Vier Fragen an Josef Joffe : Was macht die Welt?

Rocky nachahmen, China melken und mit der Dienstpflicht Gutes bezwecken. Antworten des Kolumnisten auf die Fragen des Tages.

US-Präsident Donald Trump auf dem Rumpf von Sylvester Stallone.
US-Präsident Donald Trump auf dem Rumpf von Sylvester Stallone.Foto: AFP PHOTO/@RealDonaldTrump

Trump photoshopt seinen Kopf auf einen Rocky-Rumpf in Turnzeug. Hält WmdW das für eine geeignete Bildsprache?

Na klar. Rocky (I bis VIII) ist der Typ, der immer wieder hochkommt – gegen alle Wahrscheinlichkeit. Trump ist sechsfacher Bankrotteur und jetzt Milliardär. Außerdem wohnt er im schicksten Haus der Welt, wo ihn die berühmtesten Menschen die Aufwartung machen. Niemand, auch nicht WmdW, hat geglaubt, dass Trump es bis zum Präsidenten schaffen würde. Er ist wie Rocky das Comeback-Kid, das mit Schnauze, List und Tücke wohl das Impeachment überstehen, dann die 2020-Wahl gewinnen wird (wenn die Demokraten mit einem hart-linken Kandidaten antreten). Charaktermäßig aber ist Rocky nicht zu toppen.

Chinas brutale Unterdrückungsstrategie gegenüber den Uiguren im Land ist jetzt überall nachzulesen. Wird das dem Volk helfen?

Wünschenswert ist es, wahrscheinlich nicht. Gegen diesen perfekten techno-totalitären Staat sind Gestapo und NKWD Waisenkinder, die noch mit Karteikarten arbeiten mussten. Sowjetunion und Nazi-Deutschland waren weitgehend autarke Wirtschaften, deren Märkte niemanden anlockten. China aber ist eine gigantische Milchkuh, die alle melken wollen – von der EU über die USA bis nach Asien. Da hält sich die moralische Empörung in Grenzen. Selbst bei 5G und Huawei, wo das eigene Sicherheitsinteresse regieren müsste, hält sich Merkel mit Verweis auf den großen „Wirtschaftspartner“ zurück. Die Uiguren bleiben im KZ, pardon, Ausbildungslager.

D schweigt – ist die „Lame Duck“ Angela Merkel noch tragbar?

Und wer soll sie vor 2021 wegtragen? Der Söder-Markus? Der muss noch bundespolitisch üben, und nie hat ein Bayer Kanzler geschafft. Friedrich Merz? Der hat sich noch nicht einmal getraut, auf dem Parteitag gegen AKK anzutreten. NRW-Laschet? Ein guter Parteisoldat putscht nicht. Sonst noch jemand? Merkel hat auf ihrem Weg nach oben so viele Rivalen abserviert. Sie ist zwar schon 65, aber nichts lässt annehmen, dass sie ihren Killer-Instinkt verloren hätte.

Ein letztes Wort zur Dienstpflicht...

Ein „Deutschlandjahr“ wäre in jeder Beziehung gut. Warum sollen 18-jährige nicht ein Jahr in das Große und Ganze investieren, wie es AKK vorschlägt? Wie real das ist, zeigt ihr Spruch: „Wir werden jetzt die Ergebnisse (der Diskussion) sammeln und sichern.“ Dann wollen wir „in der Breite der Partei“ im nächsten Jahr darüber plaudern. Dieses Land ist viel zu individualisiert und auf Selbstoptimierung programmiert. Wen es aber drängt, gut zu sein, kann sich Dutzenden von nichtstaatlichen Outfits anschließen. Oder geht auf „Fridays for Future“.

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