Wohnungspolitik in Berlin : Der Mietendeckel, der vor allem Reichen hilft

Der Mieterverein hat einen Vorschlag für die Ausgestaltung des Mietendeckels gemacht. Er ist aus drei Gründen ungerecht. Ein Kommentar.

Farbig gestaltete Plattenbauten stehen an der Frankfurter Allee im Bezirk Friedrichshain
Farbig gestaltete Plattenbauten stehen an der Frankfurter Allee im Bezirk FriedrichshainFoto: Wolfgang Kumm / dpa

Sicher, es ist nur ein Vorschlag für die Ausgestaltung des Mietendeckels. Und er kommt vom Berliner Mieterverein, also von Lobbyisten. Aber: Der Mietendeckel kommt, das hat der Senat beschlossen. Und: Der Senat begrüßt diesen Vorschlag. Denn der Verein liegt auf der Linie der rot-rot-grünen Mietenpolitik.

Und das ist geplant: Mieten von unter sechs Euro je Quadratmeter für alle Altbauten von Mitte über Prenzlauer Berg bis Spandau. Und für Luxuswohnungen, gebaut bis 2018, weniger als zehn Euro. Ist das nun gerecht? Nein!

Erstens: Von den billigen Mieten würden vor allem Reiche profitieren. Denn es droht ein Schwarzmarkt für Luxuswohnungen in Toplagen zum Dumpingpreis. Beziehen wird diese, wer mit Bargeldcouverts nachhilft.

Zweitens: Zigtausend private Käufer von Wohnungen würden ihre Investition bereuen, manchen sogar die Pleite drohen, denn mit Mieten von vor zehn Jahren lassen sich Kaufpreise der letzten drei Jahre nicht bezahlen.

Drittens: Bauen würde keiner mehr. Beim ersten Mieterwechsel wäre die Wohnung entwertet, denn schon dann drohen gedeckelte Mieten, was die Investition unrentabel macht.

Nein, der Wohnungsmarkt ist nicht fair. Aber dieser Vorschlag macht ihn nicht gerechter.

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