Zurück in der alten Heimat Sachsen : Eine Begegnung mit denen, die geblieben sind

Nach dem Abitur stand für unsere Autorin fest: raus aus Sachsen. Jetzt ist sie zurück gereist, hat Mitschüler von damals getroffen. Was bewegt sie vor der Wahl?

Blick auf die Heimat.
Blick auf die Heimat.Foto: Shutterstock / Animaflora PicsStock

Wir sitzen im Schatten der großen Bäume auf der Raucherinsel vor unserer alten Schule. Jeder mit einer Mini-Flasche Sekt in der Hand starren wir auf das Gründerzeitgebäude aus sandfarbenen Steinen. „Da kommen Erinnerungen hoch“, sagt Tobias, mein ehemaliger Klassenkamerad, mit dem ich hergekommen bin. Mehr als zehn Jahre haben wir uns nicht gesehen. Das letzte Mal hier war ich beim Abiball in der Turnhalle des Gymnasiums. Und ich wusste schon: Lange würde ich nicht mehr in Sachsen bleiben. Genauso wie die meisten meiner Freundinnen.

Dass ich jetzt zurück bin, hat auch mit einem Tweet zu tun, den Christian Bangel, ein Journalistenkollege, absetzte. Er stammt ebenfalls aus dem Osten. Nach den Ausschreitungen in Chemnitz vergangenes Jahr schrieb er, was dort fehle, seien nicht Polizei oder Kirche, sondern wir, die Millionen Fortgezogenen. „Jetzt prügeln wir uns in den großen Städten um Innenstadtwohnungen und fehlen an den Küchentischen der leeren Viertel unserer Eltern. In den Angelvereinen, bei den Gegendemos.“ Es war ein trauriger Satz.

Ich bin zehn Jahre jünger als Bangel. Aber trotzdem fühlte ich mich angesprochen. Ich bewarb mich nach dem Abi ausschließlich bei Unis im Westen und dachte nicht einmal groß darüber nach. Am Ende bekam ich meinen Wunschplatz in einer winzigen Universitätsstadt in Bayern, wo es einen guten Journalistik-Studiengang gibt. Die erste Moderation beim Uniradio bestritt ich noch auf Sächsisch, dann gewöhnte ich mir den Dialekt ab. Auch die anfänglichen Ostwitze der Kommilitonen hörten auf. Nach zwei Semestern fuhr ich kaum noch nach Hause. Und mittlerweile lebe ich seit sieben Jahren in Berlin.

Keine Umbrucherfahrung, nur Freiheit

Doch es gibt die, die geblieben sind. Meine Klassenkameraden, die in der Region studiert haben und jetzt dort arbeiten. Sie sind wie ich 1989 oder 90 geboren, kurz vor oder kurz nach der Wende, vor fast genau 30 Jahren. Die erste Generation, die die DDR und den Sozialismus nur noch aus Erzählungen der Eltern kennt. Und für die die gängigen Erklärungsmuster für den Osten nicht funktionieren. Keine Umbrucherfahrung, nur Freiheit.

Wie nehmen sie die Situation in Sachsen wahr, kurz vor dieser Landtagswahl? In den vergangenen Wochen reiste ich durch Sachsen. Trank Kaffee in der Gartenlaube eines Schulkameraden, saß auf dem Wohnzimmersofa einer Kindheitsfreundin. Fuhr nach Chemnitz, nach Dresden und nach Zwickau. Um zu erfahren, wie es ist, mit 30 Jahren im Osten zu leben, 30 Jahre nach der Wende. Und vielleicht Antwort zu finden auf die Frage: Fehlen wir, die gegangen sind, tatsächlich?

Die erste Erkenntnis kommt bei einem Telefonat mit einer alten Freundin. Sie ist erstaunt über meine Wahrnehmung, so viele aus unserem Jahrgang hätten das Bundesland verlassen. Sie geht die Namen in unserer Abizeitung durch. In Sachsen geblieben oder wieder zurückgekommen sind die meisten. Sie sind Ärztinnen geworden, Steuerberater, Pharmazeutinnen, BWLer. Aber sie haben fast alle ihre Dörfer verlassen.

