Vier Fragen an Josef Joffe : Was macht die Welt?

Trump und seine Partner in der Politik. Der Brexit als Soap. Thomas Gottschalk und seine lange Ehe. Antworten auf vier Fragen des Tages. 

Bolsonaro besucht erst Trump, dann Netanjahu. Formiert sich ein neues rechtes Kleeblatt? Wem würde es Glück bringen?

Drei machen noch kein Glücks-Kleeblatt; dazu braucht man vier. Ein guter Rechter im Bunde wäre Putin, aber der macht seine eigene Nummer. Grundsätzlich passt das Trio nicht zusammen. Israel ist zu klein. Bolsonaro ist mit der Reparatur seiner eigenen Wirtschaft beschäftigt. Und Trump ist kein Partner für niemand. Sein Prinzip ist: „Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern?“ Nicht mal zwei brave Player wie Berlin und Paris kriegen seit 60 Jahren eine stabile Ehe hin, weil die nationalen Interessen die gemeinsamen überwältigen.

EU-Wettbewerbskommissarin Vestager macht sich mit Anti-Google-Politik beliebt. Ist sie eine von den Dänen, denen Gegenwind die Richtung weist?

Gegenwind für Facebook, Alphabet, Amazon & Co. ist grundsätzlich gut. Diese Tech-Giganten haben sich ähnlich wie die Industrie-Riesen des 19.Jahrhunderts eine Art Monopolmacht gerafft. Während die US-Regulatoren zögern, schlagen die EU-Wächter zu. Idealerweise müssten sie für zweierlei sorgen: dass jedermann Kontrolle über seine Daten erhält und die Großen den Wettbewerb nicht ersticken. Allein wird die EU das nicht schaffen; sie muss sich mit den US-Behörden zusammentun. In Amerika steigt die Wut auf die Daten-Horter.

Theresa May und der Brexit… eine Schlafpille. Ist WmdW noch wach?

Und wie! Für ihn ist Brexit die zurzeit beste Soap – wie „GZSZ“ und „Sturm der Liebe“ (die seit 2005 läuft). Cliffhanger alle paar Minuten, und die Geschichte nimmt kein Ende. WmdW wäre hoch unglücklich, wenn Theresa ihren Jean-Claude kriegte oder beide aus der Serie verschwänden. Dann gäbe es nur noch Merkel, Altmaier und Scholz – Protagonisten von bescheidenem Unterhaltungswert. Wir brauchen eine europäische Serie, die es mit „Donald Trump und die Killer-Tweets“ aufnimmt. Bitte bleib in 10 Downing Street, liebe Theresa. Dann ist der „Emmy“, der bedeutendste TV-Preis, dir sicher. Dazu ein weltweites Publikum.

Ein letztes Wort zu langen Ehen…

...wie zu der von Thomas Gottschalk. Erstaunlich ist nicht ihr Ende, sondern ihre Dauer von 42 Jahren. Evolutionsmäßig ist Homo S. nicht auf lange Ehen eingerichtet, weil er einst nur 30 Jahre lang lebte. Folglich brauchte er keinen Scheidungsanwalt. Umso lobenswerter sind Silber- und Goldhochzeiten. Sie zeigen, dass der liebe Gott recht hatte: „Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei“ (Genesis 2,18). Man muss nur die/den Richtige/n wählen. Dann muss man seinen Morgenkaffee nicht allein schlürfen und kann abends zu zweit die neue Gottschalk-Sendung gucken. Eine gute Ehe ist wie in „Casablanca“ der „Beginn einer wunderbaren Freundschaft“.

Josef Joffe ist Herausgeber der „Zeit“.

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