Wahl von Ralph Brinkhaus : „Kauder war zu sehr von Merkel abhängig“

Der sächsische CDU-Abgeordnete Alexander Krauß erklärt, warum er Ralph Brinkhaus zum Fraktionschef gewählt hat - und was das mit der Kanzlerin zu tun hat.

Kanzlerin Merkel im Gespräch mit Volker Kauder, damals noch Fraktionschef.
Kanzlerin Merkel im Gespräch mit Volker Kauder, damals noch Fraktionschef.Foto: REUTERS

Herr Krauß, Sie sind einer von 125 Unionsabgeordneten, die bei der Wahl des Fraktionsvorsitzenden für Ralph Brinkhaus votiert und damit ein kleines politisches Beben ausgelöst haben. Was hat Sie an Brinkhaus überzeugt?

Er hat stark den einfachen Abgeordneten angesprochen – salopp gesagt: Hinterbänkler wie mich, die keine hohe Funktion innehaben. Er hat deutlich gemacht, dass er einen anderen Politikstil pflegt, der mehr durch Offenheit und Zuhören geprägt ist. Das war nicht die ausgeprägte Stärke von Volker Kauder. Und es war auch ziemlich mutig von ihm, sich zur Wahl zu stellen. Wäre es schief gegangen, hätte er am Katzentisch gesessen.

Was für ein Signal geht von seiner Wahl aus?

Es ist ein Signal des Aufbruchs. Ich habe das Gefühl, dass es an der Basis ein Aufatmen gibt: Da ist die Hoffnung, dass jetzt Bewegung in den Laden kommt. Ich habe heute dutzende SMS, E-Mails und Facebook-Kommentare bekommen – mit so vielen positiven Reaktionen hätte ich nicht gerechnet.

Hat sich in der Abwahl von Volker Kauder auch Unzufriedenheit mit der Kanzlerin niedergeschlagen?

Sicherlich gab es manche, die damit Angela Merkel treffen wollten. Die meisten, die Brinkhaus gewählt haben, waren insgesamt mit dem Regierungsmanagement unzufrieden. Da war der Fall Maaßen und der Streit der letzten zwei Wochen nur das Tüpfelchen auf dem i.  Für mich war der entscheidende Punkt aber schlichtweg: Wer kann die Rolle der Fraktion stärken? Und bei Kauder war die Abhängigkeit von Merkel einfach zu groß.

Welche Akzente erwarten Sie von Brinkhaus?

Er wird schauen, wie wir den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken können.  Dazu gehören Fragen wie: Wie kann es gelingen, dass die Zahl der Flüchtlinge weiter sinkt? Wie können wir sicherstellen, dass man von seiner Rente auch leben kann?  Vorher haben wir da offenbar nicht die überzeugendsten Antworten gegeben.

CDU-Abgeordneter aus dem Erzgebirge: Alexander Krauß.
CDU-Abgeordneter aus dem Erzgebirge: Alexander Krauß.Foto: privat

Inwieweit haben die schlechten Umfragewerte der Union bei der Abwahl Kauders eine Rolle gespielt? Gerade in Ihrem Bundesland Sachsen ist die CDU ja massiv von der AfD bedroht.

Natürlich lassen uns die Umfragewerte nicht kalt. Da ist Kauder auch Opfer einer Regierungspolitik geworden, die er nicht zu verantworten hat.

Steht Herr Brinkhaus auch für einen anderen Umgang mit der AfD?

Die Einstellung zur AfD ändert sich nicht, aber der Umgang mit ihr. Ralph Brinkhaus wird stärker die inhaltliche Auseinandersetzung mit der AfD suchen und darum werben, Wähler zurückzugewinnen. Bislang hatten wir uns zu wenig damit beschäftigt, warum wir diese Wähler verloren haben. Wir brauchen den kommunikativen Nahkampf – also harten und fairen Streit – und keine Gesprächsverweigerung. 

 

 

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