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Vor Gipfeltreffen mit Donald Trump : Nordkoreas Machthaber Kim zu Besuch in China eingetroffen

Kim Jong Un ist wieder unangekündigt nach Peking gereist. Er folgt einer Einladung von Chinas Staatschef Xi Jinping. In Abwesenheit immer Thema: Donald Trump.

In der dieser Karosse könnte er sitzen: Eine Luxuslimousine beim wie immer geheimnisumwitterten Besuch von Kim Jong Un in China.
In der dieser Karosse könnte er sitzen: Eine Luxuslimousine beim wie immer geheimnisumwitterten Besuch von Kim Jong Un in China.Foto: Andy Wong/AP/dpa

Vor seinem geplanten zweiten Gipfel mit US-Präsident Donald Trump stimmt Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un seine Strategie mit China ab. Zum Auftakt seines vierten Besuches bei dem großen Nachbarn innerhalb eines Jahres kam Kim am Dienstag in Peking zu einem einstündigen Gespräch mit Staats- und Parteichef Xi Jinping zusammen, berichtete die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap unter Berufung auf nicht genannte Quellen. Danach hätten Kim und seine Frau Ri Sol Ju an einem Abendessen mit Xi Jinping und Gattin Peng Liyuan in der Großen Halle teilgenommen.

In einem Sonderzug war Kim in der chinesischen Hauptstadt eingetroffen, wo er bis Donnerstag bleiben will. In sozialen Medien kursierten Videos von einem Autokonvoi mit einem hohen Staatsgast und einer Motorradstaffel, der vom alten Pekinger Bahnhof durch die Innenstadt rollte.

Der südkoreanischen Agenturmeldung zufolge haben Kim und Xi Jinping die Perspektiven für ein neues Treffen Kims mit US-Präsident Donald Trump erörtert. In ihrem Gespräch hätten die beiden Staatsführer auch über den Ausbau der bilateralen Beziehungen gesprochen, meldete die Agentur Yonhap am Dienstag unter Berufung auf ungenannte Quellen.

Kims unangekündigter Besuch, der bis Donnerstag dauern soll, erfolgte auf Einladung Xis, wie die nordkoreanische Nachrichtenagentur KCNA und Chinas amtliche Agentur Xinhua berichteten. Laut KCNA wird Kim von seiner Frau Ri Sol Ju und mehreren ranghohen Regierungsvertretern begleitet. Darunter seien Außenminister Ri Yong Ho und der Chefunterhändler der Gespräche mit den USA, Kim Yong Chol. Der Privatzug des nordkoreanischen Machthabers hatte Pjöngjang am Montag verlassen, am Dienstagvormittag (Ortszeit) traf die Delegation dann in der chinesischen Hauptstadt ein. Kurze Zeit später verließ eine Fahrzeugkolonne den Bahnhof von Peking, wie AFP-Journalisten berichteten.

Kim hatte den mächtigen Nachbarn im vergangenen Jahr dreimal besucht, um sich mit Staatschef Xi zu treffen. Keine der Reise war im Vorfeld angekündigt worden. Kims erster Besuch im März war erst bekannt geworden, als sein gepanzerter Zug in Peking gesichtet wurde. Es war seine erste Auslandsreise, seit er 2011 an die Macht gekommen war.

Nordkorea ist international weitgehend isoliert. China ist der engste Verbündete Pjöngjangs und ein wichtiger Akteur in den Verhandlungen über die atomare Abrüstung in Nordkorea.

Südkorea äußerte am Dienstag die Hoffnung, dass Kims Besuch in China zu einer "vollständigen Denuklearisierung und einem dauerhaften Frieden auf der koreanischen Halbinsel beträgt".

In den Nordkorea-Konflikt war im vergangenen Jahr Bewegung gekommen. Kim traf sich drei Mal mit Südkoreas Staatschef Moon Jae In. Im Juni kam er zu einem historischen Gipfel mit US-Präsident Trump zusammen. Dabei willigte Kim in die "Denuklearisierung" seines Landes ein. Genauere Definitionen, einen Zeitplan oder Kontrollmaßnahmen für den Prozess gibt es bislang aber nicht. Laut Trump bereiten beide Länder derzeit ein zweites Gipfeltreffen vor.

Es wird angenommen, dass Kim am Dienstag 35 Jahre alt wurde. Sein Geburtsjahr ist unklar. Die Geburtstage der früheren Machthaber Kim Il Sung und Kim Jong Il - sein Großvater und Vater - werden in Nordkorea groß gefeiert. Bei dem jungen Führer ist das heute anders.

Kim baut seine Verhandlungsposition auf

Kim hatte zuletzt in seiner Neujahrsansprache mit einer Abkehr von der Entspannungspolitik gedroht, sollten die USA die Strafmaßnahmen gegen sein Land aufrecht halten. Trump sagte am Sonntag, die Sanktionen blieben "vollständig in Kraft", bis es "sehr positive" Ergebnisse gebe.

Das Treffen von Kim und Xi diene dazu, ihre Positionen vor dem geplanten Kim-Trump-Gipfel abzustimmen, sagte Bonnie Glaser vom US-Institut Center for Strategic and International Studies (CSIS). Nordkoreas Machthaber hoffe zudem darauf, dass China sein Land dabei unterstütze, eine Lockerung der internationalen Sanktionen zu erreichen.

Nach Einschätzung des US-Verteidigungsexperten Harry Kazianis will Kim seinen China-Besuch auch dazu nutzen, um den USA zu verdeutlichen, dass er "sehr wohl diplomatische und wirtschaftliche Alternativen" zu einer Annäherung an die USA und Südkorea habe.

Einfluss auf Nordkorea Druckmittel im Handelsstreit?

Kims Besuch in Peking überschneidet sich zudem mit den Beratungen zwischen den USA und China über eine Entschärfung ihres Handelskonflikts. Die Gespräche in Peking gingen am Dienstag in ihre zweite Runde.

"Auch Xi profitiert von dem Treffen mit Kim - und das Timing könnte nicht besser sein", sagte Kazianis. Die chinesische Regierung zeige damit, dass sie in den Verhandlungen mit den USA "die Nordkorea-Karte spielen könnte". Peking hatte in der Vergangenheit bestritten, seinen Einfluss auf Pjöngjang bei den Handelsgesprächen mit den USA als Druckmittel zu nutzen. (AFP, dpa, Reuters)

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