Die andere Seite: Später in die Rente gehen

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Was Flexibler Eintritt bedeutet : Früher oder später in Rente - welche Möglichkeiten gibt es?

Länger arbeiten, später Rente beantragen

Wer länger als bis zum gesetzlichen Renteneintrittsalter arbeiten will, kann das schon heute tun – vorausgesetzt, der Arbeitgeber spielt mit. Im Normalfall muss der Chef einer solchen Verlängerung des Arbeitsverhältnisses zustimmen, denn in vielen Arbeits- oder Tarifverträgen ist eine Altersgrenze vorgesehen. Von dieser Möglichkeit machen bislang allerdings nur wenige Arbeitnehmer Gebrauch. Im Jahr 2012 waren es bundesweit gut 6100 Männer und 7800 Frauen, die erst mit 66 Jahren oder später eine Vollrente beantragt haben, wie Statistiken der Deutschen Rentenversicherung Bund zeigen. Bei knapp 650 000 Neurentnern waren es also gerade mal 2,2 Prozent, die beschlossen haben, ihren Start ins Rentnerdasein hinauszuschieben. Zum Vergleich: Knapp sechs Prozent der Frauen und Männer haben in dem Jahr bereits mit 60 Jahren ihre Rente beantragt.

Wer länger arbeitet, erhält später auch mehr Rente. Und zwar aus zwei Gründen: Zum einen erhöht der Betroffene seine Rentenansprüche, weil er seinen Renteneintritt auf einen späteren Zeitpunkt hinausschiebt. Er erhält einen finanziellen Ausgleich, weil er für eine gewisse Zeit auf die ihm eigentlich zustehende Rente verzichtet (so wie umgekehrt jemand, der früher in Rente geht, auch Abschläge in Kauf nehmen muss). Für jeden Monat gibt es zusätzlich 0,5 Prozent, nach einem Jahr sind es also sechs Prozent. Es gibt aber auch noch einen zweiten Effekt, der die Rente darüber hinaus erhöht: Da während der Beschäftigung auch weiter Rentenbeiträge vom Arbeitgeber und vom Arbeitnehmer gezahlt werden, steigt der Rentenanspruch noch einmal in dem Umfang. Derzeit liegt der Rentenbeitrag bei 18,9 Prozent.

Eine Beispielrechnung: Ein so genannter Standardrentner, der 45 Jahre lang durchschnittlich verdient hat, kommt derzeit im Westen auf eine Rente von 1266,30 Euro im Monat. Wenn er sich entscheidet, ein Jahr länger zu arbeiten, erhält er einen Aufschlag von sechs Prozent, also knapp 76 Euro. Hinzu kommt ein Entgeltpunkt für die in dem Jahr gezahlten Rentenbeiträge, derzeit wären das 28,14 Euro. Insgesamt erhöht sich sein Rentenanspruch also auf etwas mehr als 1370 Euro. Macht ein Plus von mehr als 100 Euro im Monat.

Länger arbeiten, gleichzeitig eine Rente beziehen

Es ist auch möglich, über die Regelaltersgrenze hinaus zu arbeiten und trotzdem schon eine Rente zu beantragen. Die Betroffenen erhalten dafür allerdings keine Zuschläge von der Rentenversicherung: Schließlich beziehen sie neben ihrem Gehalt bereits eine gesetzliche Rente. Und da sie als Vollrentner auch keine Rentenbeiträge mehr zahlen, erhöht sich ihr Rentenanspruch nicht mehr. Sofern sie die gesetzliche Regelaltersgrenze erreicht oder überschritten haben, dürfen Rentner unbegrenzt Geld nebenher verdienen. Sind sie jünger und beziehen eine vorgezogene Rente (etwa die abschlagsfreie Rente mit 65 Jahren), dann gelten bestimmte Zuverdienstregelungen (siehe „Früher in Rente“).

Warum Rentner trotz ihres wohlverdienten Ruhestandes nebenher arbeiten gehen, dazu gibt es verschiedene Erklärungen. Einige müssen ihre geringe gesetzliche Rente durch Minijobs aufbessern, andere wollen sich nützlich machen. Und manch einer will vielleicht den finanziellen Nachteil ausgleichen, der nach einer Scheidung dadurch entsteht, dass es für die Ehejahre einen Versorgungsausgleich bei der Rente gibt.

Unions-Vorschlag: Die Flexi-Rente

Die Union will nun dafür sorgen, dass es für die Wirtschaft finanziell attraktiver wird, Rentner anzustellen. Derzeit muss ein Arbeitgeber Rentenbeiträge zahlen, wenn er jemanden beschäftigt, der bereits eine Vollrente bezieht. Von dieser Beitragspflicht sollen die Betriebe entbunden werden, fordert etwa der Vorsitzende der Mittelstandsvereinigung der Union, Carsten Linnemann. Der Wirtschaftsflügel der Union hadert mit der abschlagsfreien Rente mit 63, welche die SPD in den Koalitionsverhandlungen durchgesetzt hat. Linnemann und seine Mitstreiter fürchten ebenso wie die Wirtschaftsverbände, dass dadurch eine neue Frühverrentungswelle in Gang gesetzt werden kann.

Von seinem Vorschlag verspricht sich der CDU-Politiker das Signal, dass auch längeres Arbeiten erwünscht ist. Er fordert außerdem, das Arbeitsrecht so zu ändern, dass ein Arbeitgeber seinen früheren Mitarbeiter auch nach dessen Rentenbeginn problemlos wieder befristet einstellen kann. Die Idee, die unter dem Namen „Flexi-Rente“ kursiert, wird auch von Unions-Fraktionschef Volker Kauder (CDU) unterstützt. Doch im Haus von Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) ist man eher skeptisch. Nach groben Schätzungen müssten die Rentenkassen jährlich auf Beiträge in Höhe von knapp einer Milliarde Euro verzichten. Wenn die Beitragspflicht abgeschafft werde, bestehe außerdem die Gefahr, dass Arbeitgeber bevorzugt versicherungsfreie ältere Beschäftigte zu Lasten Jüngerer einstellen, für die noch Beiträge entrichtet werden müssen. Die bestehende Regelung diene auch „der Gleichbehandlung“, hieß es kürzlich in einer Antwort des Arbeitsministeriums auf eine Frage des Grünen-Rentenexperten Markus Kurth.

Welche alternativen Vorsorge-Optionen gibt es? Hier mehr dazu.

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