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Brandenburg: Notlandung nach Mordversuch in der Luft?

Nach einem Unfall mit einer Cessna in Brandenburg wird gegen einen Berliner Flugschüler ermittelt

Stand:

Potsdam - War es für den Fluglehrer eine Notlandung im wahrsten Sinne des Wortes? Die Staatsanwaltschaft Frankfurt (Oder) ermittelt gegen einen Flugschüler, der am Freitagabend die Notlandung eines Kleinflugzeuges verursacht haben soll. Der Vorwurf: versuchter Mord. Zudem werde dem 51-Jährigen ein „Angriff auf den Luftverkehr“ vorgeworfen – allein darauf stehen mindestens fünf Jahre Haft. Stimmt der Verdacht der Ermittler, dann hat der Flugschüler versucht, die von seinem Lehrer gesteuerte Maschine vom Typ Cessna 172 zum Absturz zu bringen.

Der Lehrer habe eine Notlandung in den Oderauen auf einem Acker zwischen zwischen Bienenwerder und Neurüdnitz nahe Wriezen (Märkisch-Oderland) versucht. Diese sei – auch wegen des Eingreifens des Flugschülers – misslungen: Die einmotorige Cessna hatte sich bei der Notlandung überschlagen. Der 73-jährige Pilot war verletzt worden.

Der 51-jährige Flugschüler – ein in Berlin lebender gebürtiger Grieche – rannte danach davon und wurde erst gegen 21.10 Uhr, vier Stunden nach dem Unglück, von einem Fährtenhund der Polizei gefunden. Er schlief 800 Meter vom Unglücksort entfernt in einem Gebüsch. Zunächst war angenommen worden, der Mann sei unter Schock davongelaufen. An der Suche nach ihm war auch ein Hubschrauber der Polizei beteiligt. Doch die Wärmebildkamera versagte an dem Tag wegen der großen Hitze.

Die Frau des Piloten hatte bereits am Sonnabend gegenüber dem Berliner „Tagesspiegel“ von einem „hinterhältigen Angriff“ auf ihren Mann gesprochen. Einen Streit zwischen ihrem Mann und dem Flugschüler habe es nach Angaben ihres Mannes zuvor nicht gegeben. Gestartet war Gebhardt am Freitag etwa 30 bis 45 Minuten vor dem Unfall.

Ein Polizeisprecher hatte den Angriff am Sonnabend nicht bestätigen wollen – weil es innerhalb der brandenburgischen Polizei Kommunikationsprobleme gab. So wusste die zunächst zuständige Polizeidirektion am Sonnabend nichts davon, dass das Präsidium in Frankfurt (Oder) und die Staatsanwaltschaft bereits gegen den Flugschüler ermittelten. Denn Pilot und Fluglehrer Winfried Gebhardt hatte bei der Polizei ausgesagt, angegriffen worden zu sein. Der Schüler habe mehrfach versucht, ihm ins Steuer zu greifen. Deshalb sei die Maschine vor der Notlandung nach Angaben von Augenzeugen einige Zeit „auf und ab“ geflogen.

Die Straftat, die die Ermittler dem Flugschüler vorwerfen, wird im Strafgesetzbuch (§316c) so definiert, dass Gewalt angewendet wird, um „die Herrschaft über ein Luftfahrzeug zu erlangen“. Das Motiv für die Tat war am Sonntag noch unklar. Die Sprecherin der Staatsanwaltschaft Frankfurt (Oder) wollte dazu nichts sagen.

Die Ehefrau des Opfers sagte am Sonntag, dass es nicht die erste Flugstunde des Flugschülers in der Schule ihres Mannes gewesen sei. Gestartet war die Cessna in Strausberg. Fluglehrer Gebhardt ist nach Angaben seiner Frau noch in Berlin im Krankenhaus. Gebhardt ist am Kopf verletzt.

Die genauen Unglücksumstände werden nun untersucht, dazu auch der Funkverkehr ausgewertet. Die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung in Braunschweig leitet die Ermittlungen.

Gebhardt hat nach den Angaben auf seiner Internetseite etwa 10 000 Flugstunden auf ein- und zweimotorigen Flugzeugen als Pilot, Geschäftsflieger und Fluglehrer hinter sich, davon 6000 im Doppeldecker AN-2 – dem DDR-Landwirtschaftsflieger. Auf dem kleinen Strausberger Flugplatz arbeitet er seit 1963. 1996 gründete er zunächst einen Flugzeugverleih, dann auch eine Flugschule.

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