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Landeshauptstadt: Garnisonkirche: Streit um Bundesgeld Linke gegen öffentliche Finanzierung

Einen Tag nach der Entscheidung des Bundes, den Wiederaufbau der Garnisonkirche mit zwölf Millionen Euro zu fördern, ist ein politischer Streit über die Finanzierung des Projekts ausgebrochen. Brandenburgs Linke, die gemeinsam mit der SPD die Regierung bildet, kündigte an, sie werde den Wiederaufbau nicht mit weiteren Landesmitteln unterstützen.

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Einen Tag nach der Entscheidung des Bundes, den Wiederaufbau der Garnisonkirche mit zwölf Millionen Euro zu fördern, ist ein politischer Streit über die Finanzierung des Projekts ausgebrochen. Brandenburgs Linke, die gemeinsam mit der SPD die Regierung bildet, kündigte an, sie werde den Wiederaufbau nicht mit weiteren Landesmitteln unterstützen. Es würden keine öffentlichen Gelder bereitgestellt, auch vor dem Hintergrund der umstrittenen Geschichte der Kirche, sagte Fraktionschef Christian Görke am Dienstag. Der im Zweiten Weltkrieg zerstörte Bau gilt – wegen des Handschlags zwischen Adolf Hitler und Reichspräsident Hindenburg am 21. März 1933, dem sogenannten Tag von Potsdam – als Symbol der Verbindung von Preußentum und Nationalsozialismus.

Am Montag hatte die Bundesregierung angekündigt, den Wiederaufbau in den kommenden beiden Jahren mit jeweils sechs Millionen Euro zu fördern. Görke nannte die Zusage „Wahlkampfakrobatik“ und verwies darauf, dass der Bundeshaushalt erst nach der Bundestagswahl am 22. September verabschiedet werde. Es handele sich somit um „virtuelles Geld“.

Scharfe Kritik an den Aussagen der Linken kam vom Potsdamer CDU-Landtagsabgeordneten Steeven Bretz. Die finanzielle Unterstützung für den Wiederaufbau der Kirche sei „ausdrücklich zu unterstützen“, sagte er den PNN. Die ablehnende Haltung der Linken sei Ausdruck eines „Politikstils, der nicht mehr in unsere Zeit passt“. Jede andere Stadt in Deutschland würde sich über die Fördermittel freuen, so der CDU-Politiker. Die Linke forderte er auf, „in der Stadt nicht zu polarisieren, sondern integrierend zu wirken“. Bereits am Montag hatten unter anderem Oberbürgermeister Jann Jakobs, dessen Partei SPD und die FDP die Bundesspende begrüßt, Kritik gab es von der Fraktion Die Andere und dem Bündnis für ein Potsdam ohne Garnisonkirche.

Unterstützung erhält das Projekt hingegen aus der Fachwelt: Der renommierte Architekt Jan Kleihues, dessen Berliner Büro Kleihues & Kleihues unter anderem das neue Hauptquartier des Bundesnachrichtendienstes (BND) entwarf, steht einer Rekonstruktion der Garnisonkirche positiv gegenüber. „Der Turm ist prägend für die Silhouette der Stadt“, erklärte Kleihues am Dienstag den PNN. Es gebe Orte, da sei es richtig, auf Rekonstruktionen zurückzugreifen, und das sei bei der Garnisonkirche an der Breiten Straße der Fall. Allerdings, bekennt der Architekturprofessor an der Fachhochschule Potsdam, müsse die Rekonstruktion der Kirche mit großer Handwerkskunst erfolgen. Er freue sich daher, dass eine Eins-zu-eins-Rekonstruktion erfolge.

Wie berichtet will die Stiftung Garnisonkirche als Bauherrin im Frühjahr 2014 mit dem Wiederaufbau der Garnisonkirche beginnen, deren Ruine 1968 auf Anordnung der SED gesprengt wurde. Die Wiedererrichtung soll insgesamt 100 Millionen Euro kosten, von denen rund 40 Millionen Euro auf den Turm entfallen. Letzterer soll zum 500. Jahrestag der Reformation im Jahr 2017 feierlich eingeweiht werden. Nach Aussagen der Stiftung Garnisonkirche soll das Bundesgeld unter anderem für das Fundament und die Turmkapelle genutzt werden. Der fast 90 Meter hohe Kirchturm galt einst als eines der Wahrzeichen Potsdams. mit gb / dpa

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