos? Die sind ja letztlich auch zu groß und gefährlich und so schädlich für die Umwelt. Strafzölle auf deutschen Wein? Alkohol ist ja auch des Teufels, und kaum trinkt man Wein, landet man beim Schnaps, Einstiegsdroge, man kennt das, und dann ist auch schon Alkoholismus und das Leben im Eimer. Aber jetzt? Marmelade? Man muss fast kichern.

Deutsche Marmelade soll zum September mit Strafzöllen belegt werden. Das wurde in den USA mitgeteilt. Wird das jetzt nach den Vernichtungsansagen gegen das Rügenstädtchen Sassnitz (wegen dessen Verbindung zum Gaspipelineprojekt Nord Stream 2) ein Feldzug gegen Bad Schwartau, Sitz der Schwartauer Marmeladenfabrik?

Anruf in der Zentrale: Wie groß ist die Angst bei Ihnen, ganz vorne an der neuen Front im deutsch-amerikanischen Handelsstreit?

„Also schlecht schlafen werden wir deswegen jetzt nicht“, heißt es dort.

Sind Jobs in Gefahr? Nein.

Bricht das Geschäft zusammen? Nein.

Wie das angehen kann? Die Abhängigkeit von Exporten in die USA sei gering.

Also alles easy? Ein bisschen ärgert man sich vielleicht doch. Weil es bei den immer neuen Strafzöllen gegen immer neue Produkte letztlich um US-Rache für die EU-Subventionen für Airbus geht. Dass dafür nun eine kleine Frühstücksleckerei büßen soll, das kann niemand gerecht finden.

Andererseits waren die Exporte von Konfitüren (so der juristisch korrekte Begriff für Marmelade) in die USA gerade am Steigen: Zwischen 2018 und 2019 legten sie mengenmäßig um 46 Prozent zu. Was wertmäßig einem Zuwachs von immerhin 80 Prozent entsprach. Weil sich Marmelade in den USA teurer verkaufen lässt als hierzulande.

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Das ist für deutsche Hersteller deshalb gut, weil hierzulande viele von ihnen unter dem Preisdumping der großen Handelsketten leiden. Welch Kratzer am heilen Marmeladenweltbild! Ist man erstmal so weit im Bilde, fragt man sich doch gleich, wie man je ganz ohne jedes Problembewusstsein und ohne Nachdenken das bunte Fruchtgelee auf sein Brötchen schmieren und mitsamt verspeisen konnte. Sehr ignorant.

Eine Frage bleibt: Werden in der Lebensmittelbranche inzwischen Wetten abgeschlossen, welche Produkte als nächstes mit Strafzöllen belegt werden? Anruf beim Bundesverband der Ernährungsindustrie. Ach, so witzig sei das alles nicht. Von wegen Exporte als Ertragsstütze. Wegen der Dumpingpreise hierzulande. Wer ist jetzt eigentlich der Böse im Marmeladenkrieg?

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