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Warenhauskette leidet in der Coronakrise : Galeria Karstadt Kaufhof will bis zu 80 Häuser schließen

Fast die Hälfte der gut 170 Kaufhäuser von Galeria Karstadt Kaufhof steht wegen hoher Verluste vor dem Aus. Es droht weiterer Stellenabbau.

Galeria Kaufhof am Berliner Alexanderplatz
Galeria Kaufhof am Berliner AlexanderplatzFoto: Imago/Jürgen Ritter

Bei der in einem Schutzschirmverfahren steckenden Warenhauskette Galeria Karstadt Kaufhof droht Insidern zufolge die Schließung viele Warenhäuser und ein weiterer Abbau von Stellen. Bei dem Warenhauskonzern seien nach aktuellem Diskussionsstand des gerichtlich bestellten Sachwalters Frank Kebekus und des Generalbevollmächtigten Arndt Geiwitz bis zu 80 der knapp über 170 Kaufhäuser vom Aus bedroht, sagten mehrere Insider am Freitag der Nachrichtenagentur Reuters. In den verbliebenen Häusern könnten dann bis zu zehn Prozent der Stellen abgebaut werden.

Auch die dpa berichtete von der geplanten Schließung unter Berufung auf das Unternehmensumfeld. Zuvor hatte auch die „Wirtschaftswoche“ darüber berichtet.

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Nach Angaben von Reuters wird zudem mit den Warenhaus-Vermietern über Mietminderungen gesprochen. Die Ergebnisse dieser Verhandlungen könnten noch Auswirkungen auf den Umfang der Schließungspläne haben. Es gebe noch keine finalen Beschlüsse. Der Konzern wollte sich nicht äußern. Die Geschäftsleitung hatte die Mitarbeiter bereits auf die Schließung von Warenhäusern und einen Abbau von Stellen eingestimmt. In einem Brief der Geschäftsleitung an die Mitarbeiter hatte es geheißen, Kebekus und Geiwitz gingen davon aus, "dass die vor uns liegende Sanierung weit entschlossener ausfallen muss, als wir alle uns das wünschen würden". 

Auch Arbeitsplätze sind gefährdet

Neben vielen anderen teilweise einschneidenden Maßnahmen könne es auch zu Standortschließungen und dementsprechend auch zu einem Arbeitsplatzabbau kommen, hieß es weiter. Beide arbeiteten an einem Sanierungskonzept für den angeschlagenen Warenhauskonzern, bis Ende Juni solle der Plan fertig sein. "Filialschließungen und Personalabbau sind keine Strategie", kritisierten der Gesamtbetriebsrat und die Gewerkschaft Verdi. Nach Informationen der "Wirtschaftwoche" rechnen Insider mit dem Abbau von insgesamt rund 5000 Vollzeitstellen bei dem Unternehmen.

Verdi warnt vor Schließungswelle

Die Gewerkschaft Verdi warnte, eine solch dramatische Schließungswelle werde Auswirkungen weit über das Unternehmen hinaus haben. Mittelfristig seien dadurch auch Zehntausende von Arbeitsplätzen bei anderen Einzelhändlern und die Attraktivität ganzer Innenstädte bedroht. „Denn die Warenhäuser in den Städten sind Ankerstandorte. Sie sind der Schlüssel für Frequenz und für die Ansiedlung von weiteren Einzelhandelsbetrieben“, sagte Nutzenberger. Sie kündigte harten Widerstand gegen die Schließungspläne an und verlangte dabei Unterstützung von der Politik: „Hier sind alle gefordert, von den Bürgermeistern bis hin zur Bundespolitik.“

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"Galeria Karstadt Kaufhof hat während der Zeit der Komplettschließung mehr als eine halbe Milliarde Euro verloren", hieß es in dem Schreiben weiter. Die Umsätze der letzten acht Wochen, darunter das wichtige Ostergeschäft, fehlten, der Rückstand sei nicht aufzuholen. "Insgesamt dürfte sich der Umsatzverlust auf bis zu einer Milliarde Euro erhöhen", räumte die Geschäftsleitung ein.

Anfang April hatte Galeria ein Schutzschirmverfahren beantragt

Galeria Karstadt Kaufhof kämpft in der Coronakrise ums Überleben. Der Warenhaus-Riese hatte Anfang April ein Schutzschirmverfahren in Eigenverwaltung beantragt. Dieses gilt als Vorstufe der Insolvenz, folgt den gleichen Regeln und mündet oft in ein reguläres Insolvenzverfahren. Der Konzern gehört der Signa-Holding des österreichischen Immobilien-Investors Rene Benko. (dpa, Reuters)

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