• Verdacht auf "antisemitische Hassverbrechen": Scotland Yard ermittelt gegen Labour-Parteimitglieder

Verdacht auf "antisemitische Hassverbrechen" : Scotland Yard ermittelt gegen Labour-Parteimitglieder

Die Labour-Partei kündigte eine vollständige Zusammenarbeit mit den Ermittlern an. Seit Jahren werden gegen die Labour-Partei Antisemitismus-Vorwürfe erhoben.

Eine Demonstration gegen Antisemitismus in London. (Archivbild April 2018)
Eine Demonstration gegen Antisemitismus in London. (Archivbild April 2018)Foto: Tolga AKMEN/AFP

Die britische Polizei hat Ermittlungen gegen Mitglieder der oppositionellen Labour-Partei wegen Verdachts auf "antisemitische Hassverbrechen" aufgenommen. Die Ermittlungen stützten sich auf ein Dossier mit internen Dokumenten, das der Polizei am Dienstag zugeleitet worden sei, teilte Scotland Yard am Freitag in London mit. Darin sind 45 Fälle aufgeführt, darunter auch Einträge von Parteimitgliedern in sozialen Medien wie: „Wir werden die Juden, die wie ein Krebsgeschwür für uns sind, loswerden.“

Das Dossier war dem Radiosender LBC zugespielt worden, der es an die Polizei übergab. Scotland-Yard-Chefin Cressida Dick sagte am Freitag dem Sender BBC, dass gegen die Partei selbst nicht ermittelt werde.

Die linksgerichtete Labour-Partei selbst hatte in den vergangenen Monaten heftig über mutmaßlichen Antisemitismus in den eigenen Reihen debattiert. Die Partei kündigte am Freitag eine vollständige Zusammenarbeit mit den Ermittlern an. Sie rief Opfer der Hass-Botschaften auf, sich bei der Polizei zu melden. Labour werde selber untersuchen, ob Verstöße gegen Partei-Richtlinien durch eigene Mitglieder vorlägen.

Antisemitismus-Vorwurf gegen Jeremy Corbyn

Im März hatten führende Vertreter der jüdischen Gemeinden in Großbritannien in einem Brief an Labour offenen Antisemitismus beklagt. Besonders Parteichef Jeremy Corbyn ergreife "immer wieder" Partei für antisemitische Positionen, hieß es: Der Parteichef sei "ideologisch so sehr auf seine weit links stehende Weltsicht fixiert, dass er den jüdischen Gemeinschaften der Mitte instinktiv feindselig gegenübersteht".

Corbyn zählt zum Linksaußen-Flügel der Partei und hat sich wiederholt äußerst pro-palästinensisch positioniert. Wegen früherer Äußerungen, Taten und Kontakte sah er sich immer wieder dem Vorwurf des Antisemitismus ausgesetzt.

Im August dann hatte Corbyn zugegeben, dass es ein "echtes Problem" mit Antisemitismus in seiner Partei gebe. Labour arbeite daran, sagte er zu. Beim Parteitag im September räumte er dann ein, der Antisemitismus-Streit habe "immense Verletzungen und Ängste in der jüdischen Gemeinschaft hervorgerufen und zu großem Unmut in der Partei geführt". Er hoffe, "wir können zusammen einen Schlussstrich ziehen".

Jüdische Gruppierungen hatten gegen die Labour-Partei in diesem Jahr auch mehrmals vor dem Parlament in London protestiert. (AFP, dpa)

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