• Vier Fragen an Josef Joffe: Was macht die Welt?: Kim beglücken, Obama bingen, berechenbar bleiben

Vier Fragen an Josef Joffe: Was macht die Welt? : Kim beglücken, Obama bingen, berechenbar bleiben

Was macht die Welt? Reden (Donald Trump und Kim Jong Un), Fernsehen (die Obamas), in die Zukunft blicken (Angela Merkel) und auch zurück (Sigmar Gabriel).

Til Knipper
Ex-US-Präsident Barack Obama und First Lady Michelle Obama, 2015 noch in Amt und Würden. Jetzt wollen sie Fernsehen machen.
Ex-US-Präsident Barack Obama und First Lady Michelle Obama, 2015 noch in Amt und Würden. Jetzt wollen sie Fernsehen machen.Foto: imago/ZUMA Press

„Geisteskranker Greis“ trifft „Little Rocket Man“. Friede, Freude, Falschspiel?

Kann es sein, dass Donald („Mein roter Knopf ist größer als seiner“) Trump mit seiner Eskalationsstrategie recht behalten und Kim eingeschüchtert hat? Jedenfalls hat noch kein Kim (dieser ist der dritte) so ein lieblich Lied für Washington und Seoul gesungen. Andererseits hat Nordkorea noch jeden Deal zerrissen, nachdem es die Goodies, z.B. Öl, eingesteckt hatte. Vielleicht bringt der Gipfel Entspannung. Doch WmdW glaubt keinen Moment daran, dass Jung-Kim seine Atomwaffen verschrottet. Denn nur die haben ihm die weltweite Aufmerksamkeit verschafft, die jeder Diktator seit Mussolini über alles genießt.

„House of Obamas“, Barack und Michelle sollen eine Show auf Netflix bekommen. Kann Fox News jetzt einpacken?

Foxisten gucken nicht Obama, also kein Problem für Fox. Dennoch ist die B&M- Show eine grandiose Idee – die Fortsetzung der Präsidentschaft erst bei Twitter (100 Millionen Follower) und Facebook (55 Millionen Likes), demnächst auf 120 Millionen Netflix-Schirmen weltweit. Wer muss sich da noch wählen lassen? Wären da nicht die Gesetze der Aufmerksamkeits-Ökonomie, die Trump im Gegensatz zu denen des Welthandels so meisterlich beherrscht. Man muss täglich „rohes Fleisch“ bieten, wie es in Amerika heißt: jedes Mal die Nummer von gestern toppen. Das schaffen B&M nicht, wenn sie bloß Braves wie Klima-, Sozial- und Friedenspolitik bieten – mit null Unterhaltungswert.

Frisch, jung, fast zur Hälfte weiblich, ein wenig östlich – passt die Mischung im Kabinett Merkel IV?

Ja, selbstverständlich. Es muss alles gut austariert sein zwischen Ost und West, Mann und Frau, katholisch und evangelisch, Hamburg und Saarland. Jeder kriegt etwas und muss nicht zu viel abgeben. Die Medien maulen zwar von Politikverdrossenheit, aber in Wahrheit schätzt das Wahlvolk das Verlässliche, Moderate, Berechenbare. Umso mehr, wenn es ringsum blickt, zuletzt auf das unregierbare Italien. Oder auf Trumps gespaltene USA. Dann doch lieber Mutti IV.

Ein wirklich letztes Wort zu Gabriel…

Gabriel und ein „wirklich letztes Wort“? Der Mann ist zu Recht wütend auf seine SPD und wird sich eine Plattform verschaffen. Vorweg mit einem Blitzbuch, in dem er den Verrat geißelt und mit Nahles, Scholz und Schulz abrechnet, Titel: „Unverstand im Zwergenland“. Dann „Die Siggi Show“ im Privat-TV, wo er die Weltläufe erklärt und zeigt, wie man es richtig macht. Die Partei hätte ihn, ihren besten Wahlkämpfer, einbinden müssen, statt ihn vom Hof zu jagen. Aber sie mag die Grautöne lieber. Deshalb passt sie so gut zu Merkel.

Josef Joffe ist Herausgeber der „Zeit“.

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