• Wahlkampf in Fake-News-Zeiten: CNN-Umfrage sieht Biden vorn - Trump fordert Entschuldigung

Wahlkampf in Fake-News-Zeiten : CNN-Umfrage sieht Biden vorn - Trump fordert Entschuldigung

14 Prozentpunkte liegt der US-Präsident in einer Umfrage zurück. Das Trump-Wahlkampfteam spricht von Betrug und verlangt eine Klarstellung von CNN.

US-Präsident Donald Trump 
US-Präsident Donald Trump Foto: REUTERS/Kevin Lamarque

US-Präsident Donald Trump hat den US-Sender CNN aufgefordert, eine für ihn ungünstige Umfrage zurückzuziehen. Man habe einen entsprechenden Brief vom Tump-Wahlkampfteam bekommen, berichtet CNN. Der Sender hat nach eigenen Angaben die Forderung umgehend zurückgewiesen. „Wir stehen zu unserer Umfrage“, sagte ein CNN-Sprecher.

Die Befragung vom Montag zeigt einen deutlichen Vorsprung für den Trump-Herausforderer Joe Biden: Der designierte demokratische Präsidentschaftskandidat hätte bei den registrierten US-Wählern eine Zustimmungsrate von 55 Prozent - der Präsident dagegen kommt nur auf 41 Prozent, Biden liegt also 14 Prozentpunkte vorn.

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Zudem zeigt die Umfrage: Nur 38 Prozent der Befragten halten Trump für einen guten Präsidenten - das ist laut CNN seine geringste Zustimmungsrate seit Januar 2019. So schlechte Werte hatten in den letzten Jahrzehnten zu diesem Zeitpunkt in der Amtszeit sonst nur Präsidenten, die nicht wiedergewählt wurden - Jimmy Carter und George Bush Senior. 

Schlechte Umfragewerte in der Corona-Krise

Auch andere Umfrageinstitute hatten zuletzt verschlechterte Werte für Trump ausgemacht. Ein Grund könnte sein unentschiedenes Management in der Cornonakrise sein - und der dramatische Wirtschaftseinbruch, der auf die Pandemie folgte. 

Zudem könnten die Proteste und Ausschreitungen nach dem Tod des Afroamerikaners George Floyd die Umfragen beeinflusst haben. Donald Trump hatte sich unerbittlich gegenüber den Black-Lives-Matter-Demonstranten gezeigt und sogar mit dem Einsatz des Militärs gegen die Bevölkerung gedroht. 

Seit Anfang März gibt es weder von Biden noch von Trump Wahlkampf-Auftritte. Doch der US-Präsident kündigte nun für den kommenden Freitag die Wiederaufnahme der Wahlkampf-Tour an - trotz der Corona-Pandemie.

Das Tump-Wahlkampfteam schickte den Beschwerdebrief an CNN-Chef Jeff Zucker. Darin heißt es, die Umfrage führe die Wähler in die Irre, indem voreingenommene Fragen gestellt worden seien und eine ungeeignete Stichprobe von Wählern befragt worden sei.

„Falsches Bild von der tatsächlichen Unterstützung für den Präsidenten“

„Die trickreiche und falsche Umfrage soll Wähler vom Wählen abhalten“, behauptet in dem Brief Trumps Wahlkampfmanagerin Jenna Ellis. „Die Umfrage soll die tatsächliche Begeisterung (für Trump) schmälern und gibt ein falsches Bild von der tatsächlichen Unterstützung für den Präsidenten in ganz Amerika“, heißt es darin weiter.

Deshalb solle CNN die Umfrage zurückziehen und klarstellen, dass es sich um „irreführende Schlussfogerungen“ handele. Zudem solle sich der Sender entschuldigen. 

CNN: „Ihr Brief ist faktisch und juristisch haltlos“

CNN-Vizechef David Vigilante sagte, man habe diese Forderungen komplett zurückgewiesen. „Ihr Brief ist faktisch und juristisch haltlos“, heißt es in einem Antwortschreiben von Viligante, das der Sender veröffentlichte

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In einem Artikel auf der CNN-Homepage werden zahlreiche Vorwürfe vom Trump-Team aufgelistet, die aus Sicht des Senders haltlos sind. Zudem verweist der Sender darauf, dass Trump mehrmals CNN-Umfragen gelobt hätte, als die Zahlen ihm genehm erschienen. 

„Meines Wissens ist es das erste Mal in der 40-jährigen Geschichte des Senders, dass CNN mit Klagen gedroht wird, weil einem US-Politiker Umfrageergebnisse nicht gefallen“, schreibt CNN-Vize Vigilante. Solche juristischen Drohungen gebe es zwar häufiger, diese kämen dann aber von Venezuela „oder anderen Regimen, die keinerlei Respekt vor der Pressefreiheit haben“.

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