Was macht die Welt : Freundschaften festigen, Mandela ehren und Regale zusammenschrauben

Was macht die Welt? Vier Fragen an "Zeit"-Herausgeber Josef Joffe.

Der ehemalige US-Präsident Barack Obama sprach bei den Feierlichkeiten in Südafrika.
Der ehemalige US-Präsident Barack Obama sprach bei den Feierlichkeiten in Südafrika.Foto: Marco Longari/AFP

Donald Trump will Wladimir Putin zu einem zweiten Gipfel, nun nach Washington, einladen. Wut und Gelächter in DC, links wie rechts. Zuviel der Freundschaft?

WmdW hält es hier mit dem russischen Amerika-Botschafter Anatol Antonow und fragt mit dem gleichen unschuldigen Augenaufschlag: „Was ist denn so schlimm daran, wenn sich die Großen treffen“ – wie zwei Mafia-Chefs, die den Markt unter sich aufteilen wollen? Erstens müssen junge Freundschaften gefestigt werden. Zweitens gibt es so viel zu besprechen: Wie man sich gegen die Kleineren zusammenrottet, wie der Kreml US-Wahlen zugunsten von Trump manipulieren könnte. Putin wird Trump gute Tipps geben, wie dieser ebenfalls 18 Jahre lang an der Macht bleiben könnte – trotz der US-Verfassung, die dem Präsidenten nur acht Jahre gewährt.

Barack Obama würdigt 100 Jahre Nelson Mandela, steigen WmdW auch die Tränen der Sehnsucht in die Augen?

Mandela war eine Lichtgestalt, die Träume mit den Realitäten zu versöhnen verstand. So hat er mit Frederik Willem de Klerk den Apartheid-Staat überwunden. Aber solche Figuren gibt es nur alle 100 Jahre – siehe auch Gandhi, der 1948 die Unabhängigkeit gegen die Briten ohne Krieg durchsetzen konnte. Propheten mausern sich sehr selten zu Politikern. Zurzeit florieren die Autoritären rund um die Welt. Umso mehr müssen wir Mandela ehren: Er hat das Reale mit dem Idealen vereint. Solche Leute werden derzeit nicht hergestellt.

Die britische Premierministerin konnte mit ihrem Austritts-Weißbuch nicht punkten: Wird der Brexit zum Mayxit?

„Die spinnen, die Briten“, würde Asterix höhnen. Früher, ca. 1890 bis 1945, spielten die Deutschen verrückt, derweil die Briten mit Realismus und pragmatischer Interessenpolitik brillierten. Heute läuft es umgekehrt. Brexit, Mayxit, whatever: Wenn nicht ein Wunder geschieht, werden die Anglos im nächsten Jahr wie „Kevin allein zuhaus“ dastehen – nicht als Spielmacher, sondern als Spielball der Mächte. Das „Vereinigte Königreich“ könnte sehr wohl zerfallen. Und Europa wird am (neuen) britischen Wesen auch nicht genesen.

Ein letztes Wort zum nicht mehr so großzügigen Rückgaberecht bei Ikea...

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WmdW wäre nie auf die Idee gekommen, Ikea-Möbel zurückzugeben. Er hat es stets mit Marx gehalten: Erst die eigene Arbeit schafft wahren Wert. Das Billy-Regal wurde beim Zusammenbau durch Blut, Schweiß und Tränen veredelt, wenn der Schrauber abrutschte und die Handfläche durchbohrte. Solche Möbel kriegen einen Ehrenplatz im Wohzimmer, symbolisieren sie doch den Sieg über die Tücke des Objekts – und die Versöhnung mit der Gattin, die schon mit dem Scheidungsanwalt telefonierte.

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