Vier Fragen an Josef Joffe : Was macht die Welt?

Kampfjets planen, Huawei bestrafen ... und "#aufstehen" wieder hinlegen: Antworten auf vier Fragen dieser Tage.

Mehr als eine Million Anhänger einer Islamischen Republik protestierten am 19. Januar 1979 in Teheran gegen den Schah.
Mehr als eine Million Anhänger einer Islamischen Republik protestierten am 19. Januar 1979 in Teheran gegen den Schah.Foto: Aristotle Saris/AP/dpa

Statt F-35-Jets in Amerika zu ordern, wollen Deutschland und Frankreich mal wieder einen eigenen Kampfjet entwickeln. Wird der fertig, bevor die Nato zerbricht?

Faustregel: Vom Entschluss bis zum Jungfernflug dauert es zehn Jahre – nochmal zehn, bis alle Schwächen beseitigt worden sind. So war’s beim Eurofighter. Wer jederzeit kampfbereit sein muss, handelt wie Israel. Er kauft den F-35, den Stand der Technik, und verkauft den USA hochspezialisierte Waffensysteme. Nur geht es bei D und F auch um Nationalstolz und Industriepolitik. Die Nato wird wohl noch 20 Jahre lang halten, fraglich ist, ob es dann noch bemannte Kampfjets gibt.

40 Jahre „Islamische Revolution“ im Iran. Wie lange gibt WmdW dem Terrorregime der Mullahs noch?

WmdW erinnert sich an Teheran im Winter 1978. Damals waren die Tage des Schah-Regimes gezählt. Das „Intercontinental“ kredenzte den Journalisten die kostbaren Bordeaux-Weine, welche die frommen Revolutionäre vernichten würden. Wer den Sturz der Mullahkratie voraussagt, muss bedenken, dass es den Iranern zwar täglich dreckiger geht, aber keine organisierte Opposition bereitsteht. Das Regime kann sich auf die Revolutionsgarden mit 125000 Mann verlassen. Die Pasdaran durchziehen alle Machtstrukturen und kontrollieren bis zu einem Drittel der Wirtschaft. Sie haben viel zu verlieren und deshalb ein vitales Interesse am Erhalt des Unterdrückungssystems.

Die USA haben das chinesische Unternehmen Huawei angeklagt. Sinnvoll oder nur die nächste Handelskrieg-Eskalation?

Es wird nicht schwer zu belegen sein, dass Huawei Technologie geklaut hat und US-Sanktionen gegen Iran umgangen hat. Schwieriger wäre es, Spionage für Beijing zu belegen. Auch Australien, Kanada und Japan machen die Schotten dicht; Berlin signalisiert Misstrauen. Amerika könnte Huawei bankrottieren, aber die Verflechtung zu kappen, würde beiden Seiten immens schaden. WmdW tippt auf hohe Geldstrafen plus scharf überwachte Zusammenarbeit. Grundsätzlich sollte der Westen Peking ermuntern, endlich wie ehrbare Kaufleute zu agieren.

Ein letztes Wort zu „Aufstehen“ …

Das ist ein Projekt des Ehepaars Lafontaine-Wagenknecht, wo es zuvörderst um die persönliche Macht geht und innere Demokratie nicht so dringlich ist, was die Gutgläubigen verstören muss. „Aufstehen“ heißt „Hinter mir stehen“ – auch gegen die Linke, wo W. den Fraktionsvorsitz im Bundestag hält. Die Bewegung ist praktisch pleite. W. kann das verkraften. Ihr Revier sind die Talkshows, wo sie überall einen Abo-Platz hat und Aufmerksamkeit genießen kann.

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Josef Joffe ist Herausgeber der „Zeit“.

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