Vier Fragen an Josef Joffe : Was macht die Welt?

Josef Joffe über Trump, den geheim ausgehandelten UN-Migrationspakt und Bundesinnenminister Horst Seehofer. Vier Fragen und vier Antworten.

Hans-Georg Maaßen, ehemaliger Präsident des Bundesamts für Verfassungsschutz (BfV).
Hans-Georg Maaßen, ehemaliger Präsident des Bundesamts für Verfassungsschutz (BfV).Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa

Midterms, Sessions-Entlassung, ein gefälschtes Video von Trumps Pressekonferenz, das einen CNN-Reporter in schlechtes Licht rücken soll – kommt WmdW mit dem Kopfschütteln noch nach?

Er freut sich über Trump, der täglich die Unterhaltung bietet, die deutsche Comedy- Shows nicht hinkriegen. WmdW schätzt auch den Wahlausgang, der die totale Vorherrschaft der Republikaner brach und den Demokraten das Repräsentantenhaus zuschanzte: gut für das Gegenspiel der Kräfte. Gut findet WmdW zudem, dass eher die moderaten Demokraten Sitze holten und die harte Linke nicht reüssierte. Das lässt hoffen, dass das Unterhaus eine mittige Politik macht und Trump nicht die Schelme zuspielt, auf die er anderthalbe setzen kann. Man darf etwas frohgemuter in die amerikanische Zukunft blicken.

Geheimsache UN-Migrationspakt: Ein hochheikles Thema wurde klandestin verhandelt. Oder ist das schon die Lesart der Migrationsfeinde?

So geheim ist der Pakt nicht, erinnert aber an den Iran-Deal, der als „Aktionsplan“, nicht als „Vertrag“ etikettiert wurde, damit der US-Senat nicht ratifizieren musste. Der hätte garantiert abgelehnt. Auch der Migrationspakt muss nicht von den Parlamenten abgesegnet werden. Gut gemeint ist nicht gut gemacht, denn die nationale Debatte blieb in der Entstehungsphase aus. Eine Regierung sollte nur unterzeichnen, was sie im Parlament durchbringen kann. Da kein Staat der Welt die Entscheidung über Migration mit anderen teilen wird, bleibt der Pakt unverbindlich. Trotzdem ist er Futter für die AfD.

Deutschland erwacht halb verkatert aus dem Gedenkrausch. Sollte der 9. November besser ein Feiertag werden?

Zu viel Ambivalenz. 1848: Anfang vom Ende der Märzrevolution – schlecht. 1918 gut: Revolution und Geburt der Republik. 1923 schlecht: Hitler-Putsch. 1938: das Böse, die Pogromnacht. 1969: Terrorbombe im Jüdischen Gemeindehaus Berlin. 1989: Mauerfall gut. Ergo: Das Üble überwiegt, kein Grund für einen Feiertag. Wenn schon ein neuer, dann der 23. Mai, an dem 1949 das Grundgesetz in Kraft trat, das beste, das die Deutschen je hatten.

Ein vielleicht letztes Wort zu Horst „Der Unendliche“ Seehofer…

Eigentlich ist er ein edler Mensch – loyal gegenüber seinem Untergebenen Maaßen, bis der ihm mit seinen Sprüchen die Haferl-Schuhe auszog. Das unterscheidet ihn von Parteifreund Guttenberg, der in der Krise alsgleich die Unterlinge feuerte. Der Horst hat aber noch größere Zores als weiland KT. Die CSU kreidet ihm den Absturz bei den Landtagswahlen an, und selbst bayerische Liberalitas verzeiht seine Launenhaftigkeit nicht. Vielleicht macht er die Merkel: Er opfert den Parteivorsitz, um Minister zu bleiben.

Josef Joffe ist Herausgeber der „Zeit“. Fragen: ari

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