Politik : Was macht die Welt?

Wahlmarathon in den USA und Muslime in Hollands Regierung

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Der Präsidentschaftswahlkampf in den USA läuft schon jetzt auf Hochtouren. Wem geht auf dieser Marathonstrecke zuletzt die Puste aus?

Der berühmte amerikanische Baseballspieler (und Gelegenheitsphilosoph) Yogi Berra sagte: „Ich mache nie Voraussagen, und schon gar nicht über die Zukunft.“ Warum sollte WmdW törichter sein? Erst recht in einem Vorwahl-Kampf, wo die Kandidaten keine Staatsknete bekommen, also auf Spenden zurückgreifen müssen. Das Aufkommen aber richtet sich nach der Tagesform. Schon ein einziger Fehltritt in diesem grausamen Auswahlprozess kann zur Massendesertion der Unterstützer führen. Heute lässt sich nur eines sagen: Hilary Clinton hat die größte Kriegskasse. Aber Barack Obama holt auf, und schon morgen könnte Klima-Guru und Oscar-Preisträger Al Gore antreten. Bei den Republikanern führt der New Yorker Ex-Bürgermeister Rudi Guiliani, aber gerade ist Kriegsheld John McCain in den Ring gestiegen. Wir reden wieder im nächsten Januar.

In dieser Woche ist EU-Gipfel in Brüssel. Ein erstes Resümee der deutschen Ratspräsidentschaft?

Nach acht Wochen? Bekanntlich ist auch Angela Merkel, derzeit ungekrönte Königin der westlichen Politik, recht bescheiden. Sie will nicht etwa einen zweiten Anlauf zur (gescheiterten) EU-Verfassung unternehmen, sondern nur einen Fahrplan aufstellen, „wie es mit dem Verfassungsvertrag weitergeht“. Am besten, die Deutschen nutzen die Restzeit, um den Sechs-Monate-Turnus der Präsidentschaft auf ein Jahr zu verlängern. Sonst kann jeder Präsident nach sechs Monaten die ererbten Probleme erleichtert in den Schoß des nächsten werfen.

In der neuen niederländischen Regierung sind zwei Muslime. Wann wird das auch in Deutschland möglich sein?

Schon wieder eine Auguren-Frage. Eigentlich wäre das heute schon möglich, bloß ist ein ministrabler Türke noch nicht in Sicht. Das mag am politischen Desinteresse der größten Einwanderergruppe liegen, aber auch am deutschen Parteienstaat: Hier muss (fast) jeder erst einmal die Ochsentour durch die Parteigremien absolvieren. Das dauert 20 Jahre. Und geht auch bei protestantisch-nordischen Hanseaten schief – siehe das SPD-Debakel in Hamburg.

Ein Wort zum deutschen Außenminister …

Jüngste Drehung im Fortsetzungsroman Kurnaz. Jetzt bekundet im deutschen Fernsehen der damalige US-Beauftragte Pierre-Richard Prosper, seine Regierung sei ab 2002 jederzeit bereit gewesen, Kurnaz freizulassen. Nur hätte Rot-Grün kein Signal gegeben; hätte Berlin ihn angesprochen, wäre er „mit einer Delegation nach Deutschland gekommen, (um) uns mit den Verantwortlichen zusammenzusetzen“. Jetzt ein kleiner Einschub für die Werbung, dann geht es gleich weiter.

Josef Joffe ist Herausgeber der „Zeit“. Fragen: mos

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