Was macht die Welt: Vier Fragen an Josef Joffe : Auf einen Bourbon mit Donald Trump

Etwas Bildungshuberei, neue deutsche Sympathiegewinne - und die Liebe zur Heimat.

US-Präsident Donald Trump hält ein Glas Wasser während seiner Rede "Zur Lage der Nation" in die Kamera.
US-Präsident Donald Trump hält ein Glas Wasser während seiner Rede "Zur Lage der Nation" in die Kamera.Foto: dpa

Habemus Groko oder Ähnliches. Ist die ganze Welt außer der Union und SPD jetzt froh?

Einerseits: Wir müssen unseren Hohn über das Chaos im Weißen Haus etwas runterfahren. Anderseits ist da ein Bonus drin. Die supertüchtigen, ordnungsmächtigen Deutschen flößen weniger Angst ein; sie sind jetzt europäischer Mainstream. In England ist Mrs. May auf der Abschussliste. In Italien regieren Insolvenzverwalter. In Madrid brauchte Rajoy ein Jahr, um keine Koalition zusammen zu kriegen; jetzt führt er eine Minderheitsregierung. Auf menschliches Maß gestutzt, werden die Deutschen richtig sympathisch.

Schulz gegen Gabriel. Hat der Sozenstreit das Zeug zur griechischen Tragödie?

Erst etwas Bildungshuberei: Für Hegel ist der tragische Konflikt „nicht zwischen Gut und Böse, sondern zwischen Positionen, von denen jede etwas Gutes enthält“. Schlichter: Der Held wird unschuldig schuldig (oder schulzig, wie Aristoteles schrieb). Hier gibt’s nichts Griechisches, sondern zwei Un-Helden, die ein Zweckbündnis geschlossen hatten: du Parteichef und K-Kandidat, ich Außenminister. Leider ging es schief. Schulz wurde von der Bühne gefegt, und Gabriel tobt in den Kulissen von Verrat. Die beiden sind also ganz normale „Parteifreunde“, und Nahles ist die lachende Dritte. Der nächste Akt im Volkstheater: Schulz kriegt die Friedrich-Ebert-Stiftung, Gabriel die Vatikan-Botschaft, und Merkel übernimmt zusätzlich das Außenamt. Wie Adenauer 1949-55.

McMaster kommt zur Sicherheitskonferenz, geehrt wird in München aber McCain. Mit welchem Amerika redet WmdW lieber?

Der Transatlantiker McCain hat’s verdient, aber ein Bier trinken, will WmdW mit beiden nicht. Leute, die Macht haben, zumal Generäle wie der Sicherheitsberater McMaster, sind nicht gesprächig oder witzig; jedes Wort ist absicherungspolitisch kalkuliert. Dann schon lieber einen Bourbon mit Trump. Der ist ein TV-erprobter Stand-up-Comic, und als Big Boss muss er sich weder um Sprachregelungen, noch um Etikette kümmern.

Ein Wort noch zur Heimat ...

Was haben progressiv denkende Deutschen bloß gegen „Heimat“, die uns so anheimelnde Begriffe wie „Heimweh“, „Heimkehr“ und „Heimatliebe“ geschenkt hat? Seehofer ist der Richtige für das Heimatministerium. Mit Tracht und Haferl-Schuhen wird er das öde Dunkelgrau mitsamt Streifenschlips der Berliner Funktionärskaste aufhellen. Das Ausland identifiziert Deutschland sowieso mit Bayern (Bier, Blasmusik, BMW, Berge, Bayern-München). Der Seehofer Horst macht’s jetzt offiziell. Noch trefflicher wäre es, wenn das Hei-Min nach München umzöge.

Josef Joffe ist Herausgeber der „Zeit“.

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