13 Kilometer nach Hause

Wir sind in Stollberg in die Schule gegangen, einer 11 000-Einwohner-Stadt am Fuße des Erzgebirges. Unsere Heimatdörfer liegen verstreut darum herum. Mein Heimatort hat 2007 Einwohner. Es gibt dort ein Freibad, einen Supermarkt, eine Grundschule. In meiner Jugend hing ich mit meinen Freunden vor dem Supermarkt und an der Bushaltestelle rum. Als wir alt genug waren, um als 18 durchzugehen, fuhren wir ins „Starlight“, eine Disco in Chemnitz. Einmal lief ich nachts die 13 Kilometer von dort nach Hause, weil keine Bahn mehr fuhr.

Niemals wäre es mir in den Sinn gekommen, in meinem Heimatdorf zu bleiben. Genauso wie es meine Klassenkameraden es in ihren Dörfern nicht mehr aushielten. Nur dass sie im Gegensatz zu mir nicht gleich aus dem Osten weggingen.

Ich schicke Facebook-Nachrichten an einige von ihnen. Ich habe ein schlechtes Gewissen, dass ich mich jetzt nach so vielen Jahren Funkstille ausgerechnet mit einem Anliegen wieder melde. Manche Nachrichten bleiben unbeantwortet, Betty schreibt sofort zurück. Sie ist mir als einer der Klügsten im Jahrgang in Erinnerung geblieben – und im Gegensatz zu vielen anderen als politisch. Sie war schon damals links. Ihre Kumpels lasen Simone de Beauvoir, meine knatterten mit dem Simson-Roller durchs Dorf.

Betty und ich treffen uns in Dresden in einem Café in der Neustadt, sie steckt sich eine Zigarette an. Betty erzählt, sie hat Germanistik studiert, arbeitet mittlerweile im Marketing. Sie lebt gern in Dresden, morgens fährt sie mit dem Rad über die Elbe, kann schnell zum Wandern in die Sächsische Schweiz, hier wohnen ihre Freunde. Doch als ich sie nach der Stimmung vor der Landtagswahl frage, seufzt Betty. „Ganz furchtbar.“ Hier in Dresden laufe Pegida noch immer jeden Montag, und man wisse ja, wie viele Menschen in Sachsen politisch tickten. „Es kann eigentlich bei der Wahl nichts Gutes rumkommen.“

Klar, es gab Nazis

Mittlerweile geht sie kaum noch zu den Pegida-Gegendemos. „Da ist das Gefühl, dass das nichts bringt. Dass linker Gegenprotest in Sachsen nichts nützt. Es ist Resignation.“ Gefühlt gebe es keinen Rückhalt in der Bevölkerung. „Der durchschnittliche Bürger sagt ja nicht: Schön, dass es jemanden gibt, der sich den Rechten entgegenstellt. Der sagt: Das sind alles linke Chaoten.“

In meiner Erinnerung habe ich als Schülerin mein Umfeld in Sachsen nicht als sonderlich rechtsaußen wahrgenommen. Klar, es gab Nazis. „Faschos“ haben wir damals gesagt. Aber waren es viele? Betty kann sich in unserem Jahrgang nur an einen erinnern, einen „klassischen Mitläufernazi“. An der Mittelschule, die nicht weit von unserem Gymnasium entfernt lag, seien es aber wesentlich mehr gewesen. Und auch in dem Dorf, in dem sie aufwuchs, habe man gewusst, dass im Fußballverein oder in der Feuerwehr viele Rechte seien. Als sie noch sehr jung war, sei eine Freundin von ihr mit einem zusammen gewesen, „der immer gesagt hat, er küsst sie nicht, wenn sie vorher Döner gegessen hat. Weil das Ausländeressen ist.“

Ähnlich erzählt es später auch Martin. Er war wie Betty in meinem Leistungskurs Englisch, auch er ist vom Dorf nach Dresden gezogen, arbeitet jetzt als Grafikdesigner. Wir schlendern gemeinsam durch die Dresdner Neustadt, wo sich ein Lokal ans andere reiht. Martin sagt, er sei früher durchaus vor Nazis abgehauen. „Ich hatte bunte Haare, sah ein bisschen exotisch aus und hatte immer die große Klappe“, erzählt er. Aber sein eigener Bruder habe im Haus laut Rechtsrock von Landser gehört.

