Vier Fragen an Josef Joffe : Was macht die Welt?

Die Nato wiederbeleben, vorangehen und Bloomberg fürchten. Antworten des Kolumnisten auf die Fragen des Tages.

Gott sei Dank ist die alte Dame Nato quicklebendig, weil die EU sich nicht allein verteidigen kann/will.
Gott sei Dank ist die alte Dame Nato quicklebendig, weil die EU sich nicht allein verteidigen kann/will.Foto: /Ints Kalnins/File Photo/REUTERS

Die Nato sei hirntot, hat Doktor Macron festgestellt. Für wen könnte sie als Organspenderin herhalten?

Gott sei Dank ist die alte Dame (70) quicklebendig, weil die EU sich nicht allein verteidigen kann/will. Mit ihrer „zweiten Meinung“ liegt Dr. Merkel richtig. Macrons „Sichtweise entspricht nicht meiner“, säuselt sie, was merkelmäßig Orkanstärke ist. Nicht EU-, sondern Nato-Bataillone (inkl. USA) bewachen die Ostgrenze des Bündnisses. Überdies ist Trump in dieser Frage weder hirntot, noch hirnrissig. Er hat anders als Obama die US-Präsenz verstärkt. In der Nato-Übung „Defender- Europe 20“ wird Amerika im Frühjahr mit 20.000 Mann und schwerem Gerät anlanden, um Reaktionsfähigkeit zu beweisen. Dass Trump die EU gern tritt, heißt nicht, dass er Putin diesen braven Hund überlassen will.

Verteidigungsministerin AKK dürstet es nach Taten. Schießt sie gerade unseren Außenminister sturmreif?

AKK beweist Todesmut, indem sie „undeutsche“ Wahrheiten unters Volk bringt. Sie will der Republik des „Geh du voran“ eintrichtern, dass D. Sicherheitsproduzent sein muss und nicht nur Konsument. Denn die Bedrohungen rücken näher, und es geht nicht darum, Trump mit höheren Wehrausgaben schönzutun, sondern die „eigenen Sicherheitsinteressen“ zu bedienen. Eigentlich ein schlichter Gedanke. Schwerer zu verstehen ist es, warum SPD, Grüne und Linke ihn in dunkleren Zeiten nicht nachvollziehen können.

Multimilliardär und NY-Bürgermeister Bloomberg will für die Demokraten gegen Trump antreten. Wer muss sich fürchten?

Alle. Joe Biden, der den Gemäßigten gibt, stolpert sowieso. Die Linksausleger Warren und Sanders schießen schon gegen Bloomberg. Denn der ist gerade links genug, um die Partei nicht zu verprellen, ohne die wahlentscheidende Mitte zu vergraulen. Er hätte eine echte Chance gegen Trump, der eine Hälfte der Nation gegen die andere aufhetzt. Bloomberg würde dem Spalter die beste Waffe rauben – die Parole: „Ich oder das linksradikale Chaos!“ Die Frage ist nur, ob der kühle Kandidat sich gegen die Demagogen zur Linken und Rechten durchsetzen kann. Und ob er tatsächlich in den Ring steigt oder wie 2016 zurückzuckt.

Ein erstes Wort zu 30 Jahren Deutsche Einheit…

Der deutsche Mensch freut sich nur über WM-Siege. WmdW erinnert sich dagegen an 1989/90, als das Gespenst des „Fourth Reich“ Amerika und die europäischen Freunde heimsuchte, nun da D wieder „frei und eins“ war. Tatsächlich blieb das neue „Großdeutschland“ liberal, sanft und demokratisch, um der Welt ein „freundliches Gesicht“ (Merkel) zu zeigen. Darauf darf das Land ein wenig stolz sein, mindestens so stolz wie auf das 7:1 gegen Brasilien in der WM ’14.

Josef Joffe ist Herausgeber der „Zeit“.

Mehr lesen? Jetzt E-Paper gratis testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar