Vier Fragen an Josef Joffe : Was macht die Welt?

Ist „Furbo“ statt „sad“, lässt sich den Arm umdrehen und stochert schuldbewusst im Roastbeef: Antworten des Kolumnisten auf die Fragen des Tages.

Italiens Innenminister Matteo Salvini von der rechtsextremen Lega strebt das Ministerpräsidentenamt an.
Italiens Innenminister Matteo Salvini von der rechtsextremen Lega strebt das Ministerpräsidentenamt an.Foto: Reuters/Antonio Parrinello

Italiens Oberpopulist Matteo Salvini will Neuwahlen – und die gewinnen. Wird sein Ehrgeiz an den Alpen enden?

Will er wie weiland Mussolini Truppen zum Brenner vorschieben – gegen Adolf? Zum letzten Mal haben die Italiener Europa bis zum Zerfall Roms beherrscht. Seitdem liefen die Invasionen immer Nord-Süd ab (z.B. Germanen und Wehrmacht). Salvini kriegt 36 Prozent in den Umfragen, aber er muss erst den Präsidenten Mattarella dazu bringen, Neuwahlen auszurufen, wozu der keine Lust hat. WmdW setzt auf den Finanzkapitalismus als Retter der Demokratie. Der Duce musste sich damals nicht um die Märkte kümmern, sein Imitator muss. Zahlungsunfähige Länder sind schlechte Imperialisten, weil sie an der Kette des Kapitals und der EU liegen. WmdW vertraut auf das „furbo“ in der Kultur, was so viel heißt wie „schlau“ und „clever“.

Donald Trump will gut Wetter in El Paso und Dayton machen und erntet Gegenwind. Wieso ist er darüber nicht „very very sad“?

Immerhin ist er über seinen Schatten gesprungen und hat erstmals „Rassismus, Fanatismus und weiße Oberherrschaft“ verdammt. „Sad“ muss er nicht sein. Er sieht zu, wie die Demokraten durchdrehen, die Kandidaten sich links überholen. Gegen die sieht die SPD fast reaktionär aus. Realpolitik würde den Dems befehlen, in die Mitte zu rücken, um den Albtraum Trump 2020 zu vertreiben. Dieser gerissene Typ schafft es aber, die Partei noch weiter nach links zu drücken. Niemand gewinnt mit Eigentoren.

Sein Botschafter Grenell „droht“ mit dem Abzug der hier stationierten US-Truppen. Sollte es im Pazifistenland D nicht besser heißen: Er „verspricht“ ihn?

So pazifistisch sind wir denn auch nicht, haben wir doch seit 70 Jahren sehr gut unter dem US-Schirm gelebt. Auf dem Höhepunkt standen hier 300.000 GIs. Überdies haben die mächtigen Amis mit ihrer Luftbrücke West-Berlin gerettet. Heute haben wir noch immer keine einsatzfähige Armee, allenfalls ein paar Brigaden, die sofort kämpfen können. Mit unserem Mini-Wehretat schaffen wir nicht viel mehr. Außerdem – Hand aufs Herz – wollen wir überhaupt eine Armee von der Größe, die Selbstverlass ermöglicht? Die Euro-Armee marschiert bloß in den Sonntagsreden. Amerika hat es D zu leicht gemacht; jetzt fällt es Trump leicht, D den Arm umzudrehen,

Ein letztes Wort zum Sonntagsbraten…

Ein Veggie-Burger oder -Hackbraten aus Pflanzenprotein ist immer drin. Die Frage ist nur, wie viele CO2-fressende Wälder wir abholzen müssen, um Platz zu machen für mehr Agraranbau. Oder wie viel Kunstdünger wird produzieren müssen, um die tierische Gülle zu ersetzen. Auch bei der Klimarettung gibt es Zielkonflikte. Über die müssen wir reden, während wir schuldbewusst im Roastbeef stochern.

Josef Joffe ist Herausgeber der „Zeit“.

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