USA : Proteste gegen Irak-Krieg

Kurz vor dem vierten Jahrestag des US-Einmarsches in den Irak haben in Washington mehrere zehntausend Menschen gegen den Krieg protestiert. Mit Plakaten und Parolen wie "USA raus aus dem Irak - Jetzt" zogen die Demonstranten vor das Pentagon.

Washington/Bagdad - Journalisten schätzten die Zahl der Demonstranten in Washington auf mehrere zehntausend, die Polizei machte keine Angaben. Die Veranstalter der Antikriegsbewegung Answer (Act Now to Stop War and Racism") wollten mit dem Marsch an eine ähnliche Demonstration gegen den Vietnam-Krieg im Oktober 1967 anknüpfen. Cindy Sheehan, deren Sohn im Jahr 2004 in Bagdad bei einem Rebellenangriff getötet worden war, forderte vor den Demonstranten den Rückzug der US-Truppen aus dem Irak. Aus Protest gegen den Krieg hatte sie im Sommer 2005 vor Bushs Ranch campiert. Andere Sprecher forderten ein Amtsenthebungsverfahren gegen Bush. In der Nähe versammelten sich etwa tausend Vietnam-Veteranen zu einer Gegendemonstration.

In Los Angeles zogen nach Angaben der Organisatoren zehntausende Menschen durch die Straßen, die Polizei sprach von bis zu 6000 Teilnehmern. Unter den Demonstranten waren auch Prominente wie der Schauspieler Martin Sheen. Für Sonntag rief die Bewegung United for Peace and Justice zu einer Kundgebung in New York auf. Für Montag sind in Washington und anderen US-Städten Mahnwachen geplant.

Demonstrationen auch in Europa

Auch in europäischen Städten fanden Großkundgebungen statt. Allein in Madrid gingen nach Angaben der Veranstalter 400.000 Menschen auf die Straße. In Istanbul beteiligten sich rund 6000 Menschen an der Demonstration gegen den Krieg. In Kopenhagen, Prag, Athen, Thessaloniki und Nikosia folgten mehrere hundert Demonstranten dem Aufruf von Friedensorganisationen.

Die USA waren am 20. März 2003 in den Irak einmarschiert. Seither sind mehr als 3200 US-Soldaten und viele zehntausende irakische Zivilisten getötet worden. Umfragen zufolge befürwortet eine Mehrheit der US-Bürger einen festen Zeitplan für den Abzug der US-Truppen.

USA stocken Truppenkontingent früher auf

Dessen ungeachtet will die US-Armee früher als geplant Verstärkung in den Irak schicken, um die die zunehmende Gewalt militärisch zu bekämpfen. Eine Brigade mit rund 2600 Soldaten werde Anfang Mai 45 Tage früher als vorgesehen von Georgia aus aufbrechen, teilte die Armee mit. Mit der Brigade steigt die Zahl der US-Soldaten, die im Irak zusätzlich eingesetzt werden, auf knapp 30.000. Derzeit halten sich dort bereits 142.000 US-Soldaten auf.

Bush kündigte in seiner wöchentlichen Rundfunkansprache ein mögliches Veto gegen einen Gesetzesentwurf der Demokraten an, in dem Hilfsgelder für den Irak und Afghanistan mit dem Abzug von US-Truppen verknüpft werden. Der Kongress müsse den Finanznothilfen für die Armee ohne Wenn und Aber zustimmen, forderte der Päsident. Über die Vorlage, in der es um die Genehmigung von 124 Milliarden Dollar (93,63 Milliarden Euro) für die Kriegseinsätze im Irak und in Afghanistan geht, soll nächste Woche im von den Demokraten dominierten US-Repräsentantenhaus diskutiert werden.

Wieder Anschläge im Irak

Im Irak wurden bei einer Serie von Anschlägen mit Chlorgas bei Falludscha und Ramadi in der Unruheprovinz El Anbar mindestens zwei Polizisten getötet und 350 Menschen verletzt. Bei weiteren gewalttätigen Vorfällen kamen mindestens elf Menschen ums Leben. In der Stadt Bakuba wurde ein US-Soldat bei einem Militäreinsatz erschossen. (tso/AFP)

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