Vier Fragen an Josef Joffe : Was macht die Welt?

Drohungen aus Pjöngjang, Drohungen gegen Taiwan - und warum sich Präsident Trump in Acht nehmen muss: Antworten auf vier Fragen des Tages.

Ein Besucher fotografiert in einer Ausstellung in Seoul Bilder von US-Präsident Donald Trump, den südkoreanischen Präsidenten Moon Jae In und dem nordkoreanischen Führer Kim Jong Un.
Ein Besucher fotografiert in einer Ausstellung in Seoul Bilder von US-Präsident Donald Trump, den südkoreanischen Präsidenten Moon...Foto: Ahn Young-Joon/AP/dpa

Kim Jong Un und Donald Trump pflegen ihre bombige Brief- und Twitterfreundschaft weiter. Echte Fortschritte gab es noch nicht, oder?

Der Jung-Diktator hat mit großem Trara ein paar Anlagen sprengen lassen, die sich nicht als Bomben- oder Raketenfabriken ausmachen ließen. Womöglich hat er sein Arsenal seit der Trump-Kim- Party in Singapur nicht weiter ausgebaut. Aber das Spielchen geht weiter. Außer Südafrika hat noch keine Nuklearmacht ihre Bomben (sechs waren es) verschrottet. Die Regierung De Klerk hatte begriffen, dass Atombomben im Buschkrieg nicht helfen. Für Kim bringt die Bombe hohen Gewinn: Status, Macht und Küsschen vom Präsidenten der USA. Im Vergleich dazu sind die Sanktionen Peanuts. Die beiden werden weiter schnäbeln, aber die Bombe bleibt.

Chinas Staatspräsidentident Xi Jinping droht Taiwan mit „Zwangswiedervereinigung“, notfalls mit Waffengewalt. Wer wird den Taiwanesen beistehen?

Vorweg die Taiwanesen selber. Ihre Truppen sind besser ausgebildet, ausgerüstet und motiviert. Die Insel ist eine gut vorbereitete, weitläufig untertunnelte Festung, gegen die Hitlers „Atlantikwall“ wie eine Sandburg aussah. Überdies muss Peking mit einem US-Gegenschlag rechnen. Routinemäßiges Säbelrasseln ist billiger, zumal Taiwan peinlichst darauf bedacht ist, China nicht zu provozieren. Der rote Kaiser Xi ist kein Hasardeur.

Nancy Pelosi ist wieder Sprecherin des US-Repräsentantenhauses. Sieht so die Zukunft der Demokraten aus?

Nicht vergessen: Pelosi ist wie Merkel. Die musste den CDU-Vorsitz aufgeben, um das Kanzleramt zu behalten. Pelosi musste geloben, nach vier Jahren abzutreten. 21 aus ihrer Fraktion haben nicht für sie gestimmt. Trump aber muss sich jetzt seine Anzugjacke zuknöpfen. Die Demokraten werden alle juristischen Mittel nutzen, um ihm Unterschleif, Selbstbereicherung und russische Wahlhilfe nachzuweisen. Da die Republikaner die Mehrheit im Senat haben, darf man auf die Selbstblockade des Kongresses wetten. In beiden Parteien haben die Wähler die jeweilige Extreme gestärkt.

Schon ein letztes Wort zu Benjamin Netanjahu?

Keineswegs. Er wird wohl wieder 30 Sitze (ein Viertel) in der Knesset kriegen und somit die stärkste Fraktion. Zwar wollen die meisten Israelis ihn nicht wiederhaben, aber die Mitte und die Linke sind hoffnungslos zerstritten, wie in dem alten jüdischen Witz: zwei Juden, drei Meinungen, vier Parteien. Keiner der Granden – Ex-General oder Profi-Politiker – will sich einem anderen unterordnen. Es gibt 18 Parteien in der Knesset, und die Zellteilung hört nicht auf. Die vierte N.-Regierung ist übrigens die 34. seit der Staatsgründung. Glücklich ein Land wie Deutschland, das sich die Fünf-Prozent-Klausel verschrieben hat.

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Josef Joffe ist Herausgeber der „Zeit“

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