„Was ist denn da montags bei euch los?“

Martin sagt, er sei „absolut in Sorge“, was passiere, wenn die AfD an die Regierung komme. Er befürchtet, dass es Eingriffe geben wird, in die Kunstfreiheit am Theater zum Beispiel. Auch für den Wissenschaftsstandort sei es ein Problem. Er hat eine Zeit lang für die Uni gearbeitet. „Da waren Wissenschaftler aus aller Welt und es kam immer häufiger vor, dass die vor ihrer Anreise gefragt haben: Was ist denn da montags bei euch los?“ Mittlerweile hat er ein Unternehmen gegründet. Es werde vielleicht künftiger schwierig, junge Mitarbeiter finden. „Es gibt bei vielen diese Grundstimmung: Wenn die AfD stärkste Kraft wird, dann gehe ich.“

Ein paar Tage später sitze ich in der Bahn von Chemnitz nach Stollberg, sie schiebt sich durch die hochsommerlichen Felder. Kurz vor Stollberg steigt Tobias ein. Weißes T-Shirt mit V-Ausschnitt, Rapper-Cap. Auch von ihm weiß ich, dass er mit seiner politischen Meinung nicht hinterm Berg hält. Auf Facebook kommentiert er viel, es klingt oft nach AfD. Ich will wissen, warum. „Kannst du dich noch erinnern, dass ich in der 10. Klasse im Mittelgang hinter dir saß?“, fragt er. Ich schüttle den Kopf.

Verletztes Gerechtigkeitsempfinden

Wir wollen zu unserer Schule fahren, der alten Zeiten und der Erinnerung wegen. Die Raucherinsel vor dem Gebäude, früher ein Platz großer Coolness, liegt an diesem Sonntag verlassen da. Tobias reicht mir eine der Mini-Sektflaschen, die er mitgebracht hat. Er fängt von selbst an zu erzählen. „Das erste Ereignis, das mich extrem politisiert hat, war die ganze Geschichte um die Ukraine.“ Er habe es so wahrgenommen, als sei der Annexion der Krim eine westliche Intervention vorangegangen. „Und ich habe die ganze Zeit darauf gewartet, dass das mal in irgendeiner Zeitung kritisch hinterfragt wird.“ Er habe es als riesige Ungerechtigkeit empfunden, wie Russland dargestellt worden sei. „Und diese einseitige Berichterstattung ist mir dann bei immer mehr Sachen aufgefallen. “ Als 2015 die Flüchtlingskrise kam, habe er das Gefühl gehabt, gewalttätige Übergriffe durch Asylbewerber seien anfangs nicht ausreichend thematisiert worden. „Wenn man irgendwo zu Gast ist, sollte man sich ordentlich benehmen. Mein persönliches Gerechtigkeitsempfinden ist da verletzt worden.“

Tobias arbeitet im Dresdner Umland als Controller bei einem Automobilzulieferer, ist oft in Chemnitz und bei seinen Eltern im Heimatdorf. Ich frage ihn, ob er im Alltag Flüchtlingen begegnet. In Chemnitz habe sich das Stadtbild enorm verändert, sagt er. „Ich frage mich, warum man sowas akzeptieren muss. Warum diese Leute nicht zumindest irgendwann wieder gehen.“

Zwickmühle in der Wahlkabine?

