Wer wird "Speaker" im US-Kongress? : Trumps neue Lieblingsfeindin

Die US-Demokraten wollen die Parteilinke Nancy Pelosi zur Vorsitzenden im Repräsentantenhaus machen. Das wäre ein Geschenk für die Republikaner. Ein Kommentar.

Nancy Pelosi.
Nancy Pelosi.Foto: Jonathan Ernst/Reuters

Eines der beiden Lager in den USA verkalkuliert sich gerade. Die Demokraten wollen nach der Rückeroberung der Mehrheit im Repräsentantenhaus Nancy Pelosi zum „Speaker“ machen – quasi die Bundestagspräsidentin der USA, die Nummer drei im Staat nach dem Präsidenten und dessen Vize. Die linke Demokratin aus Kalifornien war das bereits von 2007 bis 2011. Nun ist sie 78 Jahre alt und erhebt Anspruch auf das Amt, als stehe es ihr zu.

Die einzige Konkurrentin zieht zurück

Der linke Parteiflügel unterstützt sie; moderate Demokraten aus umkämpften Bundesstaaten sehen das mit Sorge. Die einzige offizielle Konkurrentin, Marcia Fudge aus Ohio, hat nun erklärt, sie trete nicht an.

Pelosi ist ein Feindbild für die Republikaner. Also eine Wunschgegnerin für den Wahlkampf 2020, wenn der nächste Präsident und auch der Kongress gewählt werden. Sie lässt sich mit ihren für die USA eher linken Positionen leicht zur Karikatur machen, die man angreifen und verleumden kann, ohne viel Widerspruch unter den wahlentscheidenden Wechselwählern zu riskieren. Sie kümmere sich angeblich mehr um illegale Einwanderer als rechtschaffene US-Bürger. In der Außenpolitik betreibe sie den Ausverkauf der US-Interessen.

Trump lobt Pelosi - ein vergiftetes Kompliment

Manchen Demokraten gibt zu denken, dass Präsident Donald Trump Pelosi nach der Wahl gelobt hat – ein vergiftetes Kompliment. Auch er will lieber Pelosi als Speaker als jemanden von den jüngeren Moderaten. Aber nicht, weil er an die Chance für überparteiliche Kompromisse glaubt; die sind begrenzt. Trump möchte den Wahlkampf 2016 als Vorlage nehmen und muss in seinen Macho-Sprüchen nur den Namen Clinton durch Pelosi ersetzen.

Moderate Demokraten sind in Sorge und drohen, nicht für Pelosi als Speaker zu stimmen. Aber ihnen fehlt eine überzeugende Person, die die streitbare Linke herausfordert. Viele Abgeordnete bleiben trotz Bedenken loyal, weil Pelosi sie im Wahlkampf unterstützt und Spenden für sie gesammelt hat.

Die italienische Großmutter

Pelosi wurde 1940 in Baltimore in einer italienischen Einwandererfamilie geboren. Ihr Vater war Bürgermeister der Hafenstadt. Als Kind beobachtete sie, wie er Buch führte, wer wem einen Gefallen schuldet. Nach der Heirat mit dem Investment-Experten Paul Pelosi zog das Paar nach San Francisco, wo sie fünf Kinder großzog. Seit 1987 vertritt sie den zwölften Wahlkreis, einen der sichersten für die Demokraten in den USA. Nancy Pelosi war die erste Italo-Amerikanerin, die eine Führungsposition bei einer großen Partei erreichte. Und die erste Frau an der Spitze des Repräsentantenhauses.

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