Vor Landesparteitag : Warum Natascha Kohnen bayerische SPD-Chefin bleiben will

Natascha Kohnen kandidiert erneut als Chefin der Bayern-SPD. Doch es gibt auch andere Vorschläge für die Spitze des Landesverbandes.

Natascha Kohnen will bayerische SPD-Vorsitzende bleiben.
Natascha Kohnen will bayerische SPD-Vorsitzende bleiben.Foto: dpa/Daniel Karmann

Sollte SPD-Chefin Andrea Nahles einmal der Mut verlassen, dann sollte sie sich vielleicht ein Beispiel an ihrer Stellvertreterin Natascha Kohnen nehmen. „Entschlossen“ und „mutig“, beschreibt Kohnen selbst, was sie vorhat. „Dreist“ nennen es ihre Kritiker.

Sie schütteln den Kopf über den Plan der bayerischen SPD-Chefin: Kohnen will unbedingt Vorsitzende ihres Landesverbandes und Vize-Chefin der Bundes-Partei bleiben. Und das obwohl sie vor wenigen Monaten bei der bayerischen Landtagswahl eine historische Niederlage eingefahren hat. Nur 9,7 Prozent holte sie als Spitzenkandidatin für ihre Partei.

Trotzdem will Kohnen sich an diesem Samstag beim Landesparteitag im fränkischen Bad Winsheim im Amt bestätigen lassen. Auch ihr Generalsekretär Uli Grötsch tritt wieder an, ebenso die meisten im Landesvorstand.

„Es gibt eine Funktionärsschicht, die offenbar mit dem derzeitigen Zustand der Bayern-SPD glücklich ist“, ätzt Münchens ehemalige SPD-Oberbürgermeister Christian Ude. Tatsächlich heißt es beim Landesvorstand: weiter so. „Wir haben einen Plan für die Zukunft“, sagt Grötsch. „Und wir haben genug Energiereserven, um weiterzumachen.“ Laut Bayerntrend stehen mehr als 70 Prozent der SPD-Anhänger hinter Kohnens Entscheidung. Sie bekomme viel Zuspruch, sagt sie. In Briefen stehe: „Du darfst jetzt nicht hinwerfen.“

Reflex Rücktrittsforderung

Der Bundestagsabgeordnete Florian Post sieht das anders: „Sogar die CSU hat den Übergang hingekriegt“, schimpft er. „Ich habe noch nie jemanden gesehen, der mehr an seinem Posten klebt als Natascha Kohnen.“ Inhalte, Strategie, Stil – die Landesvorsitzende sei ein Totalausfall, findet Post. Bevor sie die Partei weiter spalte, sollte sie sich zurückziehen, auch als Vize-Chefin der Bundes-SPD.

In Kohnens Umfeld werden solche Forderungen als „Reflex“ abgetan. Wenn es jemand besser machen könne, „dann soll er bei diesem Parteitag antreten“, sagt Kohnen. Bislang hat sich aber keiner ihrer Kritiker aus der Deckung wagt.

Kommt die Doppelspitze?

Vielleicht geht es aber auch ohne Kampfkandidatur. Einige bayerische Genossen wollen, dass ihr Landesverband künftig von einer Doppelspitze geführt wird. Sollte sich ihr Antrag durchsetzen, muss Kohnen den Vorsitz teilen. Das könnte die glücklose Bayern-SPD sogar zum Vorbild für die Gesamtpartei werden lassen.

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