„Wir werden mehr testen, nicht weniger“ : Fauci widerspricht Test-Skeptiker Trump

„Testen ist ein zweischneidiges Schwert“, findet der US-Präsident. Er will weniger, damit die Zahlen nicht so steigen. Sein Immunologe wendet sich dagegen.

Der Immunologe Anthony Fauci
Der Immunologe Anthony FauciFoto: Kevin Dietsch / AFP

US-Präsident Donald Trump hat den jüngsten Anstieg bekannter Coronavirus-Infektionen in den USA am Dienstag (Ortszeit) erneut heruntergespielt. „Wenn wir mehr testen, finden wir mehr Fälle“, sagte er. „Testen ist ein zweischneidiges Schwert.“ Die USA hätten mehr als 25 Millionen Tests ausgeführt, mehr als jedes andere Land.

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Trump hatte bereits bei einer Kundgebung am Samstag gesagt: „Wenn man in diesem Ausmaß testet, wird man mehr Menschen finden, man wird mehr Fälle finden, also habe ich meinen Leuten gesagt: „Verlangsamt bitte die Tests“.“ Aus dem Weißen Haus hieß es anschließend, Trump habe „offensichtlich gescherzt“. Der Präsident sagte am Dienstag, als er auf seine Aussage angesprochen wurde: „Ich scherze nicht.“

Der führende US-Immunologe in der Corona-Krise, Anthony Fauci betonte indes, niemand aus der Coronavirus-Arbeitsgruppe des Weißen Hauses sei jemals angewiesen worden, Tests zu verlangsamen. „Das Gegenteil ist der Fall. Wir werden mehr testen, nicht weniger.“

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Die meisten renommierten Experten lehnen Trumps Erklärung ab, wonach die Zunahme der Infektionen vor allem auf eine Zunahme von Test zurückzuführen sein soll. Sie machen vorrangig die Lockerung von Corona-Beschränkungen verantwortlich. Die täglich neu registrierten Fälle in den USA liegen wieder bei rund 30.000 - das ist nur etwas weniger als zum Höhepunkt der Krise im April.

Donald Trump, Präsident der USA
Donald Trump, Präsident der USAFoto: Evan Vucci/AP/dpa

Fauci äußerte sich besorgt über deutlich zunehmende Fallzahlen von Coronavirus-Infektionen in mehreren US-Bundesstaaten. Er sprach am bei einer Anhörung im Repräsentantenhaus von einem „beunruhigenden Anstieg von Infektionen“ in Florida, Texas, Arizona und anderen Bundesstaaten. Die nächsten Wochen seien entscheidend dafür, diesem Anstieg entgegenzuwirken, sagte er. Es gebe aber auch Erfolge im Kampf gegen das Virus in den USA. So sei es etwa im Bundesstaat New York gelungen, die Fallzahlen zu senken.

New York war mit knapp 800 Toten und Zehntausenden Neuinfektionen pro Tag noch vor einigen Monaten weltweites Epizentrum der Pandemie. Damals erließen andere Bundesstaaten Quarantäne-Vorschriften für einreisende New Yorker. Dank umfassender Maßnahmen konnte die Verbreitung des Virus dort schließlich eingedämmt werden.

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Doch jetzt sagte New Yorks Gouverneur Andrew Cuomo dem Sender NBC: „Wir erwägen ernsthaft eine Quarantäne, nur um sicherzustellen, dass Menschen, die aus Staaten mit höheren Infektionenzahlen kommen, unsere Infektionsrate nicht versehentlich erhöhen.“ Damit meint der Gouverneur eine gewöhnlich zweiwöchige, verpflichtende Quarantäne, die Einreisenden aus entsprechenden Bundesstaaten auferlegt wird.

US-Präsident Donald Trump wirbt indes für eine rasche Wiedereröffnung der Wirtschaft und will - wohl auch mit Blick auf die Wahl im November - eine möglichst rasche Rückkehr zur Normalität. Seiner Darstellung zufolge ist das Coronavirus dabei, nach und nach aus den USA zu verschwinden. (dpa/Tsp)

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