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Jubel um den Kandidaten. Als Barack Obama im Juli 2008 am Großen Stern eine Rede hielt, kamen 200 000 Menschen und feierten ihn begeistert als Hoffnungsträger. Schon damals waren die Sicherheitsvorkehrungen gewaltig.

©  Mike Wolff

Brandenburg: Obama lässt die Stadt stillstehen

Der US-Präsident kommt zum Arbeitsbesuch. Da gibt es zwar weniger Zeremoniell als beim Staatsbesuch, aber die Sicherheitsvorkehrungen werden gigantisch und überall spürbar sein

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Berlin - Wenn Barack Obama am 18. Juni auf dem militärischen Teil des Flughafens Tegel landet, erwartet ihn ein völlig neues Berlin-Gefühl. Erstmals kommt er als Präsident der Vereinigten Staaten in die deutsche Hauptstadt. Zwar handelt es sich nur um einen Arbeitsbesuch, der normalerweise mit weniger Zeremoniell, kürzeren Essen und geringeren Kosten verbunden ist als ein großer Staatsbesuch. Aber die Sicherheitsvorkehrungen werden wohl alles in den Schatten stellen.

Als Obama im Jahr 2008 in Berlin war, während in den USA der Wahlkampf schon auf vollen Touren lief, hatte er offiziell nur die Gefährdungsstufe 2 – damals war er ja erst Kandidat, der Besuch war „privat“. Dennoch waren auch da schon Tausende Polizisten im Einsatz.

Eigentlich gibt es nur drei Gefährdungsstufen. Doch beim amerikanischen Präsidenten sprechen Polizisten gerne von „1 mit Stern“ oder „1 Plus“ gesprochen. Mehrere Tausend Polizisten werden im Einsatz sein, mit der Planung ist die Berliner Polizei in den kommenden Wochen beschäftigt. In die höchste Gefährdungsstufe 1 fallen nur sehr wenige Politiker, zum Beispiel der israelische und der russische Präsident, der Papst und die Queen. Der amerikanische Präsident toppt diese Sicherheitsmaßnahmen noch einmal beträchtlich. Relevant zur Einstufung ist vor allem, ob der gefährdete Gast in Berlin übernachtet, wie viele Termine er wahrnimmt und ob er in der Öffentlichkeit auftritt oder nur im gut zu sichernden Kanzleramt. Wie 2008 dürfte Obama vermutlich im Hotel Adlon übernachten. Das Hotel lehnte jede Stellungnahme ab, laut Reservierungssystem ist es jedoch in dieser Nacht komplett ausgebucht – ein deutliches Indiz. Als Bill Clinton 1994 nach Berlin kam, um als erster US-Präsident durchs Brandenburger Tor zu gehen, übernachtete er im Hotel Interconti, das sich damals für eine Nacht in eine Außenstelle des Weißen Hauses verwandelte. George Bush entschied sich im Mai 2002 für das Hotel Adlon. Er blieb 19 Stunden und speiste unter anderem mit dem damaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder und dem Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit im Restaurant Tucher am Brandenburger Tor. Ein Besuchsprogramm für Obama steht noch nicht fest, das wird wohl erst zeitnah bekannt gegeben, Details kann die Polizei deshalb nicht planen. Als nächstes muss sich Berlin in anderen Bundesländern um Hundertschaften bemühen. Eine große Zahl Polizisten wird vor allem benötigt, um die Straßen abzusperren. Die Kolonne bei Fahrten unter höchster Sicherheit umfasst mittlerweile 80 bis 100 Fahrzeuge. In der Mitte zahlreiche gepanzerte Limousinen – wobei manchmal nicht zu erkennen ist, in welcher der Staatsgast tatsächlich sitzt. Amerikaner und Russen fliegen teilweise die Fahrzeuge zuvor aus der Heimat ein. Vor den Wagen des Staatsgastes fährt die Ehreneskorte aus bis zu 15 Motorrädern der Polizei, davor und dahinter Dutzende Mannschaftswagen. Mit im Konvoi sind Wagen des Spezialeinsatzkommandos – auf dem Dach ein Maschinengewehr auf einem Sandsack, in der Dachluke steht ein vermummter Elitepolizist. Zum Standard gehören unter anderem ein Notarztwagen des Bundeswehrkrankenhauses und Spezialfahrzeuge der Sprengstoffentschärfer. Die Route wird zuvor aus der Luft aufgeklärt, und erst kurzfristig festgelegt. Bei Gefährdungsstufe 1 werden alle – wirklich alle – Kreuzungen und Einfahrten abgeriegelt. Nicht einmal Fußgänger dürfen die Fahrbahnen queren. Wer sich zu sehr für Kennzeichen oder Fahrzeuge interessiert, muss damit rechnen, von Zivilpolizisten kontrolliert zu werden. Als der israelische Präsident das Holocaustdenkmal besuchte, war es den Mietern der angrenzenden Blöcke verboten worden, die Fenster aufzumachen. Auf den Dächern der Häuser und des Adlon standen Präzisionsschützen des LKA.

Jeder Aufenthalt im Freien ist eine potenzielle Gefahr, ebenso die Fahrt mit dem Auto. Eine Jubeltour im offenen Wagen, wie sie Kennedy bei seinem Besuch vor fünfzig Jahren absolvierte, ist heute leider ganz und gar undenkbar.

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