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Die Landtagswahl aus Potsdamer Sicht: Wahlsieger mit Schrammen

SPD gewinnt Landtagswahl, muss aber deutliche Stimmenverluste hinnehmen. Einbußen auch bei den Linken. AfD in Potsdam unter dem Landesergebnis. Gewinne für CDU und Grüne. Direktmandate für Ludwig, Geywitz und Scharfenberg

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Drei verschiedene Wahlen, drei verschiedene Sieger: Nachdem die CDU bei der Bundestagswahl 2013 in Potsdam stärkste Kraft wurde und die Linke die Kommunalwahl im Mai gewann, heißt der Sieger bei der Landtagswahl nun SPD – allerdings mit deutlichen Verlusten gegenüber der letzten Landtagswahl 2009.

Auf den Plätzen folgen wie schon vor fünf Jahren Linke und CDU, erstere büßte ebenfalls Stimmen ein, die Union hingegen konnte in Potsdam zulegen. Und das, obwohl die rechtspopulistische AfD auch in Potsdam überraschend deutlich abschnitt. Ihr landesweites zweistelliges Ergebnis erreichte die AfD in der Landeshauptstadt allerdings nicht. Die Grünen gewannen gegenüber 2009 hinzu, herbe Verluste musste die FDP einstecken. Die drei Direktmandate für Potsdam errangen wie schon vor fünf Jahren Saskia Ludwig (CDU), Klara Geywitz (SPD) und Hans-Jürgen Scharfenberg (Linke).

Nach dem vorläufigen amtlichen Endergebnis holten die Sozialdemokraten in der Landeshauptstadt 28,6 Prozent, die gegenüber 2009 deutliche Einbußen hinnehmen mussten. Damals waren die Sozialdemokraten noch auf 34,8 Prozent gekommen. Zweitstärkste Kraft wurde abermals die Linke mit 23,7 Prozent – auch sie verlor gegenüber 2009 (28,7 Prozent). Die CDU zählt in Potsdam zu den Wahlgewinnern. Als Drittplatzierter kam die Union auf 17,7 Prozent – fast vier Prozentpunkte mehr als vor fünf Jahren (13,9 Prozent). Überraschend stark ist auch in Potsdam die rechtspopulistische AfD, die 9,4 Prozent erreichte und damit ihr Ergebnis von der Kommunalwahl im Mai mehr als verdoppelte. Leichte Gewinne gab es für die Grünen, die in Potsdam weit besser dastehen als sonst in Brandenburg. Die 13,6 Prozent bedeuten gegenüber 2009 erneut eine Verbesserung. Damals hatte die Partei 11,2 Prozent der Stimmen geholt. Einen Absturz erlebte die FDP. Hatten die Liberalen vor fünf Jahren noch 6,9 Prozent geholt, waren es jetzt nur noch 1,6 Prozent. Die Piraten, die 2009 noch nicht angetreten waren, gewannen 2,8 Prozent, die Freien Wähler landeten bei 1,3 Prozent und damit nur unwesentlich besser als bei der letzten Landtagswahl.

Im Kampf um die drei Potsdamer Direktmandate war es nur im Wahlkreis 19 spannend, zu dem neben dem Norden Potsdams auch Werder und Schwielowsee gehören. Hier hatten sich der Potsdamer SPD-Chef Mike Schubert und die ehemalige CDU-Landes- und -Fraktionschefin Saskia Ludwig bis zuletzt ein Kopf-an-Kopf-Rennen geliefert, das schließlich Ludwig mit 31,7 zu 29,4 Prozent für sich entschied. Ähnlich knapp war es auch 2009 ausgegangen. Damals hatte Ludwig mit 29,7 Prozent vor der heutigen EU-Parlamentarierin Susanne Melior (SPD) gelegen, die 28,4 Prozent der Stimmen erreicht hatte. Im Gegensatz zu 2009 hatte der Wahlkreis diesmal allerdings einen anderen Zuschnitt, sodass sich die Wahlberechtigten aus Potsdam und dem Umland dort die Waage hielten. Schubert konnte von diesem Umstand allerdings ebenso wenig profitieren wie Linke-Kreischef Sascha Krämer, der dort ebenfalls angetreten war. Krämer holte 16,6 Prozent der Stimmen. Der Linke-Kandidat von 2009, Andreas Bernig, hatte 23,8 Prozent erreicht. Ludwig wollte den Wahlausgang am Sonntagabend zunächst nicht kommentieren.

Keine Überraschung gab es hingegen im Innenstadt-Babelsberg-Wahlkreis 21. Wie 2009 hieß die Siegerin auch diesmal Klara Geywitz (SPD), die sich wie damals gegen Brandenburgs Umweltministerin Anita Tack (Linke) durchsetzte. Der Abstand war diesmal sogar noch größer: Geywitz vereinte 28,0 Prozent der Stimmen auf sich, fast sechs Prozent mehr als ihre Konkurrentin. 2009 hatte Geywitz mit 31,6 zu 27,6 Prozent den Sieg davongetragen. Leichte Gewinne verbuchten die Kandidaten von CDU und Grünen, Wieland Niekisch und Marie Luise von Halem. Niekisch holte 18,3 (2009: 16,5 Prozent), von Halem 15,7 (2009: 14,1 Prozent). AfD-Spitzenkandidat Alexander Gauland holte in diesem Wahlkreis lediglich 7,2 Prozent der Stimmen und blieb damit unter dem Ergebnis seiner Partei in Potsdam.

Einen klaren Sieg fuhr im Wahlkreis 22, zu dem hauptsächlich Potsdams Plattenbaugebiete gehören, Hans-Jürgen Scharfenberg (Linke) ein. 38,4 Prozent der Stimmen holte er. Achtbar schlug sich dort die SPD-Kandidatin Ulrike Häfner, die auf 27,9 Prozent kam, obwohl sie bis vor Kurzem der Öffentlichkeit noch weitgehend unbekannt war. Vor fünf Jahren war SPD-Kreischef Mike Schubert in der Scharfenberg-Hochburg angetreten und hatte damals 31,4 Prozent geholt. Scharfenberg gewann den Wahlkreis damals mit 42,8 Prozent. Leicht hinzugewinnen konnte Steeven Bretz für die CDU. Vor fünf Jahren war er bei 12,3 Prozent gelandet, diesmal erreichte er 13,9 Prozent. AfD-Kandidat Stefan Hein holte in dem Plattenbau-Wahlkreis aus dem Stand 9,9 Prozent.

Enttäuschend war auch in der Landeshauptstadt die Wahlbeteiligung. Lediglich 55,9 der insgesamt 129 187 Wahlberechtigten haben am gestrigen Urnengang teilgenommen. Vor fünf Jahren hatten noch 72,2 Prozent der Potsdamer ihre Stimme bei der Landtagswahl abgegeben. Allerdings hatte sie damals zugleich mit der Bundestagswahl stattgefunden.

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