Vier Fragen an Josef Joffe : Was macht die Welt?

Italiens Innenminister Salvini als Kommissionschef der EU, der Fall Kashoggi und der Brexit - "Zeit"-Herausgeber Josef Joffe zu Fragen dieser Zeit.

Matteo Salvini, Innenminister von Italien, bei einer Pressekonferenz im Palazzo Chigi in Rom.
Matteo Salvini, Innenminister von Italien, bei einer Pressekonferenz im Palazzo Chigi in Rom.Foto: Angelo Carconi/dpa

Italiens Innenminister Salvini will EU- Kommissionschef werden, AfD-Chef Meuthen begrüßt das. Kommt jetzt die paneuropäische Allianz der Nationalisten?

Gemach. Ein Meuthen macht noch keine gesamteuropäische Meuterei. Der national-autoritäre Ungar Orban wünscht sich dagegen den CSU-Mann Manfred Weber als Chef, der mit der AfD nichts zu tun haben will. Die AfD macht halt gern Rabatz, und die Presse spielt mit, indem sie über jedes Stöckchen der Partei springt. Bitte beachten: Meuthen steigt für Salvini in die Bütt, der sich weigert, auch nur einen Migranten aus D zurückzunehmen. Außerdem will er die Staatsausgaben und Schulden hochtreiben. Die AfDler sind die letzten, die für Roms Schulden haften wollten. Solche Allianzen können nur Maulhelden fordern.

Der Fall Khashoggi erschüttert die Welt. Kann der Westen den Umgang damit wirklich noch unter Realpolitik verbuchen?

Wer ein Zipfelchen Moral hat, wird Bin Salman zur Dschehenna (Hölle) wünschen. Zudem entpuppt sich der Kronprinz als Willkürherrscher, dessen Reformen aufhören, wo sein absoluter Machtanspruch beginnt. Einen Putin, der sofort die Hand nach Riad ausgestreckt hat, kümmert das nicht; er will den USA die Verbündeten rauben, wo er nur kann – zumal die Saudis, die eine Säule der US-Nahoststrategie sind. Deshalb Trumps Eiertanz zwischen Drohung und Beschwichtigung. Berlin muss sich auch mit einem Erdogan arrangieren, weil der die Flüchlinge fernhält. Die Aufgabe wird es sein, die Saudis nicht zu verlieren, ihnen aber klar zu machen, dass sie den Minimalkodex staatlichern Verhaltens gebrochen haben – so, wie die Russen, deren Weg im Ausland mit Leichen gepflastert ist.

Es fliegt, fährt, rollt und schießt kaum noch etwas bei der Bundeswehr. Taugt von der Leyens Ministerium nur noch als Arbeitsbeschaffungsstelle für Unternehmensberater?

Die Regierung beschäftigt gern Aushäusige; das ist keine Schande, zumal auf einem unvertrauten Gebiet wie Cyberkrieg. Bitte aber keine „Scheinselbständigen“, die auch noch das Briefpapier des Ministeriums benutzen durften. Das „Röschen“ hat ein Problem. Sie ist jetzt seit fünf Jahren im Geschäft und kann die Verantwortung nicht mehr auf ihre Vorgänger abwälzen. Die Bundeswehr ist nicht einmal „bedingt abwehrbereit“. Die Ministerin muss sich sputen.

Ein letztes Wort zu Theresa May …

Nein, kein letztes. Dafür aber ein lobendes Wort für Merkel, die gelegentlich wieder Außenpolitik macht. Beim EU-Gipfeldinner forderte sie von der EU wie auch von London „mehr Flexibilität“. Und May ist bereit, eine längere Übergangszeit zu akzeptieren. Merke: „Wo ein Wille, da auch normalerweise ein Weg.“ Der Wille? Berlin will London nicht in den Atlantik abdriften lassen.

Josef Joffe ist Herausgeber der „Zeit“.

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