Wirtschaftsnobelpreise für Armutsforscher : Und wie ist's in der Schule?

Bildung hilft. Das haben die Wirtschaftsnobelpreisträger erkannt und dazu geforscht. Gefolgt wird ihren Erkenntnissen leider nicht. Ein Zwischenruf.

Je besser die Lehrer, je besser die Schülerinnen und Schüler - je möglicher eine gute Zukunft. Und das ist belegt.
Je besser die Lehrer, je besser die Schülerinnen und Schüler - je möglicher eine gute Zukunft. Und das ist belegt.Foto: imago/imagebroker

Die diesjährigen Nobel-Preisträger für Wirtschaft, Michael Kremer und das Ehepaar Banerjee und Esther Duflo, sind unter den bisher preisgekrönten Wirtschaftswissenschaftlern Outsider. Was ihre Forschungen in den Augen des Nobelkomitees dennoch auszeichnet, ist die Nähe zu konkreten Problemen in armen Ländern Afrikas und des indischen Subkontinents. Sie wollen herausfinden, wie sich die Gesundheitsversorgung verbessern und Armut dauerhaft und wirksam verringern lassen.

Auswanderung ist nicht alles

Wo andere Ökonomen als Lösung Auswanderung und Flucht vorschlagen, stellen sie einfache Fragen, damit in den betroffenen Ländern selbst ein Ausweg aus der Misere gefunden wird. Beispielsweise: Unter welchen Bedingungen gehen Kinder regelmäßig zur Schule und erreichen einen Abschluss?

Wohl wissend, dass die Gründe für Erfolg oder Misserfolg komplex sind, gehen sie die Sache praktisch, aber gründlich an. Wie in der Medizin bilden sie nach einem Zufallsprinzip ausgesuchte Gruppen und statten sie mit unterschiedlichen Hilfen aus, um kontrolliert herauszufinden, was genau Bildungserfolge wahrscheinlich macht: Sind es die kostenlosen Unterrichtsmaterialien und das Schulessen, oder ist es dauerhaft erteilter Förderunterricht für leistungsschwache Schüler? Das letztere war's.

Vertragslehrer waren die besten

Daraufhin profitieren nun Millionen Kinder in Afrika und Indien von solchen Programmen. In einem weiteren Feldexperiment - in unseren Breitengraden wäre es aus Arbeitsschutzgründen verboten - galt es herauszufinden, welcher Anstellungsstatus von Lehrern die Schulleistungen nachweislich verbessert. Der von beamteten Lehrern oder der von nicht beamteten Vertragslehrern. Ergebnis: Die Vertragslehrer führten die Schüler zu deutlich höheren Erfolgen, weil sie kaum fehlten im Gegensatz zu den Beamteten, die den Vorteil nutzten, ohne Nachteil zu fehlen.

Ausgerüstet mit solchen Erkenntnissen, fordern die Armutsforscher nun schon seit langem, dass für die milliardenschweren Entwicklungsprogramme die Erfolge ganz konkret nachzuweisen sind. Ein nach wie vor frommer Wunsch.

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