Vier Fragen an Josef Joffe : Was macht die Welt?

Steinmeier loben, Habeck lehren und die Briten missen. Antworten des Kolumnisten auf die Fragen der Woche.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier legt einen Kranz nieder.
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier legt einen Kranz nieder.Foto: Ronen Zvulun/dpa

Historischer Auftritt von BuPrä Steinmeier in Yad Vashem. Hätte man es besser machen können?

Besser hebräisch hat noch keiner gesprochen, als er „Adonai“, den „Herrn“, dafür pries, „dass er mich heute hier sein lässt“. Sein Englisch war auch gut, besser als der auf russisch runtergeleierte Text von Putin. Am besten war aber sein Signal in üblen Zeiten, da weltweit wieder der Antisemitismus grassiert, der unter dem „Deckmantel angeblicher Kritik an israelischer Politik hervorbricht“.

Manchmal halten deutsche Politiker Reden, die nicht mit Worthülsen und Leerformeln glänzen. Die des BuPrä war vorbildlich. Er nannte die deutsche Schuld beim Namen, prangerte die neuen „bösen Geister“ an und betonte gleichzeitig die „Versöhnung“ von Deutschland und Israel. Die deutsch-jüdische Zukunft sieht plötzlich besser aus.

Grünen-Chef Robert Habeck basht Donald Trump – und qualifiziert sich damit für höhere Ämter?

Trump sei ein frecher, ignoranter Umweltweltfeind, und er selber „fassungslos“, posaunte der Möchtegern-Kanzler. So bescheinigt sich Habeck seine moralische Überlegenheit – und dem Trump dessen Verkommenheit. Auf Trump einzudreschen, ist so originell wie „selber doof!“ unter Kindern – fast wie Wilhelm Zwo.

Die Kunst der subtilen, geistreichen Beleidigung muss Habeck noch lernen – am besten unter Merkel Fünf (nach 2021), die mit ihren wolkigen Phrasen die Botschaft rüberbringt, ohne einen diplomatischen Eklat zu provozieren. Etwa so: „Geniale Tweets, Mr. Trump. Wo lassen Sie schreiben?“

Der türkische Präsident droht der EU mit syrischen Flüchtlingen, als seien die Massen zu seiner Verfügung. Ekelhaft – oder eben Machtpolitik?

Beides. Die EU schafft es nicht, ihre Grenzen zu sichern. Also unterwirft sie sich dem Erpresser Erdogan, der bloß die Schleuse etwas öffnen muss, um Wohlverhalten und Milliarden an Schutzgeld zu erzwingen. Die EU beugt sich in ihrer Schwäche. Es ist ein schändlicher Kotau im Wiederholungsfall, der erst aufhören wird, wenn die EU Koalitionen gegen den Sultan zusammenschirrt, die Grenzsicherung selber in die Hand nimmt und den Übeltäter mit den Kosten seiner Größenwahns konfrontiert.

WmdWs letztes Wort zur EU28 …

Die EU wird nicht stärker, wenn 66 Mio. Briten mit der zweitgrößten Wirtschaft Europas und vier Unis unter den globalen Top-Twenty abhauen (D und F liegen im Ranking weit hinten). Früher haben die Deutschen das Königshaus bestückt, siehe Saxe Coburg-Gotha plus Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg.

Heute liefern wir nur noch Fußballer. Gottseidank wird der Eurostar-Zug weiter die Insel an den Kontinent binden. Wir bleiben wenigstens unter Wasser zusammen, derweil uns Netflix mit brillanten britischen Filmen versorgt.

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