Brandenburg: Mord am Alex: Kripo verhört 19-Jährigen
Verdächtiger soll zur Gruppe von Schlägern gehören, die Jonny K. töteten. Ermittler hoffen, dass er seine Komplizen benennt
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Berlin - Im Mordfall Jonny K. hat die Polizei offenbar einen Durchbruch erzielt. Dienstagnachmittag gegen 15.30 Uhr wurde ein 19-Jähriger in der Osloer Straße festgenommen. Er wurde zur Vernehmung durch die Mordkommission in die Keithstraße gebracht. Der 19-jährige Osman A. soll zu der Gruppe junger Leute gehören, die am Sonntag vor zehn Tagen auf dem Alexanderplatz einen 20-Jährigen durch Schläge und Tritte getötet haben. Der Fall hatte wegen der beispiellosen Brutalität bundesweit Aufsehen erregt. Sogar Bundespräsident Joachim Gauck hatte am Montag den Fall zum Anlass genommen, einen Appell an alle Menschen zu richten, solchen Gewaltexzessen entschiedener entgegenzutreten.
Mindestens fünf Männer hatten am 14. Oktober gegen vier Uhr früh zwischen Rotem Rathaus und Fernsehturm den Schüler und seine Freunde angegriffen. K. war tags darauf in einem Krankenhaus seinen schweren Kopfverletzungen erlegen. Polizei und Staatsanwaltschaft ermitteln wegen Mordes. Einer von Jonny K.s Freunden war schwer verletzt worden. Das Motiv ist weiter unklar, vermutlich ist es nichtig. Der aus Thailand stammende Jonny K. hatte mit Freunden in einem Klub im Fernsehturm gefeiert, die Täter sollen aus dem Lokal „Cancún“ in den Rathauspassagen gekommen sein. Dort fand in dieser Nacht eine Party mit einem türkischen Sänger statt. Die Freunde von Jonny K. hatten die Täter als „Südländer“ beschrieben.
Die erste heiße Spur hatte sich am Freitag ergeben, nachdem sich ein Zeuge bei der Polizei gemeldet und den Namen eines der mutmaßlichen Täter genannt hatte. Von einem zweiten soll er immerhin den Spitznamen gekannt haben. Doch zur Festnahme kam es nicht, da der Tatverdächtige nicht angetroffen wurde, dem Vernehmen nach soll er sich abgesetzt haben. Der Tatverdacht gegen diese Person reichte aber nicht für einen Haftbefehl aus, hieß es am Montag im Präsidium, so „heiß“ sei die Spur doch nicht. Die Ermittler setzten aber Hoffnung in die zahlreichen beschlagnahmten Videobilder und Handyfotos von diesem Abend. Nicht nur aus dem Lokal „Cancún“ selbst waren die Aufzeichnungen sichergestellt worden, auch bei vielen Gästen, die mit Mobiltelefonen gefilmt und fotografiert hatten. Der am Dienstag festgenommene A. soll aus der Türkei stammen. Sollte sich der Tatverdacht gegen den 19-Jährigen bestätigen, rechnen Ermittler schnell mit weiteren Festnahmen – oft plaudert ein Festgenommener die Namen der Komplizen aus.
Unklar ist weiterhin, ob die Tätergruppe schon im Vorfeld auf Jonny K. und seine Freunde getroffen ist. Die vier Männer im Alter zwischen 20 und 29 Jahren aus Vietnam und Thailand hatten, wie berichtet, so viel getrunken, dass sie aus dem „Mio“ im Fernsehturm geflogen waren. Nach wenigen Metern Weg gerieten sie dann an die andere Gruppe, die ohne vorherigen Wortwechsel zuschlug und -trat. Die Polizei geht Hinweisen nach, dass die Täter zuvor erfolglos versucht haben sollen, ebenfalls in das „Mio“ zu gelangen, aber am Eingang abgewiesen worden seien.
Die Trauerfeier für Jonny K. soll an diesem Sonntag stattfinden, zunächst im engsten Familienkreis und ab 15 Uhr öffentlich, wie die Schwester des Opfers am Montag gesagt hatte. Innensenator Frank Henkel hatte in der vergangenen Woche die Familie K. besucht und angekündigt, für mehr Sicherheit am Alexanderplatz sorgen zu wollen. Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) hatte mehr Videoüberwachung gefordert. Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) hatte am Tatort Blumen abgelegt.
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