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Verfolgte muslimische Minderheit : Myanmar will nach Bangladesch geflüchtete Rohingya wieder aufnehmen

Es ist laut UN die am schnellsten wachsende humanitäre Krise der Welt. Die Rohingya waren zu Hunderttausenden nach Bangladesch geflohen. Nun sollen sie zurück.

Rohingya-Flüchtlinge an der Grenze zwischen Myanmar und Bangladesch.
Rohingya-Flüchtlinge an der Grenze zwischen Myanmar und Bangladesch.Foto: REUTERS / Navesh Chitrakar

Myanmar und Bangladesch haben am Donnerstag ein Abkommen vereinbart, um Flüchtlingen der Rohingya-Minderheit eine freiwillige Rückkehr zu ermöglichen. Details wurden zunächst nicht bekannt, doch man hoffe, so lautet ein Statement involvierter Diplomaten, dass man innerhalb der kommenden zwei Monate mit den Rückführungen beginnen könne.

Mehr als 600.000 muslimische Rohingya sind seit August aus Myanmar nach Bangladesch geflohen. Die jüngste Massenflucht nach Bangladesch war nicht die erste – dort lebten bereits zuvor etwa 300.000 Rohingya-Flüchtlinge. Seit Jahren werden die Muslime in dem überwiegend buddhistischem Myanmar diskriminiert. Sie gelten dort als staatenlos, man sieht sie als illegale Einwanderer – und sie werden brutal verfolgt. Das militärische Vorgehen gegen die Rohingya wurde von Menschenrechtsorganisationen und der UN wiederholt als eine „ethnische Säuberung“. bezeichnet. Es gilt als eine der schlimmsten humanitären Krisen unserer Zeit.

Bangladesch am Limit des Möglichen

Susanna Krüger, Geschäftsführerin bei Save the Children, einer internationalen Kinderrechtsorganisation, ist vergangene Woche aus einem Flüchtlingscamp in Bangladesch zurückgekommen. „Viele Kinder sind schwer traumatisiert von den schrecklichen Dingen, die sie auf der Flucht erlebt haben und leben nun im Flüchtlingslager, in dem sie völlig schutzlos sind“, sagte sie dem Tagesspiegel. „In einer solch kurzen Zeit sind selten zuvor auf so engem Raum so viele Menschen zusammen gekommen. Bangladesch ist am Limit des Möglichen.“

Der Druck auf die Politiker, zu einer politischen Lösung zu kommen, wurde in den letzten Tagen immer größer. Die UN sowie Vertreter ausländischer Regierungen und Menschenrechtsorganisationen haben Myanmar wiederholt aufgefordert, den Rohingya eine sichere und würdevolle Rückkehr nach Myanmar zu ermöglichen.

Vielen wollen nicht zurückkehren

Nun soll es dazu eine Vereinbarung zwischen den beiden Ländern geben. Es ist jedoch verfrüht, von einem Ende der Krise zu sprechen. Kinderrechtlerin Krüger sagt, dass es gut sei, wenn es Familien ermöglicht wird, in ihre Heimat zurückzukehren, doch sie bezweifelt, dass die Mehrheit der Flüchtlinge dazu bereit ist. „Die Menschen, mit denen wir sprachen, haben Leichenberge gesehen, Massenvergewaltigungen und Folterungen erlebt – 60 Prozent der Geflüchteten sind Kinder. Die Traumata sitzen so tief, dass für viele eine Rückkehr nicht vorstellbar ist“, sagt sie. „Eine Mutter und ein Vater zweier Töchter sagten, dass sie lieber sterben würden. Die Angst vor einer Rückkehr ist bei vielen unüberbrückbar.“

Weitere Schritte zur Konfliktlösung nötig

Da die Krise die gesamte internationale Gemeinschaft beschäftige, so sagt Krüger, sei es wichtig, dass eine Rückkehr von Freiwilligen nicht ohne internationalen Schutz und strenge Aufsicht geschehen solle. Die Möglichkeit einer freiwilligen Rückkehr sei ein erster Schritt, doch könne er nur ein kleiner Teil einer langfristigen Lösung des Konflikts sein. fs/epd

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