Vier Fragen an Josef Joffe : Was macht die Welt?

Gegen Trump antreten, China fürchten, Vermögen retten – und an Magnolien ergötzen. Antworten des Kolumnisten auf vier Fragen des Tages. 

Joe Biden, ehemaliger Vizepräsident der USA, will für die Demokraten bei der Präsidentschaftswahl 2020 antreten.
Joe Biden, ehemaliger Vizepräsident der USA, will für die Demokraten bei der Präsidentschaftswahl 2020 antreten.Foto: Matt Slocum/AP/dpa

Seidenstraße – das klingt nach Fernost-Romantik, feinem Tuch und edlen Gewürzen. Sind wir damit schon auf Chinas PR reingefallen?

Das Projekt, das Peking „Belt and Road“, also „Riemen und Straße“ nennt, ist überhaupt nicht romantisch. Klingt mehr nach „einschnüren“ und „vorwärts drängen“. Es geht um ein globales Netzwerk von Häfen, Eisenbahnen, Schnellstraßen und Pipelines; Instrumente der Machtprojektion. China hat entlang der Trasse von Asien nach Europa an die 700 Milliarden Dollar vorgestreckt, und zwar ohne Aufsicht und Bedingungen wie etwa Menschenrechte oder Klimaschutz. Das treibt in den Empfängerländern die Korruption und verleitet Regierungen dazu, Schulden aufzunehmen, die sie nicht bezahlen können. Dann gehen die Anlagen an China, was die Schuldner nicht amüsiert. Manche ziehen sich schon wieder zurück. Merke: China ist kein Weihnachtsmann, sondern verfolgt strategische Ziele.

Macron will die Gelbwesten mit der Vermögenssteuer besänftigen. Wann kommt die auch in Deutschland wieder?

WmdW ist kein Freund der Vermögenssteuer, obwohl der Fiskus bei ihm nicht viel Reibach machen würde. Es ist nicht fair, gleich zweimal zuzulangen. Erst mit der Einkommenssteuer und noch einmal bei dem bereits versteuerten Vermögen. Was hindert die wirklich Reichen – so ab Chalet in der Schweiz und Privatflugzeug –, aus Deutschland zu verschwinden? Dann müsste D Vermögenssteuern überall durchsetzen. Unter den knapp 200 UN-Mitgliedern werden nicht allzu viele dem Vorbild folgen und stattdessen mit Niedrigsteuern locken.

Joe Biden will gegen Trump antreten. Ein Kampf der Dinosaurier?

Biden ist vier Jahre älter. Aber Konrad Adenauer war 73, als er erstmals zum Kanzler gewählt wurde. Als er 1963 zurücktrat, war er 87. Da geht also noch was. Zurzeit liegt Biden in den Umfragen an der Spitze der Demokraten-Anwärter. Er könnte die linksabweichende Partei in die Mitte zurückbugsieren. Damit hätten die Demokraten eine echte Chance, Trump aus dem Weißen Haus zu vertreiben. Aber die derzeitigen Promis, die sich als Sozialisten stilisieren, wollen lieber links verlieren als rechts gewinnen. Es beginnt ein brutaler Vorwahl-Kampf.

Ein letztes Wort zum Frühlingsgrün...

Es heißt, dass der Preis des Frühlings große Dürren und superheiße Sommer sein werden. Sollen wir uns deshalb nach langer kalter Nacht die Freude an der Wiederauferstehung der Natur nehmen lassen? Uns nicht an Apfel-, Pflaumen- und Magnolienbäumen ergötzen? An den Osterglocken zu Ostern? WmdW fehlt die Gabe der Prophetie. Er wüsste nicht, wie man im April das Wetter im Juli in unseren Breitengraden vorhersagen kann. Er hält sich lieber an Goethes Osterspaziergang: „Im Tale grünet Hoffnungsglück.“

Josef Joffe ist Herausgeber der „Zeit“.

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