Zwei Jahre US-Präsident Donald Trump : Die deutschen Schwierigkeiten mit Nummer 45

Warum die Deutschen anhaltend Schwierigkeiten mit dem US-Präsidenten haben, der so gar nicht ihr Freund sein will. Eine Analyse.

Foto: AFP

Noch nie war es so einfach, antiamerikanisch zu sein – und zwar, weil es Donald Trump gibt. Alle die, die sowieso immer schon argwöhnisch auf die Vereinigten Staaten geblickt haben, sagen es jetzt auch. Gut 68 Prozent der Befragten in Deutschland waren schon nach der Inauguration, also der Amtseinführung, des 45. Präsidenten nicht gerade glücklich mit seiner Wahl; nach zwei Jahren ist es nicht besser geworden. Und fast so viele halten ihn für gefährlicher als Wladimir Putin, den kaltschnäuzigen Kremlherrn, oder Kim Jong Un, Nordkoreas Diktator, der missliebige Verwandte schon mal mit der Artillerie ins Jenseits befördert. Unvergessen auch der damalige Außenminister, heute Bundespräsident, Frank-Walter Steinmeier, der bei Trump die diplomatische Zurückhaltung fahren ließ und vor der Wahl des „Hasspredigers“ warnte.

Allein, es interessierte die Amerikaner nicht. Das Wahlsystem ist kompliziert, aber immerhin scheinen es der Kandidat oder sein Team besser als seine demokratische Gegenkandidatin Hillary Clinton verstanden zu haben.

Eigentlich bis heute beklagen ihre Anhänger auch hier in Deutschland, unter Deutschen, dass sie doch so viel mehr Stimmen als Trump erhalten habe, Millionen mehr, und trotzdem nicht gewählt sei. Richtig, denn der siegte in den Staaten, die ihm die Mehrheit der Wahlmänner und -frauen sicherten. Und es ist, als verzeihe ihm das die politische Klasse in Deutschland einfach nicht: nicht den Sieg, und nicht ihren Irrtum.

Nun legt es der Nachfahre eines Auswanderers aus Deutschland, genauer aus Rheinland-Pfalz, auch nicht gerade darauf an, in der Heimat seiner Vorfahren gemocht zu werden. Nicht einmal in Rheinland-Pfalz. Denn seine Art, Politik zu machen, ist hierzulande so gar nicht geläufig. Das ist doch keine Art – diesen entsetzten Spruch kann man zuweilen wirklich hören; denn zutreffend ist ja, dass Trump keine klassische Politik macht, mehr noch, dass er sich augenscheinlich auch schlicht weigert, Politiker zu werden.

Wie soll man mit dem umgehen? Diese Frage ist, was das politische Berlin angeht, immer noch nicht klar beantwortest. Mit der richtigen Haltung? Mit hartem Streik? Oder ist Verständnis besser, das man einem entgegenbringt, an dessen geistiger Kapazität zwischendurch auch seine republikanischen Parteifreunde zweifeln? Nach dem Motto: ihn gewinnen, nicht reizen?

Donald Trump ist nicht einfach zu bändigen

Von alledem ein bisschen, scheint die Strategie zu sein. Die doch nicht aufgeht. Denn er ist einfach nicht zu bändigen, dieser Donald Trump. Nichts davon kennt man so in Deutschland: Er hat vor nichts und niemandem Respekt, hält sich an keine Regeln, auch nicht im Umgang miteinander, kommuniziert wild und nie im Kommuniqué-Stil, will immer gewinnen. Der Dealmaker macht einfach weiter. Weil er meint, sich so am besten zu verkaufen.

Und die Deutschen stehen staunend davor. Aber die Eliten, die es hier genauso gibt, auch ängstlich. Denn Trump ist ein Phänomen, das zum Synonym werden könnte. Das Phänomen ist der Aufstand der breiten Masse gegen die, die (vermeintlich) das Sagen haben. Derer, die sich bevormundet fühlen, nicht ernst genommen. Die finden, dass ihre Stimme nicht gehört wird, und die sie deshalb bei Wahlen nicht vergeuden wollen.

