Wahl in Hessen : FDP profitiert kaum von der schwachen CDU

Die Liberalen würden sich nicht lange bitten lassen, wenn sie für eine Jamaika-Koalition gebraucht werden.

Rene Rock, hessischer FDP-Fraktionsvorsitzender, stünde für Jamaika bereit.
Rene Rock, hessischer FDP-Fraktionsvorsitzender, stünde für Jamaika bereit.Foto: Silas Stein,dpa

Große Gewinner und große Verlierer habe es in Hessen gegeben, analysierte FDP-Chef Christian Lindner am Sonntagabend treffend. Und einen kleinen Gewinner – die FDP.

In der Tat hat es der Spitzenkandidat der hessischen Liberalen, René Rock, geschafft, seine Partei sicher im neuen Landtag zu platzieren und drei mehr Mandate zu erringen, als die FDP zuvor hatte. Nicht ganz ausgeschlossen war es am späten Abend sogar, dass am Ende nur ein Jamaika-Bündnis die erforderliche Mehrheit zum Regieren haben wird und CDU und Grüne die FDP am Montag um Mitarbeit in einer solchen Koalition bitten müssen. Dass sich Rock dazu nicht lange bitten lassen will, das signalisierte er schon kurz nach Bekanntgabe der ersten Hochrechnungen. Er hoffe sogar auf Jamaika, sagte Rock und versprach: „Wir würden sondieren und wollen gucken, ob wir es hinbekommen.“

Zweifel gesät

Insbesondere eine mögliche Regierungsbeteiligung der Liberalen in Hessen dürfte dann auch überdecken, dass die FDP, wie es Lindner angedeutet aber wohl nicht ganz so gemeint hat, in der Tat nur ein „kleiner“ Gewinner war. Denn mit noch nicht einmal acht Prozent liegt das Ergebnis noch unter dem Niveau des Bundestrends von knapp zehn Prozent. Und das in einem Stammland der FDP. Für die Partei insgesamt dürfte das heißen, dass es ihr nicht gelungen ist, nach dem überraschenden Comeback in den Bundestag mit einem neuen Programm und einem neuen Image langfristig bei den Wählern zu überzeugen und Stimmen hinzuzugewinnen. In Hessen haben sich vor allem jüngere enttäuschte CDU-Wähler zu den Grünen bewegt und nicht zur FDP. Womöglich stimmt es doch nicht wirklich, dass das Nein von Lindner zur Jamaika-Koalition im Bund von den Anhängern als Zeichen von Glaubwürdigkeit gedeutet wird – und nicht als Zeichen der Unzuverlässigkeit. In Hessen jedenfalls liegt eine solche Deutung nahe. Denn auch hier hat Lindner in den letzten Tagen vor der Wahl mit heftiger Merkel-Schelte erneut Zweifel gesät, ob die Liberalen in Hessen ernsthaft mit CDU und Grünen regieren wollen – wenn sie dazu gebraucht werden.

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