Vier Fragen an Josef Joffe : Was macht die Welt?

Die Monarchie retten, goldene Gänse schonen und Australien löschen: Antworten des Kolumnisten auf die Fragen des Tages.

Die Queen in der Krise?
Die Queen in der Krise?Foto: Daniel Leal-Olivas/AFP

Harry und Meghan verlassen (ein bisschen) den Palast. Schadet das dem Königshaus mehr als eine Queen, die Regierungs-PR von B. Johnson vorlesen muss?

Sie muss nicht, sondern ehrt Tradition. Einst hat der Monarch vorgetragen, was ihm passte. Seit 1852 schreibt das Kabinett die Rede zur Parlamentseröffnung – eine Kurzfassung der Regierungserklärung. So muss es sein. Denn die Souveränität in einer Demokratie ruht im Volk, nicht auf dem Thron. Dass Harry & Meghan ihr Glück jenseits der Windsor-KG suchen, respektiert WmdW. Das Leben in der Familienfirma ist hart; allenfalls in der Dusche gibt es private Momente. Die Monarchie hat Schlimmeres überlebt: Enthauptung, Invasion, Bürgerkriege. Sogar den Namenswechsel von „Saxe-Coburg and Gotha“ zum englischen „Windsor“ im Ersten Weltkrieg.

Das ukrainische Flugzeug, gibt Iran nun zu, wurde versehentlich von seiner Flugabwehr getroffen. Befeuert oder dämpft der Tod von 176 Menschen den Konflikt?

Es war schwer, weiter abzustreiten, was die Video-Bilder zeigten: einen hellen Punkt, dann Raketen im Anflug und einen Feuerball. Es ehrt Präsident Ruhani, dass er von einer „großen Tragödie & unverzeihlichen Fehlern“ twitterte. Das hat Putin im Falle der 2014 abgeschossenen MH 17 (283 Tote) über der Ost- Ukraine nicht getan. Teheran hätte freilich in einer Kampfsituation jeglichen zivilen Flugverkehr stoppen müssen. Doch schlagen Trump und Religionsführer Chamenei nun moderate Töne an. Es gilt De-Eskalation. Der Konflikt aber ist alt und tief. Der Friedensnobel an die Erzfeinde muss warten.

Taiwan hat schon wieder gewählt. Wie lange wird die VR China sich solche Frechheiten noch gefallen lassen?

China wird diese Goldene Gans Taiwan ebenso wenig schlachten wie Hongkong, spielen doch beide eine profitträchtige Rolle in der Festlandswirtschaft. Die Verflechtung mit Taiwan wächst und wächst. Überdies wäre eine Invasion kein Spaziergang. Hochgerüstet mit dem Feinsten, ist die Insel von oben bis unten verbunkert. Das bisschen Wohlverhalten können die Konterrevolutionäre jenseits der Meerenge gut verkraften.

Ein letztes Wort zu Australien…

Schön wär’s, wenn’s das letzte wäre. Inzwischen sind elf Millionen Hektar verbrannt, eine Fläche fast so groß wie Bulgarien. Und die Tragödie frisst sich weiter. Ein Menetekel für den Planeten? Den zu retten, wird dauern. Jetzt gilt es, den Feuerschutz drastisch und rasch zu verstärken. Mit Feuerwällen, Brandschneisen, kontrolliertem Abbrand, Löschflugzeugen. Vor allem verdienen die heldenhaften Verteidiger, die ihr Leben riskieren, allerhöchsten Respekt.

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