Wolfgang Schäuble lobt Juncker: "Er ist einer, der sich kümmert."

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Wahl in Luxemburg : Juncker und das Europa-Problem

Als Juncker am Wahlkampfabend im Süden redet, beschwört er seine Anhänger mit leiser Stimme. Die Euro-Krise sei noch nicht vorbei, Luxemburg brauche ein großes Gewicht im Ausland. Juncker erzählt, wie er mal mit dem chinesischen Staatschef zusammensaß und gewitzelt hat: „Du und ich, wir vertreten zusammen zwei Drittel der Menschheit.“ Der Saal lacht, die Botschaft kommt an. Nur mit Juncker, der locker mit den Größten scherzt, bleibt das kleine Luxemburg international auf Augenhöhe. Er, der sich in einer Rede mal selbst einen „Dinosaurier und alten Tanker“ genannt hat, warnt heute vor den „politischen Verrücktheiten“ der Gegenseite.

Nach seiner Ansprache bekommt Juncker minutenlang stehende Ovationen. Er steigt von der Bühne. Sein Vater, der früher in der Region im Stahlwerk arbeitete, strahlt. Seine einfache Herkunft betont Juncker gern, er gibt sich für einen Konservativen so sozial, dass die Sozialdemokraten immer Probleme hatten anzugreifen. Viele Menschen im Süden Luxemburgs lieben ihn. Den Glanz, den sein Ruhm auch für die Region bringt, gerade bei den Nachbarn Frankreich und Deutschland. Anfang November wird Juncker von den Deutschen wieder für sein Europa-Engagement geehrt werden, über hundert dieser Ehrungen sind es schon. Sein politischer Freund Wolfgang Schäuble sagt: „Er ist einer, der sich kümmert. Der nicht abgehoben ist, das merken die Menschen.“ Und: Es wäre schade, wenn ein Mann von seinem Potenzial keine internationalen Aufgaben mehr übernehme.

Wenn man Juncker von Schäubles Lob erzählt, lächelt der ein wenig müde und sagt: „Wenn ich Premier bleibe, dann bin ich ja nicht weg aus Europa.“

Anfang dieses Jahres trat er nach acht Jahren vom Posten des Euro-Gruppenchefs zurück. Mit nur 58 Jahren, in einem Alter, in dem andere Politiker ihre ersten Wahlen gewinnen, ist er seit 32 Jahren in der Politik. Außer der, heißt es, habe Jean-Claude Juncker keine Hobbys.

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