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Homepage: Angst vor dem australischen Modell? Eine Podiumsdiskussion über Studiengebühren

Von „paradiesischen Zuständen“ schwärmte ein Student beim Betreten des fast leeren Hörsaals auf dem Campus Griebnitzsee in dieser Woche. Ein Duzend Studenten saßen an dem Abend vereinzelt im Saal – im regulären Universitätsbetrieb sind hier über 300 Studenten keine Seltenheit.

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Von „paradiesischen Zuständen“ schwärmte ein Student beim Betreten des fast leeren Hörsaals auf dem Campus Griebnitzsee in dieser Woche. Ein Duzend Studenten saßen an dem Abend vereinzelt im Saal – im regulären Universitätsbetrieb sind hier über 300 Studenten keine Seltenheit. Doch der Saal wollte sich einfach nicht füllen.

Dabei war der Titel der Veranstaltung provokant gewählt: „Soziale Auslese durch einkommensabhängige Studienentgelte? Empirische Beweise aus Australien“. Sichtlich irritiert blickte Professor Hans-Georg Petersen vom Lehrstuhl für Finanzwissenschaft an der Uni Potsdam bei seiner Begrüßung hinter dem Katheder in die Leere. Sind die Zeiten der hitzigen Debatten und Demonstrationen der Potsdamer Studierendenschaft gegen Studiengebühren etwa vorbei? „Die Diskussion über Studiengebühren hat einerseits Nachdenken, aber vor allem auch Resignation ausgelöst“, vermutet Petersen. Politiker würden Ausflüchte aus einer defizitären Lage oftmals nur auf der Seite der Staatseinnahmen suchen. „Das ist frustrierend für die Studierenden. Der Glaube an den Staat hat gelitten“, so der Professor. Deshalb würden sich jungen Menschen ins Private zurückziehen und ihr Leben selbst in die Hand nehmen. „Das ist aber nicht ausschließlich beklagenswert“, sagte Petersen.

Die anwesenden Studenten überließen dann den Fachleuten des Podiums die Diskussion, die trotz des gepflegten Tons unterschwellig brodelte und kochte. Unterschiedlicher hätten die Kontrahenten auch nicht sein können: Die Friedrich-Naumann-Stiftung hatte Prof. Bruce Chapman aus Canberra – einen der Hauptkonstrukteure des australischen Modells der einkommensabhängigen Studienentgelte – und Rechtsanwalt Bernhard Liebscher, Leiter des Referats Rechtsfragen und Studienfinanzierung des Deutschen Studentenwerkes, eingeladen.

Seit 1989 gibt es in Australien das System der nachlaufenden Studiengebühren – genannt Higher Education Contribution Scheme (HECS). Die Gebühren werden nicht schon während des Studiums erhoben, sondern fallen erst an, wenn die Absolventen im Berufsleben stehen und sind dann an eine Einkommensuntergrenze gekoppelt. „In diesem System gibt es keine Diskriminierung von Studenten aus einkommensschwachen Schichten. Der Zuwachs an Studierenden seit der Einführung von Studiengebühren erfolgt zu gleichem Prozentsatz aus allen Schichten“, so das Urteil von Chapman. Doch Bernhard Liebscher bezweifelt die prinzipielle Übertragbarkeit des australischen Modells auf Deutschland. „Wir als Studentenwerk stehen Studiengebühren skeptisch gegenüber. Sie sind kontraproduktiv“, so Liebscher. Die Studenten seien ohnehin schon belastet: „Ein Viertel der Studenten hat weniger als 600 Euro pro Monat zur Verfügung.“ Hinzu kommen zusätzliche Belastungen, wie etwa die private Altersvorsorge.

Zum Schluss der Debatte verschärfte sich dann doch noch der Tonfall: „Ich bin nicht gekommen, um Deutschland das australische System aufzudrücken“, so Chapman. Die beiden Widersacher verabschiedeten sich schließlich mit kühlem Händedruck. Angela Gencarelli

Angela Gencarelli

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