Das sind die Kräfte der Disruption, die Trump rief. Und deshalb hat er seinen Richard Grenell zum Botschafter gemacht: Weil auch Deutschland da anfällig ist. Populisten auf der Rechten gibt es auch hier, und sie erstarken. Die AfD hat von Anfang an über diesen Präsidenten frohlockt. Populisten aller (europäischen) Länder, vereinigt euch – diese Idee kann von Deutschland aus, der Nummer eins in Europa, am besten betrieben werden. Und sie wird es. Da wirkt Steve Bannon nach, Trumps düsterer Geist. Den Staat, wie wir ihn kennen, erschüttern, ist die Maxime. Sie kommt mit Trump.

Und dann sind da ja auch diese erratischen Handlungen, nicht nur Tweets. Sie verunsichern, trotz allmählicher Gewöhnung, wie man denken sollte, immer wieder neu. „Fake News“, „Alternative Facts“, die Sache mit der Mauer zu Mexiko – das setzt natürlich gerade uns Deutschen zu. Das eine hat man in Westdeutschland so noch nicht erlebt, dafür in Ostdeutschland zur Genüge, also „alternative Fakten“. Das andere, die Mauer, rührt im Jahr 30 ihres Falls ans deutsche Gemüt.

Dazu kommt Trumps Hin und Her bei Kim Jong Un, bei Wladimir Putin, bei Xi Jinping, bei Recep Tayyip Erdogan, sogar bei Angela Merkel, eigentlich bei allen und allem, was wichtig ist. Wer soll das verstehen? So erklärt sich, dass über die Betrachtung der Person in den Hintergrund gerät, was im Grundsatz im deutschen Interesse liegt, besser: liegen könnte. Etwa ein besseres Verhältnis zu Russland – nur halt nicht so. Oder der Wunsch, Migration zu steuern – nur halt nicht so.

Trump ist kein Alleinherrscher, er tut nur so

In der Ablehnung von Trump ist sich die Mehrheit der Deutschen einig. Und richtet sich darin ein. Aber wie der Mensch so ist, das Böse übt doch Faszination aus. Immerhin, seine Republikaner stehen trotz allem, trotz des Trommelfeuers an Kritik und der Untersuchungen durchs FBI, zu 87 Prozent hinter ihm. Das sind Werte, von denen seine Vorgänger bei ihren Leuten nur träumen konnten. Und diese Tatsache kommt allmählich auch hier in Deutschland an.

Nun, in der Serie „Dallas“ war es auch immer J.R. Ewing, den die meisten Zuschauer sehen wollten. Der Vergleich ist deshalb nicht zu weit hergeholt, weil Trump eben unverändert der gerissene, skrupellose Geschäftsmann ist und sein will. Und weil er Punch hat.

Bisher. Jetzt allerdings erwachsen ihm im Kongress doch Gegner, die ihn über die Mühen der Ebene ermüden wollen. Der „Shutdown“ ist ein Wort, das sich inzwischen wie von selbst mit diesem Präsidenten verbindet; das hat es so auch noch nicht gegeben. Was zeigt: Das System der „Checks and Balances“ funktioniert, Trump ist kein Alleinherrscher, er tut nur so. Die Demokratie in den USA ist nicht außer Kraft. Selbst wenn der Präsident „Madame Speaker“ Nancy Pelosi, seine Gegenspielerin von den Demokraten, eine Reise zum Weltwirtschaftsgipfel nach Davos, nach Afghanistan und in den Irak streicht. In Deutschland wird das allerdings nur leidlich verstanden.

Ja, das beschwert uns: dieses „America First“. Trumps Wirtschafts- und Energiepolitik ist nicht unsere, ist nicht freundlich. Seine Politik mit Zöllen gefällt nur dann, wenn sie sich nicht gegen Deutschland richtet. Seine selbstbezogene Verteidigungspolitik empfinden wir als Angriff, seine Haltung zur Nato als Affront. Und dennoch erhöht die Bundesregierung folgsam ihren Wehretat.

Denn dass er im Amt ist, ist nicht anti-demokratisch, sondern anti-liberal. Es ist kein Unfall – aber auch nicht das Ende der amerikanischen Geschichte. Wenn Donald Trump nicht mit uns befreundet sein will – so what. Der 45. Präsident der USA ist Chef eines befreundeten Landes. Und nach ihm kommt Nummer 46. Irgendwann.

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