Wahlen in Frankreich : "Das Mädchen" trifft die "Prinzessin"

In zwei Monaten wird in Frankreich gewählt. Sollten die Sozialisten dabei das Rennen machen, dann steht bald auch in Frankreich eine Frau an der Spitze: Ségolène Royal. Die Karrieren von Royal und der deutschen Kanzlerin Angela Merkel zeigen gewisse Gemeinsamkeiten.

Paris - Die eine ist schon an der Macht, die andere könnte es bald sein: Morgen trifft Angela Merkel zum ersten Mal die französische Sozialistin Ségolène Royal, die in zwei Monaten erste Präsidentin ihres Landes werden und in Berlin ihr außenpolitisches Profil schärfen will. Dass die beiden Politikerinnen sich bisher nur aus der Ferne kennen, ist dem Zufall zuzuschreiben. Denn beide waren zwar im Laufe ihrer Regierungskarriere seit Beginn der 90er Jahre Ministerinnen für Umwelt, Frauen und Jugend - nur eben immer zu unterschiedlichen Zeiten und für unterschiedliche Parteien.

Zahlreiche Übereinstimmungen im Werdegang

Merkel und Royal sind fast gleich alt. Die Französin wurde 1953 in Dakar im Senegal als Tochter eines dort stationierten französischen Offiziers geboren, Merkel 1954 als Kind eines evangelischen Pfarrers in Hamburg, bevor die Familie in die DDR zog. Beide waren hervorragende Schülerinnen: Während Merkels gutes Abitur ihr ein Physik-Studium ermöglichte, brachte Royals Schulerfolg ihr ein Stipendium der Politikwissenschaften in Paris und später den Zugang zur Kaderschmiede ENA ein. Beiden Frauen gemein ist, dass sie als Studentinnen eher unauffällig waren.

Den Beginn ihrer Politikkarrieren verdanken beide den damals führenden Politikern ihrer Länder: Kanzler Helmut Kohl und Präsident François Mitterrand. Kohl machte "das Mädchen", wie er Merkel nannte, 1991 zur Frauen- und Jugendministerin. Royal, die nach ihrem ENA-Abschluss 1978 der Sozialistischen Partei (PS) beitrat, war sechs Jahre lang Mitterrands Beraterin für Gesundheit, Umwelt und Jugend im Elysée-Palast, wo sie schon damals den Spitznamen "Prinzessin" bekam. Der Staatschef machte sie dann 1992 zur Umweltministerin.

Zähe Kämpfe gegen die Männerriegen

Anders als Merkel, die 1998 Generalsekretärin der CDU und 2000 Parteivorsitzende wurde, strebte Royal nach keinem Parteiposten. Aus einer Außenseiterposition heraus kämpfte sie aber vehement gegen die Dominanz der "Elefanten" in der PS und war schnell als radikale Feministin verschrien. Ähnlich wie Merkel 2005 die deutsche "K-Frage" entschied Royal die französische "P-Frage" erst nach zähem Kampf gegen männliche Konkurrenten für sich.

Generell gelten die beiden Politikerinnen im Stil als gegensätzlich: Wo Merkel abwägt und moderiert, prescht Royal gerne vor - und nimmt dabei auch Verstimmung in der eigenen Partei in Kauf. So im vergangenen Jahr, als sie zum Entsetzen der französischen Linken eine "militärische Betreuung" straffälliger Jugendlicher vorschlug. Seit ihrer Wahl zur Präsidentschaftskandidatin versucht die Sozialistin, sich einen basisdemokratischen Anstrich zu geben, indem sie Teile ihres Wahlprogramms in öffentlichen Debatten festlegen lässt.

Privatleben für Royal kein Tabu

Anders als Merkel, die ihr Privatleben bis heute unter Verschluss hält, inszenierte sich Royal schon früh in den Medien in ihrer Doppelrolle als vierfache Mutter und Politikerin. Anders als die Kanzlerin ist sie nicht verheiratet. Sie lebt seit einem Vierteljahrhundert ohne Trauschein mit dem Vater ihrer Kinder zusammen: mit Sozialistenchef Francois Hollande, der schon durch seine Parteifunktion anders als Merkels Mann, der Chemiker Joachim Sauer, einer breiten Öffentlichkeit bekannt ist.

Beide Frauen sagten bisher wenig übereinander. Etwas überraschend für Merkel dürfte die Aussage Royals in einem Interview vor einem Jahr gewesen sein, in dem sie die Kanzlerin als unbewusste "Feministin" bezeichnete und sie gegen Kritik an ihrer Kinderlosigkeit in Schutz nahm ("Nie würde man einem Mann so etwas vorwerfen"). Merkel zeigte sich dagegen diplomatisch-humorvoll, als sie Anfang Dezember just bei einem Treffen mit dem konservativen Präsidenten Jacques Chirac auf Royals Wahl zur PS-Kandidatin reagieren sollte: Für Royal gelte, was sie immer für sich selbst in Anspruch genommen habe, sagte die Kanzlerin. "Frauen sind auch Menschen." (Von Martin Trauth, AFP)

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