Vier Fragen an Josef Joffe : Was macht die Welt?

Chemnitz, Trump, China und natürlich die Sommerzeit - Josef Joffe zu den wichtigen Fragen dieser Tage. Eine Kolumne.

Rechter Aufmarsch am Samstag in Chemnitz.
Rechter Aufmarsch am Samstag in Chemnitz.Foto: Ralf Hirschberger/dpa

In Chemnitz dominiert ein rechter Mob tagelang die Straße. Kippt die Stimmung in Deutschland?

Angela Merkels „Wir schaffen das“ hat sich in eine bittere Pointe verwandelt. „Wir“, das ist die Ultra-Rechte; sie hat es in Chemnitz geschafft, den Rechtstaat als Schwächling zu demaskieren. Wenn ein Gauland von „Selbstverteidigung“ faselt, dann applaudiert er dem Mob, der dem Staat das Monopol der legitimen Gewalt aus der Hand schlägt. Dann muss überlegene Gegengewalt eingesetzt werden, auch um den gesetzestreuen Bürgern die Angst vor dem Terror zu nehmen, ob von links oder rechts

John McCain, überzeugter Transatlantiker, ist tot. Welcher Republikanern bietet Trump jetzt noch Paroli?

WmdW versteht die US-Politik nicht mehr. Da gelingt Trump die feindliche Übernahme einer stolzen Truppe namens GOP, Grand Old Party, die auf Abraham Lincoln zurückgeht. Bis auf McCain und dem Senator Bob Corker gaben die Granden der Republikaner nur noch Pfötchen, und Corker tritt nicht mehr an. Noch schlimmer ist der Zustand der Demokraten. Hat jemand deren Senatschef, Chuck Schumer, dabei erwischt, wie er einen klaren Anti-Trump-Kurs vorzeichnet? Gar den Freihandel verteidigt, den Trump gerade zerlegt? Wenn das Land bei den Zwischenwahlen im November versagt und den Reps die Mehrheit im Kongress belässt, muss sich Amerika ein anderes Volk wählen.

An diesem Montag beginnt der China-Afrika-Gipfel. Ein Treffen zwischen Kolonisatoren und Kolonisierten?

Die Chinesen machen es richtig. Sie leisten keine Entwicklungshilfe aus hehren Motiven, also um der Dritten Welt zu Wachstum und Wohlstand, gar zur Demokratie zu verhelfen. Sie machen Geschäfte, indem sie Rohstoffquellen oder Häfen kaufen, und die in eigener Regie ausbeuten. Welchem Potentaten sie dabei das Geld in die Hand drücken, ist egal. Hauptsache der Renminbi rollt, und wenn so auch politische Loyalitäten gekauft werden, umso besser. So muss moderner Kolonialismus aussehen: Profit und Macht Hand in Hand. Die Briten haben immerhin Eisenbahnen, Schulen und Rechtssysteme in Indien gebaut.

Die EU will die Sommerzeit abschaffen. Ein Akt der Emanzipation von den Amis?

Die haben sie am 30. April 1918 eingeführt. Nur: Das Deutsche Reich war schneller und hat schon 1916 an der Uhr gedreht. Seitdem wird behauptet, die Zeitumstellung störe Kühe bei der Milchproduktion. WmdW hält es mit Churchill. Eine Stunde mehr Sonne mache „Millionen von Menschen gesünder und glücklicher“. Dass man ab und zu einen Termin verpatzt, dürfte ebenfalls ein Glücksfall sein. Grundsätzlich: Bis 22:30 im Hellen seinen Espresso im Cafe zu zu schlürfen, ist ein Menschenrecht, das der EU-Chef Juncker uns nicht nehmen darf. Die Römer kannten übrigens auch die Sommerzeit.

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