Politik : Voscheraus Absage verschärft Krise der Hamburger SPD

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Hamburg – Hamburgs SPD sucht weiter nach einem Ausweg aus ihrer Führungskrise: Ex-Bürgermeister Henning Voscherau hat am Montag das Gesuch seiner Genossen abgelehnt, sie im Frühjahr 2008 als Spitzenkandidat in die Bürgerschaftswahl zu führen.

Nachdem die SPD-Spitze der Hansestadt eine gescheiterte Stichwahl mit verschwundenen Stimmzetteln hinter sich hat und in Folge dessen komplett zurücktrat, ist die Absage des 65-Jährigen ein weiterer Rückschlag für die arg gebeutelten Sozialdemokraten an Alster und Elbe. Eine neunköpfige Findungskommission – sieben Kreisvorsitzende und die kommissarische Doppelspitze Mathias Petersen und Dorothee Stapelfeldt - hatte sich nach mühsamer Personaliensuche auf Voscherau als Wunschkandidaten geeinigt, aber auch einräumen müssen, dass es für den Fall einer Absage keine Alternative gäbe. Frohen Mutes wollte das Neunergremium Voscherau eigentlich in der angesetzten abendlichen Sitzung inthronisieren, doch bei der Zusammenkunft um 19.30 Uhr in der Parteizentrale war der bisherige Landeschef Petersen wie bereits in den Vorwochen Überbringer schlechter Botschaften. Voscherau hatte ihm einen Brief mit seinem „Nein“ zukommen lassen. Darin heißt es, dass seine Familie entsetzt sei über die Abläufe der vergangenen Woche und ihm von einer Kandidatur abgeraten habe aus Angst, „als Nächster verheizt“ zu werden. Voscherau zweifelte insbesondere an der Rückendeckung aus den eigenen Reihen. „Wie soll ich denen, die mich 2006 monatelang öffentlich bekämpft haben, jetzt glauben, dass ihre plötzliche Unterstützung von Dauer sein wird?“

Im Vorjahr hatte Voscherau Interesse an einer Kandidatur signalisiert, war damit aber abgeblitzt. Völlig ratlos schlossen Hamburgs SPD-Spitzenkräfte für eine weitere Nachtsitzung im Kurt-Schumacher-Haus die Türen hinter sich. dhan

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