Welttag der Jogginghose : Das Ende des Schlabber-Trends

Jogginghosen sind überall zu sehen und könnten sich doch bald aus dem öffentlichen Raum verabschieden. Zum Welttag blicken wir auf die bequeme Hose.

Yannik Achternbosch
Foto: Christoph Schmidt/dpa

Die meisten Trends werden innerhalb kürzester Zeit kommerzialisiert, so auch der Welttag der Jogginghose. 2009 wurde der Feiertag der Schlabberhosen in Österreich ins Leben gerufen. Über ein weltweites Facebook-Event nahmen 2011, dem Höhepunkt des Jogginghosen-Tag-Hypes, rund 600000 Personen daran teil.

Bei Zahlen dieser Größenordnung muss die Marketing-Abteilung entsprechender Konzerne nicht einmal sonderlich kreativ sein, um ein Geschäft zu wittern. Und so finden sich auch heute im Netz zahlreiche Sonderangebote unterschiedlichster Anbieter, die Menschen mit neuen Jogginghosen ausstatten wollen. Die Facebook-Seite der Feiertagserfinder liegt mittlerweile hingegen fast brach, ihre Facebook-Veranstaltung fand zuletzt 2018 statt.

Die Jogginghose geht zurück auf Émile Camuset, der in den 1920ern eine Hose für Sportlerinnen und Sportler auf den Markt brachte, die ihnen viel Bewegungsfreiheit zum Dehnen bieten sollte. Auch wenn die Bewegungsfreiheit für viele Trägerinnen und Träger mittlerweile zweitrangig ist, sind die Hosen ungebrochen populär: Es reicht ein sonntäglicher Blick in Berliner Spätis.

Selbstverständlich sorgt die zunehmende Verbreitung von Jogginghosen im öffentlichen Raum – ganz unabhängig vom entsprechenden Welttag – nicht nur für Begeisterung. Das prominenteste Beispiel dafür sind die berühmten Worte von Karl Lagerfeld: „Wer eine Jogginghose trägt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren.“

Naht das Ende der Jogginghose?

Allerdings können Jogginghosen auch dezidiert sportlich eingesetzt werden. Das beste Beispiel dafür ist Gábor Király, ein ehemaliger Fußballtorwart aus Ungarn. Király, um die Jahrtausendwende immerhin sieben Jahre bei Hertha und später nochmal beim TSV 1860 München, spielte konsequent in grauen Jogginghosen. Während seiner Münchner Station führten die Löwen zeitweise eine „Hose Király“ im Fanshop.

Vielleicht ist der Trend zur Schlabberhose – egal ob auf dem Sofa oder der Laufbahn – aber auch bereits vorbei. Aus der Neuköllner U8 erreichen uns Berichte über Jugendliche, die Jogginghosen schlicht als uncool abtun und nur noch in der Schule tragen. Für die Freizeit danach wählen sie eher Jeans.

Sollte sich bewahrheiten, dass das Ende der Jogginghose tatsächlich naht, hätte das einen großen Vorteil: Man kann auch als Mittzwanziger wieder in Jogginghose entspannt zum Späti laufen und erweckt dabei nicht den Eindruck, mit Sechzehnjährigen um Coolness zu konkurrieren.

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