Vier Fragen an Josef Joffe : Seehofers und Merkels Fingerhakeln

Was macht die Welt? Am Art. 16a GG rütteln, eine PR-Extravaganza veranstalten und den russischen Fußball beobachten.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) spricht mit Innenminister Horst Seehofer (CSU).
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) spricht mit Innenminister Horst Seehofer (CSU).Foto: Michael Kappeler/dpa

Seehofer will mit Merkel bayerisches Fingerhakeln spielen, Merkel bevorzugt Europareise. Wer gewinnt welches Spiel?

Keiner. Merkel hat zwar recht mit ihrer Sicht, wonach das Problem der Masseneinwanderung nur europäisch gelöst werden kann, damit nicht „Frontstaaten“ wie Italien und Griechenland die Hauptlast tragen – und auch nicht das neue Gelobte Land D, wo die meisten hinwollen. Nur spielen die EU-Freunde nicht mit. Seehofer will zwar direkt an der Grenze abweisen, was am Art. 16a GG rüttelt, hat aber Volkes Stimme hinter sich. Wolfgang Schäuble, der Vermittler, wird es richten. Denn die beiden dürfen das Spiel nicht so weit treiben, dass sie sich die Mittelfinger ausreißen und der Regierung die Wurzeln.

Trump und Kim in Singapur – historisch oder nur der bestbewachte Fototermin aller Zeiten?

Was „historisch“ ist, zeigt erst die Historie. Hier und heute war’s nur eine PR-Extravaganza. Kim hat keine Bombe, kein Gramm Bombenmaterial hergegeben. Der Reality-TV-Artist Trump hat dagegen schon mal die südkoreanischen Verbündeten düpiert, indem er aus blauem Himmel die gemeinsamen „irritierenden“ Militärmanöver absagte, die seit Jahrzehnten die US-Schutzgarantie verkörpern. Dem Menschenschinder Kim, dem das größte Straflager auf Erden gehört, bescheinigte er, „sein Volk zu lieben“. WmdW hätte an Kims Stelle auch wie ein Kätzchen geschnurrt.

Der Strafzollkrieg geht los. Was rät WmdW den Freunden von Harley Davidson und Erdnussbutter?

Kawasakis (nun preiswerter) und Nutella (weniger Protein, mehr Zucker) kaufen. Den größten Schaden hat aber der US-Verbraucher. Teurer wird alles, was aus Stahl und Alu hergestellt und mit Strafzöllen belegt wird (Waschmaschinen, Autos, Rasenmäher). Dazu kommen Hunderte von Produkten „Made in China“, die Trump ebenfalls mit Strafzöllen verteuert hat. Grundsätzlich verliert immer der Zoll-Wüterich. Um eine kleine Gruppe von X-Produzenten zu verwöhnen, bestraft er die große Gruppe von X-Konsumenten, dann die Y-Hersteller, die im Revanchefoul von Vergeltungszöllen getroffen werden. Dümmer geht’s nümmer (sic!).

Ein erstes Wort zum russischen Fußball...

Das WM-Eröffnungsspiel der Russen und Saudis (5:0) bestätigt abermals das eiserne Gesetz, wonach die Gastgeber immer das allererste Match gewinnen. Beide Teams gehören allerdings zu den schwächsten. WmdW vertritt die kühne, aber korrekte These, dass Länder, die a) autoritär regiert werden und b) vom Erdöl leben, das dem Staat gehört, im Fußball nicht glänzen. Dieser Sport ist eine globale Industrie, die dem globalen Wettbewerb um Talente gehorcht. Geschlossene Gesellschaften wie R und SA können da nicht mithalten. China kann die WM auch nicht gewinnen.

Josef Joffe ist Herausgeber der „Zeit“. Fragen: teu

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