Berlin ist eines der Zentren des salafistischen Spektrums

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Was man über Florian L. weiß : Islamist auf der BER-Baustelle: Jung, fromm, fanatisch

Unter seinem Pseudonym Abu Azzam al Almani hat L. mehrere Beiträge auf einer Homepage verfasst, die Reda S. betreibt. Der großspurig wirkende Titel der Website lautet „Islamisches Nachrichten- und Informationszentrum Al Risalah“. Es handelt sich um eine Plattform für salafistische Propaganda, verbunden mit dem im Juni von Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich verbotenen Verein „Millatu Ibrahim“. Florian L. hat für Risalah unter anderem über die Ausschreitungen vom Mai in Solingen und Bonn berichtet. Bei den Krawallen der Salafisten, die gegen provokante Auftritte der islamfeindlichen Partei „Pro NRW“ protestierten, wurden mehrere Polizisten verletzt.

Sie beleidigen den Propheten und sperren unsere Löwen ein“ schrieb Florian L. in seinem Text zu der Randale in Solingen. Der Hass richtet sich gleichermaßen gegen die Rechtsradikalen wie die Polizei. Und L. stigmatisiert den Dänen Kurt Westergaard, der die Mohammed-Karikaturen gezeichnet hat, als „Feind Allahs“. Im selben Satz wird auch erwähnt, dass Westergaard von Angela Merkel eine Auszeichnung erhielt.

Solche Texte fachen Emotionen an und können gerade bei jungen Muslimen die Radikalisierung forcieren. Trotz seiner 21 Jahre, so scheint es, fühlt sich Florian L. schon zum Einpeitscher berufen. Ein weiteres Beispiel ist der „Offene Brief“ vom April, den L. im Internet an die Chefin des Berliner Verfassungsschutzes, Claudia Schmid, geschrieben hat. In herablassendem, teilweise aggressivem Ton attackiert L. die Verfassungsschützerin, nachdem sie sich in einer Fernsehsendung über Salafisten geäußert hatte. „Ihr schamloser Vorwurf, dass wir lediglich Vertreter einer politischen Ideologie sind, die den Koran und den Islam missbrauchen um unsere politischen Ziele zu verwirklichen, ist der Gipfel ihrer falschen Behauptungen“, wettert der junge Salafist. Der Verfassungsschutz, an Beleidigungen von Extremisten gewöhnt, hat den Brief registriert – als weiteres Indiz für die Fanatisierung von

Bilder: Debakel um den neuen Flughafen BER

Das Debakel um den neuen Flughafen in Bildern
Ende August 2012 hatte der Regierende Bürgermeister und Aufsichtsratvorsitzende des BER, Klaus Wowereit, noch die Verantwortung für das Flughafen-Desaster übernommen. Am 24.05.2013 wies er jedoch eine persönliche Verantwortung für die mehrfache Verschiebung des Eröffnungstermins im BER-Untersuchungsausschuss des Abgeordnetenhauses von sich. Doch nun, Mitte Dezember ist sein Comeback als Aufsichtsrat sicher.Weitere Bilder anzeigen
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13.12.2013 10:52Ende August 2012 hatte der Regierende Bürgermeister und Aufsichtsratvorsitzende des BER, Klaus Wowereit, noch die Verantwortung...

Florian L. Die aber offenkundig noch nicht so weit gediehen ist, dass es ihn zu einer Reise in den Dschihad drängt. Bislang sei von einem Aufenthalt in der pakistanischen Terrorhochburg Wasiristan nichts bekannt, heißt es in Sicherheitskreisen. Die meisten Kumpane haben inzwischen auch andere Ziele. Mehrere Islamisten aus Berlin sind in diesem Jahr nach Ägypten gereist. Das Land am Nil wird offenbar eine weitere Drehscheibe für Dschihadisten.

Welche Bedrohung geht von der Salafistenszene aus?

Berlin ist eines der Zentren des salafistischen Spektrums. Der Verfassungsschutz schätzt die Szene auf etwa 350 Personen, knapp ein Drittel sei gewaltorientiert. Bundesweit rechnen die Behörden der Szene ungefähr 3800 Personen zu. Nicht alle sind potenzielle Dschihadisten. Aber Verfassungsschützer verweisen darauf, dass die meisten sunnitisch-islamistischen Terroristen sich in salafistischen Milieus radikalisiert haben.

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