Wirtschaftsminister in der Kritik : Folgt Friedrich Merz auf Peter Altmaier?

Friedrich Merz wäre gerne Minister. Doch die Union kann keine Kabinettsumbildung brauchen. In Zukunft führt aber wohl kein Weg um ihn herum. Ein Kommentar.

Friedrich Merz, der frühere CDU/CSU-Fraktionschef.
Friedrich Merz, der frühere CDU/CSU-Fraktionschef.Foto: Silas Stein/dpa

Peter Altmaier verprügeln, aber jemand anderen damit meinen – das ist eine Art Volkssport unter Konservativen in der CDU. Als Kanzleramtschef zur Zeit der Flüchtlingskrise bekam der Saarländer ab, was sich die Kritiker der Kanzlerin nicht zu sagen trauten. Die aktuelle Klagewelle konservativ geprägter Wirtschaftsverbände geht an die Adresse der mutmaßlich nächsten Kanzlerin. Im Klartext heißt sie: Sehr geehrte Annegret Kramp-Karrenbauer, kommen Sie bloß nicht auf die Idee, Ihren Landsmann als Wirtschaftsminister zu behalten. Wir wüssten da jemand anderen nach unserem Herzen!

Gemeint ist natürlich Friedrich Merz. Der Witz an der Sache ist, dass die Merz-Fans eine halb offene Tür einrennen; allerdings zu früh. Nicht zufällig haben sich Unionsfraktionschef Ralph Brinkhaus und sein CSU-Vize Alexander Dobrindt demonstrativ hinter Altmaier gestellt. Völlig unabhängig von der Person kann die Union derzeit keine Kabinettsumbildung brauchen – sofort kämen andere CDU/CSU-Personalien ins Spiel, vom Bildungs- bis zum Innenministerium.

Merz wäre gerne Minister

Dass Merz gerne Minister würde, hat er selbst gesagt. Dass er dabei nicht an das Kabinett Merkel denkt, auch. Das ist vernünftig; die Sorge vieler Christdemokraten vor einem Dauerkonflikt der alten Rivalen hat schließlich dazu beigetragen, dass er im Rennen um den CDU-Vorsitz unterlag.

Kramp-Karrenbauers Verhältnis zum einstigen Mitbewerber ist dagegen entspannt. Ihr kann es nur recht sein, wenn der Sauerländer jetzt doch in Wahlkämpfen auftritt, Ende der Woche sogar mit ihr zusammen. Merz zieht ein Publikum an, das die Parteichefin einbinden muss. Somit bleibt ihr selbst mehr Raum für ausgleichende Positionen.

Außerdem ist es immer klug, ehemalige Rivalen in Verantwortung zu holen. Sie geistern sonst nach Art der Untoten umher. Wenn nicht alle Anzeichen trügen, gibt es zwischen den beiden längst eine mindestens stillschweigende Absprache. Die geht übrigens nicht zwingend zulasten Altmaiers. Zumal der Zuschnitt einer nächsten Regierung völlig offen ist. Schon mancher Traum vom Wunschministerium ist in einer langen Koalitionsverhandlungsnacht geplatzt.

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