Tobias glaubt, dass viele seiner Bekannten die Sache ähnlich sehen, die AfD aber nicht wählen, „weil sie sagen: Das ist eine Nazi-Partei.“ Er selbst ärgere sich zwar darüber, dass Björn Höckes „Flügel“ die Partei immer mehr unterwandere. Er könne mit dieser „Deutschland zuerst“-Stimmung nichts anfangen. Ihn störe es auch, wenn zum Beispiel ein AfD-Politiker bei der Schweigeminute für den ermordeten Walter Lübcke sitzen bleibe. „Aber auf der anderen Seite gibt es Themen, wo ich mich durch die AfD voll bestätigt fühle. Bei Kriminalität und Zuwanderung zum Beispiel. Oder bei der Kritik an der EU.“

Ich will von Tobias wissen, ob ihn das nicht in der Wahlkabine in eine Zwickmühle bringt. Man müsse abwägen, was einem wichtiger sei, sagt er. „Ich sehe diese Nazi-Strömungen in der AfD nicht als Gefahr für die Demokratie, weil sie ja nie und nimmer in Regierungsverantwortung kommt, solange da ,Flügel’-Akteure vorne dran sind.“ Er sei sich auch nicht sicher, ob die AfD in der Lage sei zu regieren. „Aber ich fände es gut, wenn sie stärkste Kraft wird, weil das ein Signal sendet.“

Ich denke auf dem Heimweg darüber nach. Den Glauben daran, dass die AfD schon nicht in Regierungsverantwortung kommen wird, halte ich für naiv. Schon bei einer Neuwahl kann es anders aussehen. Aber wenn viele Menschen wie Tobias denken, erklärt das auch, warum die rechtsextremen Entgleisungen von AfD-Funktionären die Anhänger nicht davon abhalten, die Partei zu wählen.

Kein syrischer Kollege

Gut eine Woche darauf bin ich in Zwickau mit Sarah verabredet. In unserer Kindheit waren wir wie Schwestern. Wir sahen uns so ähnlich, dass die Lehrer manchmal unsere Namen verwechselten. Wir zogen Kaulquappen zu Fröschen auf, kletterten über Gartenzäune und spielten stundenlang mit unseren Barbie-Puppen. Sarah holt mich am Bahnhof mit dem Auto ab. Auf dem Weg zu ihrer Wohnung erzählt sie, dass sie gerade mit ihrem Mann auf dem Land ein Haus baut.

Sarah wohnt in einer Maisonettewohnung mit Blick auf die Innenstadt. Durchs Wohnzimmer schleicht ein Kater, am Kühlschrank hängen Bilder ihres Sohnes. Sie ist Hausärztin, arbeitet gemeinsam mit einem anderen Arzt in einer Praxis. Als ich sie frage, wie sie derzeit die Stimmung im Land wahrnimmt, antwortet sie mit einer Anekdote. „Wir sind in der Region mit Hausärzten unterbesetzt, jetzt haben wieder zwei dicht gemacht. Wir können die ganzen Patienten gar nicht aufnehmen.“ Da habe ihr Chef einen jungen syrischen Kollegen aufgetan. Doch die Schwestern in der Praxis hätten gesagt: Das kannst du nicht machen, zu dem geht dann keiner. „Und die sind einfach realistisch“, meint Sarah.

„Viele im Osten fühlen immer noch als der Depp“

Ich frage, warum sie nach dem Abi nicht weg wollte. „Ich identifiziere mich tatsächlich mit unserer Herkunftsregion. Du bist ja nach Berlin gegangen, du hast das eher abgelegt“, sagt sie. Es ist kein Vorwurf, mehr eine Feststellung. Aber sie komme gerne aus dem Erzgebirge. „Es gibt nichts, was einen davon abhält hierzubleiben. Außer die Stimmung vielleicht.“

Dass die AfD in Sachsen so gut abschneide, so glaubt sie, hänge auch damit zusammen, dass hier ihre Opferstrategie besonders gut verfange. „Viele im Osten fühlen sich hier nach all der Zeit immer noch als der Depp.“ Vor fünf Jahren sei sie auf einem Ärztekongress gewesen. Da habe sich einer vorgedrängelt, vor sie und ihre Kollegin. „Der hat sich umgedreht und gesagt: Ich darf doch mal, ich bezahl ja auch für euch Soli.“

