Wähler in Deutschland : Studie sieht wachsende Polarisierung der Gesellschaft

Die Zukunftserwartungen der Wähler in Deutschland laufen weit auseinander und lassen eine wachsende Polarisierung erkennen. Dabei ist die Distanz zwischen Anhängern von Union und AfD besonders groß.

Demonstranten protestieren beim Katholikentag gegen die AfD.
Demonstranten protestieren beim Katholikentag gegen die AfD.Foto: Guido Kirchner/dpa

Die Mehrheit der Deutschen blickt einer Umfrage der Konrad-Adenauer-Stiftung zufolge positiv in die Zukunft. Knapp die Hälfte der Deutschen (44 Prozent) sieht die Zukunft demnach durchweg positiv, wie die Stiftung am Donnerstag in Berlin erklärte. Dagegen sind nur drei Prozent der Befragten ausschließlich negativ eingestellt. Grundsätzlich spielten Gefühle für die Entscheidungen der Deutschen eine wichtige Rolle, führte der Vorsitzende der Stiftung, Ex-Bundestagspräsident Norbert Lammert, aus.

Es gibt den Autoren der Studie zufolge jedoch deutliche Unterschiede zwischen den Anhängern der Parteien. Das deute auf eine Spaltung der Gesellschaft hin.

„Vor allem die Wähler der AfD, mit gewissem Abstand aber auch die Wähler der Linken, weisen Zukunftserwartungen auf, die stark durch negative Gefühle geprägt sind“, heißt es in dem Papier, das auf drei repräsentativen Umfragen beruht. Wähler von Union und FDP blickten optimistisch in die Zukunft, die Wähler von SPD und Grünen stehen demnach dazwischen.

Norbert Lammert.
Norbert Lammert.Foto: Soeren Stache/dpa

Die Vermutung, dass die AfD eine ähnliche „Kundschaft“ habe wie die Unionsparteien, werde damit stark relativiert, sagte der Stiftungsvorsitzende Lammert. AfD-Wähler hätten ein „deutlich anderes Weltbild“, betonte der CDU-Politiker und frühere Bundestagspräsident.

Insgesamt vertrauen 63 Prozent aller Befragten darauf, dass Deutschland künftige Herausforderungen bewältigen wird. Bei der konkreten Frage, wie sie die Zukunft für Deutschland einschätzen, stimmte dennoch ein Drittel aller Befragten der Aussage zu, dass sie für diese eher schwarz sähen.

Hierbei zeigten sich ebenfalls deutliche Unterschiede zwischen den Anhängern der Parteien. Unter Unions-, SPD- und FDP-Wählern sähen weniger als 20 Prozent schwarz. AfD-Anhänger seien indes zu 83 Prozent der Meinung; aber auch über die Hälfte der Linken.

Zudem stimmten rund 82 Prozent der Befragten der Aussage zu, dass Deutschland sich für den Erhalt des Wohlstands weiterentwickeln müsse. Dieses Ergebnis überrasche ihn, so Lammert; er habe erwartet, dass die Deutschen eher auf den Status quo verharren wollten.

Die Studie zeigt zudem, dass Deutsche ein positives Bild von CDU und SPD hätten. Deutliche Unterschiede gebe es jedoch beim Bild der AfD. Die Anhänger der Partei verbänden sie mit positiven Gefühlen, während die Gesamtbevölkerung der AfD Gefühle wie Empörung oder Verzweiflung zuschreibe. Für die repräsentative Umfrage befragte das Unternehmen GMS Dr. Jung 2.719 Menschen. Die Umfrage wurde zwei Mal von anderen Umfrageinstituten wiederholt. (epd, KNA, dpa)

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