Wahl in Hamburg : Warum die Abstimmung große Bedeutung hat

In Hamburg wird am Sonntag die Bürgerschaft gewählt. Das Bundesland ist zwar klein. Doch die Bedeutung der Abstimmung für die Parteien groß. Vor allem für eine.

Wahlkämpfer. Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher will im Amt bleiben.
Wahlkämpfer. Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher will im Amt bleiben.Foto: imago images/Chris Emil Janßen

Moin! Hier s-prechen wir über Hamburch, die Hansestadt Hamburg, stolz auf sich und zugleich das selbst ernannte Tor zur Welt. Die Bürgerschaftswahl findet am 23. Februar statt. Und wird spannend. Denn die Wahl in der zweitgrößten und reichsten Stadt Deutschlands, ein Bundesland, ist die erste nach dem Tabubruch von Thüringen. Auch wenn die Wahl traditionell von Hamburgensien geprägt ist – die Parteien erhoffen sich Aufschluss über ihren Marktwert.

Die Bürgerschaft wählt den Ersten Bürgermeister. Amtierender ist Peter Tschentscher (SPD), übrigens aus Bremen, der auch wieder antritt. Stellvertreterin Katharina Fegebank von den Grünen (aus Bald Oldesloe) bewirbt sich ebenso aufs Neue – will aber Erste werden. Und hofft, dass es klappt, weil die Partei insgesamt mächtig Wind in den Segeln hat.

Aber dass sie noch vor der SPD ins Ziel kommt, ist unwahrscheinlich: Die liegt so bei 37 oder 38 Prozent, die Grünen (deren Bundesvorsitzender auch ein Nordlicht ist, Robert Habeck aus Flensburg) kämen auf rund 23 Prozent. So viel hätte die Partei im Übrigen auch bundesweit.

Und die CDU? 13 Prozent – ein Ergebnis, wie sie es jetzt in Thüringen bekäme. (Oder wie die SPD im Bund.) Die Linke acht, keine Überraschung, die AfD sechs, schon eine Überraschung. Oder halt: dann keine, wenn man bedenkt, dass die anderen Parteien sich nicht beharken, in der Lage nicht polarisieren, sondern sich miteinander auseinandersetzen. Daraus kann man schon was lernen. Über Hamburg hinaus.

Und was wird aus der FDP?

Auch die FDP. Christian Lindners Entschuldigung für den Kladderadatsch „im Namen der Freien Demokraten“ reicht offenbar nicht. Vielleicht, wenn er persönlich um Entschuldigung gebeten hätte; die Wähler haben schon ein feines Gespür dafür, wie es in Thüringen gelaufen sein könnte. Als ob einer wie Lindner, der die Partei stets fest im Griff behalten will, nicht eingeweiht gewesen wäre. Darum: Würde heute gewählt, flöge die FDP raus.

Für FDP-Parteichef Christian Lindner steht nach dem Thüringen-Desaster eine Menge auf dem Spiel.
Für FDP-Parteichef Christian Lindner steht nach dem Thüringen-Desaster eine Menge auf dem Spiel.Foto: Carsten Koall/dpa

Hinzu kommt ein Bericht dieser Tage, dass Experten die Wahlprogramme der Hamburger Parteien für unverständlich halten. Von der Uni Hohenheim heißt es, die Programme seien nichts für Laien. Das sagen die, die in der Nähe der Schwabenmetropole Stuttgart zu Hause sind. Aber es ist ja ein Computerprogramm gewesen, das unter anderem nach langen Schachtelsätzen, Fachbegriffen und Fremdwörtern gesucht hat.

"Mieten in Hamburg sind sehr teuer"

Wobei: Es gibt das „SPD-Regierungsprogramm 2020–2025“ auch in leichter Sprache. Ein Beispiel?

„Die Mieten in Hamburg sind sehr teuer. Die Stadt Hamburg soll mehr Wohnungen bauen. Dann werden die Mieten günstiger. Wir wollen, dass es sehr viele neue Wohnungen gibt. Bis zu 10 Tausend Wohnungen im Jahr. Wohnungen für alle. Viele Menschen können sich keine Wohnung leisten. Deshalb haben wir schon viele Sozial-Wohnungen gebaut. Sozial-Wohnungen sind besonders günstig. Wir wollen aber noch mehr bauen. Viele junge Menschen haben wenig Geld.“

So schwer zu verstehen ist das nicht. Am besten, die Partei bleibt dabei.

Denn man tau

„He wart liederlich up de Tehen gan“ – wörtlich aus dem Plattdeutschen übersetzt: Er fängt ungemein an, auf den Zehen zu gehen; heißt, er wird stolz. Gemeint ist der nächste Wahlsieger. Wer auch immer es ist, darf das Ergebnis von Hamburg nicht für den Nabel der Welt halten. Aber lernen daraus können alle. Denn man tau.

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