Eigentlich, meint Sarah, sollte zumindest für unsere Generation die Frage nach Osten oder Westen keine Bedeutung mehr haben. Aber beim Gehaltsgefälle, da sehe auch sie es noch. „In meiner Berufsgruppe sind das im Schnitt 1000 Euro netto Unterschied.“ Und die Tochter eines ehemaligen Arbeitskollegen ihres Vaters verdiene als Berufseinsteigerin am Gymnasium in Niedersachsen genauso viel wie ihr Vater als Schulleiter an einer Oberschule in Sachsen. „Da fragt man sich schon, warum das so sein muss.“

Schwarz-Weiß-Denken

Später am Tag klingle ich an einem Gartentor im Speckgürtel von Chemnitz. Ein kleines Einfamilienhaus, hier wohnt Kevin, er ist Polizist geworden ist. Kevin öffnet und führt in den Garten hinterm Haus. Dort steht unter einer Weide eine efeubewachsene Laube. Er und seine Frau haben das Haus vergangenes Jahr gekauft, sie haben ein Kind.

Kevin macht einen entspannten und zufriedenen Eindruck, doch als es um Chemnitz und die Ereignisse im letzten Jahr geht, verschränkt er die Arme. „Die Stadt war danach quasi durchgehend in den Schlagzeilen. Das hat hier in der Region so eine Art Trotzreaktion ausgelöst und der AfD noch mehr Leute in die Hände gespielt.“ Dass jetzt zum Jahrestag die Stadt schon wieder Thema ist, nervt ihn. „Das Vertrauen in die klassischen Medien hat abgenommen durch die einseitige Berichterstattung über die Stadt und das Bundesland.“

Aus seiner Sicht stimmt auch etwas mit der Debattenkultur nicht. „Es ist ein klassisches Schwarz-Weiß-Denken eingekehrt. Es gibt gefühlt nur links oder rechts, die klassische bürgerliche Mitte ist entweder weggebrochen oder nicht wahrnehmbar“, sagt Kevin. Er rechnet sich selbst zu dieser Mitte. Und er glaubt, dass viele ihre politische Meinung für sich behalten, weil sie Angst haben, irgendeinem Lager zugeordnet zu werden, in dem sie sich selbst nicht sehen.

Als Polizist hat Kevin mit ausländischen Intensivtätern zu tun. Er sagt: „Die Integration ist eines der größten Versäumnisse der deutschen Politik.“ Er sehe die Entscheidung von Angela Merkel 2015 positiv, aber die Umsetzung sei grundlegend falsch gewesen. Auch Kevin sagt: „Ich lebe gerne hier in der Region, wo wir aufgewachsen sind. Ich bin hier verwachsen. Und ich schäme mich auch nicht dafür, dass ich von hier komme.“ Sicher, es gebe Probleme, aber das sei kein Grund wegzuziehen. Kurz darauf geht die Tür zum Garten auf, seine Frau und seine Tochter kommen heraus. Das Mädchen läuft über den Rasen. Kevin lächelt.

Ihre Zukunft ist hier

Als ich an diesem Abend, nach mehreren Besuchen in der Heimat, wieder in den Zug steige, denke ich darüber nach, was es für mich heißt, aus Sachsen zu kommen. In manchen Gesprächen mit meinen Klassenkameraden klang es so, als ob sie glaubten, ich habe meine Wurzeln gekappt. Doch auch wenn ich den Dialekt nicht mehr spreche, habe ich trotzdem ein gemütliches Gefühl, wenn ich ihn höre. Und für mich gehört es zu meiner Identität, kurz vor der Wende im Osten geboren zu sein. Eltern zu haben, die von der DDR erzählen. Und Gänsehaut zu bekommen, wenn ich Videoaufnahmen sehe von den Zügen, die ’89 aus Prag in die Bundesrepublik fuhren. Dazu muss ich nicht in Sachsen wohnen.

Aber auch um meine Klassenkameraden muss man sich keine Sorgen machen. Sie scheinen zufrieden mit ihrem Leben. Ihre Zukunft ist hier. Wir Weggezogenen fehlen ihnen nicht.

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